Depressiv und verliebt – wann ist es Liebe?

depressiv und verliebt

Wie sicher kann ich mir meiner Gefühle sein?

Die Depression macht einsam.  Das weiß so ziemlich jeder. Aber auch und vielleicht sogar insbesondere wünschen sich depressive Menschen, angenommen, geliebt zu sein.  Der deutsche Immunbiologe und Aphoristiker Gerhard Uhlenbrock  formulierte es treffend einmal so: Liebe heilt fast jede Depression, nur werden Depressive selten geliebt. Auch ist es oft so, das die Depression infolge einer Beziehungstragödie entstand und sie die Betroffenen deshalb nur schwer einlassen können. Sie sind depressiv und verliebt und zweifeln deshalb ganz besonders an sich selbst und ihren Gefühlen. Sie wissen mitunter nicht, ob das jetzt gerade Liebe ist, was sie empfinden oder eine Not, eine Sehnsucht dahinter steckt.


Wann ist es Liebe

Wann ist es denn Liebe? Wenn sich zwei Menschen begegnen, können wunderbare Dinge geschehen. Es kann sein, dass die beiden sich gegenseitig so sehr ihr Herz berühren, dass von diesem Augenblick an nichts mehr wie vorher scheint. Jedwede Wahrnehmung ist dann komplett auf den Anderen ausgerichtet. Alle Gedanken kreisen nur noch um diesen einen Menschen. Und die Gefühle? Die Gefühle quellen über! Ein ganzer Cocktail braut sich da binnen kürzester Zeit zusammen, dass man am Ende vielleicht gar nicht mehr weiß, was da im Einzelnen überhaupt  für Gefühle vorhanden sind. Wir sagen dann einfach: Wir hätten uns verliebt. Aber ist das auch wirklich so? Wie sicher können wir denn sein, dass es auch tatsächlich das Gefühl aller Gefühle ist, die Liebe! Und so einfach wie wir sagen, wir hätten uns verliebt, so kompliziert scheint es dann in der Tat auch zu sein…



Depressiv und verliebt?

Wann ist es Liebe? Bin ich wirklich verliebt? Woran kann ich erkennen, dass ich depressiv und verliebt bin? Woher weiß ich, ob es Liebe ist und nicht nur eine Schwärmerei? Wann kann ich mir sicher sein? Ist es nicht vielleicht nur der Wunsch nach Liebe, der mich hier aktiv werden lässt und mir suggeriert, ich würde den Anderen lieben? Was ist überhaupt Liebe? Ist Liebe tatsächlich nur ein Gefühl? Oder ist Liebe auch ein Zustand? Gefühle zeichnen sich eigentlich dadurch aus, dass sie niemals von Dauer sind. Egal ob es sich um Freude oder Trauer, Wut, Ärger, Ekel, Schuld, Scham oder Neugier handelt. Ein Gefühl kommt und geht wieder. Ein Gefühl bleibt nie lange Zeit, besonders dann nicht, wenn wir hergehen, uns Zeit nehmen und das Gefühl richtig wahrnehmen, es fließen lassen. Das wollen Gefühle nämlich. Sie wollen fließen, wie das Wort Emotion deutlich macht, denn Motion steht für Bewegung.

 

Liebe ist mehr als nur ein Wort

Ich denke, wir bräuchten hier tatsächlich mehrere Worte, um die Liebe zu beschreiben. Ein Wort wäre meiner Meinung nach schon einmal nötig für das Gefühl das ich habe, wenn ich selbst jemanden oder etwas liebe. Ein weiteres Wort hielte ich für angebracht, das Gefühl zu beschreiben, wenn ich mich geliebt fühle, denn das fühlt sich ein wenig anders an. Dann denke ich, kann Liebe für etwas, für einen anderen Menschen, sich selbst oder das Leben auch eine Grundhaltung sein, die wiederum eines eigenen Wortes bedarf. Liebe kann aber auch ein Zustand sein, etwa dann, wenn ich mich in jemanden verliebt habe. Dieser Zustand der Liebe oder Verliebtheit, wie wir es auch nennen, kann dann durchaus ein bis zwei Jahre, manchmal auch länger andauern.

Selbst die alten Griechen machten es sich nicht einfach mit der Beschreibung der Liebe. Sie hatten dafür drei verschiedene Worte parat. Sie unterschieden zwischen Eros, der leidenschaftlichen Liebe, Agape, der hingebungsvollen Liebe und Caritas, der Nächstenliebe. Einig sind wir uns wohl darüber, dass Liebe, wirkliche Liebe abseits des Verstandes stattfindet. Liebe ist nicht vernünftig. Sie rechnet nicht, sie erwartet nicht, sie verschenkt sich. Jean Paul formulierte es einmal so: „Man hört immer von Leuten, die vor lauter Liebe den Verstand verloren haben. Aber es gibt auch viele, die vor lauter Verstand die Liebe verloren haben.“



Verliebtheit

Zweifel gehören dazu

Wenn wir uns in einen anderen Menschen verlieben, sind tatsächlich, wie eingangs schon erwähnt, viele Gefühle im Einsatz. Neben dem Gefühl großer Liebe gibt es da oft auch Unsicherheit. Gefalle ich dem Anderen wirklich und gefalle ich ihm auch noch, wenn er mehr über mich weiß? Hat er vielleicht noch mehrere Eisen im Feuer oder bin tatsächlich ich der oder die Auserwählte? Eifersucht kann entstehen, wenn dies der Fall sein sollte. Was, wenn ich mich täusche und meine große Liebe gar nicht wirklich zu mir passt oder er oder sie findet, dass ich nicht wirklich zu ihm/ihr passe? Zweifel und vor allem Selbstzweifel können sich breit machen. All diese Gefühle wie Unsicherheit, Eifersucht, Zweifel gehören dazu. Hinter ihnen steht ein noch mächtigeres Gefühl – die Angst. Dennoch ist es nicht dasselbe, verliebt oder depressiv und verliebt zu sein.

Angst vor Verletzung

Es ist vor allem die Angst, abgelehnt zu werden, die Angst, verlassen zu werden, die dem Depressiven zu schaffen macht. Hierbei handelt es sich um die Angst vor dem Alleinsein oder die Angst, nicht wirklich geliebt zu werden, nicht so geliebt zu werden, wie man ist. Wo die Liebe ist, ist auch immer die Angst da. Die Angst ist der Gegenspieler der Liebe, der andere Pol. Liebe und Angst haben immer miteinander zu tun. Einmal ist die Liebe stärker und die Angst verliert und ein anderes Mal ist es die Angst, die die Oberhand gewinnt und es dann schwer macht in der Beziehung, sie eventuell sogar beschädigt oder zerstört. Aber auch andere Gefühle wie Neugier und Aufregung, Sehnsucht und Verlangen gehören zum Cocktail der Verliebtheit ebenso dazu wie beispielsweise Schmerz und Enttäuschung. Beim Verliebt sein handelt es sich tatsächlich auch hirnpsycsiologisch um einen Ausnahmezustand.

Sehnsucht

Früher glaubte ich, allein wenn Sehnsucht mit im Spiel ist, ist es auch Liebe. Aber das kann trügerisch sein. Manchmal wird die Sehnsucht gespeist von dem eigenen übergroßen Bedürfnis nach liebevoller Zuwendung. Es geht dann gar nicht darum, sich selbst zu verschenken, sondern eher um den Wunsch, etwas geschenkt zu bekommen. Das ist dann wohl keine Liebe. Hier findet lediglich ein Bedürfnis Ausdruck.



Was also ist nun Liebe?

Für mich ist Liebe nur der Teil, der verschenkt. Liebe ist reines Geben und nicht, wie es oft formuliert wird ein Geben und Nehmen. Das Nehmen ist nicht Teil der Liebe sondern gehört zur ganz normalen Erfüllung unserer Bedürfnisse. Wir können auch ohne Liebe nehmen. Natürlich können wir auch ohne Liebe geben, aus Berechnung vielleicht, aber dann ist es eher ein Investieren und kein Verschenken. Liebe verschenkt sich und erwartet nichts dafür. Sie kann einseitig sein und ist es manchmal tatsächlich auch zwischen Menschen. Liebe erträgt, Liebe verzeiht, Liebe umsorgt. Sie ist wohlwollend und freundlich,  offenbart sich und zeigt sich verletzlich. Liebe vertraut und Liebe ist göttlich. Sie ist die stärkste Kraft, die wir in uns tragen und zugleich der stärkste Quell unseres Lebens. Ohne die Liebe ist alles nichts und nichts alles. Die Liebe hält alles zusammen.

Es gibt den Begriff der bedingungslosen Liebe, aber die wahre Liebe ist immer bedingungslos. Kommen Bedingungen hinzu, wird Liebe eher zum Geschäft, zum Vertrag, zum Kalkül, dient dann eher der Befriedigung der eigenen Bedürfnisse, was durchaus nichts Schlechtes ist, aber eben keine Liebe im ursprünglichen, göttlichen Sinn.
Wann ist es also Liebe? Vielleicht dann, wenn all die eben genannten Eigenschaften zutreffen und ich keine Gegenleistung dafür erwarte…

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Liebe lässt sich ausnutzen

Zur Liebe sind wir alle fähig, solange unser Herz schlägt. Manch Verletzung, die uns im Laufe unseres Lebens zugefügt wurde, lässt uns vielleicht glauben machen, dass die Liebe uns schadet. Wir verschließen uns dann vor der Liebe und sehen zu, dass die Bilanz zwischen Geben und Nehmen immer halbwegs ausgeglichen ist. Wir wollen uns ja schließlich nichts ausnutzen lassen. Der Liebe ist das egal. Sie kennt das Wort Ausnutzen nicht. Wenn wir unsere Liebe nicht mehr verschenken können wie ein Kind, dann liegt es womöglich auch daran, dass wir uns selbst nicht lieben können. Womöglich haben wir es verlernt, auf uns stolz zu sein, uns zu mögen, sind selbst zu unserem größten Kritiker anstatt zu unserem größten Fan geworden? Womöglich haben wir uns selbst verlassen und fühlen uns deshalb einsam in unserem Herzen? Nur die Liebe kann das ändern und die Liebe zu sich selbst ist hierbei immer der erste Schritt. Können wir uns selbst nicht lieben, leben wir im Mangel. Leben wir im Mangel, haben wir nichts zu verschenken, suchen stattdessen, versuchen zu bekommen…
Füllen wir aber unser Herz wieder mit unserer eigenen Liebe und füllen es so weit, dass es überläuft, dann können wir all den Überfluss verschenken und Liebe in die Welt tragen, ohne selbst arm daran zu werden. Wie geben dann nur, wovon wir selbst schon genug haben. Wir sind dann nicht Bedürftige, sondern können vorbehaltlos, frei und ohne Erwartung einer Gegenleistung verschenken, was mit keinem Geld der Welt zu bezahlen ist. Und das besonders Schöne daran ist: Die Liebe wächst, wenn man sie teilt.

Quellen zu „Depressiv und verliebt“
Foto: pixabay.com

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