Berufsunfähigkeit wegen Depression und Rente – Antrag und Gutachter

Berufsunfähigkeit beantragen Tipps

Berufsunfähigkeit wegen Depression beantragen – Oft der einzige Ausweg

Nicht wenige sind irgendwann nach langer Krankheit wegen der Depression ausgesteuert, fühlen sich berufsunfähig und beantragen deshalb vorzeitig die Rente. Wie die Deutsche Rentenversicherung bekannt gab, sind Psychische Krankheiten, voran die Depression, heutzutage der Hauptgrund für Berufsunfähigkeit im Zusammenhang mit der Gewährung von vorzeitiger Rente. 


Berufsunfähigkeit wegen Depression passiert mir nicht

Als ich noch jung war und man mir immer wieder einmal diverse Versicherungen anbot, um mir ein menschenwürdiges Leben im fortgeschrittenen Alter zu ermöglichen, wischte ich all diese Angebote regelmäßig vom Tisch. „Was soll ich denn mit einer Versicherung gegen Berufsunfähigkeit wegen Depression?“, dachte ich. Erwerbsunfähigkeitsversicherungen, private Pflegeversicherungen, Zusatzkrankenversicherungen – all diese Modelle schienen mir nur dafür geeignet, den Tresor der Versicherungsgesellschaften zu füllen und meinen eigenen Geldbeutel zu leeren.

Meistens kommt es anders

Ich konnte mir beileibe nicht vorstellen, dass auch nur eines dieser Angebote für mich irgendwann interessant sein könnte. Aber wie heißt es noch? „Erstens kommt es anders, und zweitens, als man denkt.“ Und so kam es dann auch. Dabei kann ich noch von Glück sprechen, dass es mich nicht schon früher erwischt hat. Die besten Jahre meines Lebens hatte ich Arbeit und habe auch nicht schlecht verdient, so dass ich mir einen Rentenanspruch erwerben konnte, von dem ich heute auch tatsächlich menschenwürdig leben kann.

Gesetzliche Rente aufgrund Berufsunfähigkeit wegen Depression

Ich bin Jahrgang 60 und profitiere deshalb noch von einer gesetzlichen Berufsunfähigkeitsrente, die es aber schon ab Jahrgang 61 leider nicht mehr gibt. Nicht allen Menschen, die wie ich aufgrund von Depressionen erwerbsunfähig berentet wurden, geht es also so gut wie mir. Viele sind auf Sozialhilfe angewiesen. Und dies bedeutet dann, dass sich daran vermutlich nichts mehr ändern wird, bis zum letzten Atemzug. Denn wer einmal ausgetreten ist aus dem Mainstream, wer sich als psychisch krank zu erkennen gegeben hat, der wird wohl kaum jemals den Weg zurück in eine bezahlte Arbeit finden, einmal abgesehen davon, dass dies aus gesundheitlicher Sicht ohnehin meist nicht möglich ist. Und dennoch, auch mir würde ein paar Euro hier und da sicherlich gut zu Gesicht stehen. Jetzt habe ich die Zeit, jetzt fehlt mir das Geld. Und als Rentner hat man nun einmal viel Zeit.

Statistik zu Berufsunfähigkeit

Statistisch betrachtet trifft es jeden vierten bis fünften Berufstätigen vor seinem Rentenbeginn. Dabei nehmen psychische Ursachen einen gewichtigen Platz ein. Etwa 28 Prozent aller Berufsunfähigkeiten stellt die Gruppe Psychischer Erkrankungen und Nervenkrankheiten, gefolgt mit 23 Prozent von Erkrankungen des Bewegungsapparates. Die Summe sonstiger Erkrankungen schlägt mit 16 Prozent zu Buche, Krebskrankheiten erreichen einen Anteil von 15 Prozent und Unfälle von 10 Prozent. Schlusslicht sind Herz- Und Gefäßkrankheiten mit 8 Prozent. (Quelle: GDV)



Erwerbsunfähigkeitsversicherung bei Depression

Wenn die Depression da ist, ist es zu spät. Ist die Depression aktenkundig, kann man sich logischerweise nicht mehr gegen eine Berufsunfähigkeit wegen Depression oder eine Erwerbsunfähigkeit wegen Depression versichern. Damals glaubte ich, ich würde so etwas nicht brauchen. Heute würde ich anders entscheiden. Heute rate ich jedem, vorausgesetzt, er kann es sich leisten, für genau so einen Fall vorzusorgen. Die Belastungen im Berufsleben wachsen stetig und ich kann mir nicht vorstellen, dass in Zukunft noch viele Menschen körperlich und seelisch gesund ihr reguläres Rentenalter erreichen werden. Leider befassen sich Gesunde nur ungern mit solchen Themen. Manchmal ist jemand in der Familie von einer Depression betroffen und kann nicht mehr arbeiten. Da wird dann etwas deutlich. Aber meistens schieben wir Menschen solch unangenehme Themen weit von uns weg. Im Falle der Depression halte ich heute eine Berufsunfähigkeitsversicherung für anempfohlen.

Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt Rente

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt dir eine monatliche Rente, wenn du wegen einer Krankheit oder eines Unfall nicht mehr in deinem Beruf arbeiten kannst. Sie leistet in der Regel schon dann, wenn es die versicherte Person in ihrem zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr schafft, zu mindestens 50 Prozent tätig zu sein. Für die Inanspruchnahme einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung liegen die Anforderungen da deutlich höher. Je nach Vertragsbedingungen muss man schon ganz erheblich behindert oder erkrankt sein, um Leistungen aus dieser Versicherung zu erhalten. Wenn du dir jedoch aus finanziellen Gründen keine Berufsunfähigkeitsversicherung leisten kannst oder die Chancen auf eine der begehrten Policen aufgrund vorhandener Vorerkrankungen oder bestehender Risiken gering stehen, solltest du zumindest den Abschuss einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung in Betracht ziehen.

Basisschutz Erwerbsminderungsrente

Damit hättest du wenigstens einen Basisschutz für den Fall X, der hoffentlich nie eintreten wird. Eine weitere Besonderheit bei der Erwerbsunfähigkeitsversicherung besteht darin, dass dein Gesundheitszustand nicht explizit überprüft wird. Dafür gibt es jedoch meistens eine mehrjährige Wartezeit. Auf den entsprechenden Portalen findest du hierzu ausführliche Information.



Privat Vorsorgen erleichtert Pflege

Es passiert auch nicht selten, dass Menschen mit Depressionen sich so weit aus dem Leben zurückziehen, dass sie es von sich aus nicht mehr schaffen, vorhandene soziale Kontakte zu halten oder neue anzubahnen. Für einen solchen Fall kann die Betreuung durch einen ambulanten psychiatrischen Pflegedienst sinnvoll sein. In einigen Fällen wird dies auch von den Krankenkassen bezahlt, jedenfalls noch. Fakt ist eins: Die Pflege wird immer teurer. Immer mehr Menschen bedürfen ihrer. Wer im Falle von Pflegebedürftigkeit nicht seinen Kindern zur Last fallen oder unfreiwillig zum Sozialfall werden will, sollte womöglich einmal über eine private Pflegeversicherung nachdenken.

Private Pflegeversicherung

Ob es um die Pflegeversicherung für ältere Menschen mit Kindern geht oder um die Pflegeversicherung für Kinderlose: Ein Vergleich Privater Pflegeversicherungen mit der gesetzlichen Versicherung lohnt sich allemal: Denn wenn Pflegebedürftigkeit eintritt, reichen die gesetzlichen Leistungen oftmals nicht aus, um die kompletten Kosten für die Pflege abzudecken. Beispielsweise liegen die Kosten für die ganztägige Unterbringung eines Pflegebedürftigen in einem Pflegeheim bis zu mehr als doppelt so hoch wie die gesetzliche Versicherung dafür zu zahlen bereit ist.

Private Zusatzversicherung

Private Vorsorge lohnt sich in jedem Fall, egal ob privat oder gesetzlich versichert. Wer gesetzlich versichert ist, hat die Möglichkeit, privat aufzustocken. Die sogenannte private Pflegezusatzversicherung mildert hier die finanzielle Belastung im Pflegefall deutlich ab. So zahlt beispielsweise die sogenannte Pflegetagegeldversicherung für jeden Pflegetag einen zuvor vereinbarten Geldbetrag, das sogenannte Pflegetagegeld aus. Das wird übrigens auch gezahlt, wenn der finanziellen Kosten der Pflege geringer sind, als das Pflegetagegeld. Es muss nur ein Nachweis über Pflegebedürftigkeit erbracht werden. Allerdings müssen die Beiträge für diese Versicherung monatlich höher als zehn Euro sein. Ein weiteres Modell ist die sogenannte Pflegerentenversicherung. Als freiwillige Zusatzversicherung zahlt sie eine monatliche Rente an den Pflegedürftigen aus. Oder aber du entscheidest dich für eine Pflegekostenversicherung. Pflegekostenversicherungen übernehmen die Kosten für die Differenz zwischen den gesetzlichen Pflegeleistungen und den tatsächlich anfallenden Kosten.

Weitere Infos zum Thema findest du auch im E-Book Gesetzliche Pflegeversicherung auf meinepflegeversicherung.com.



Depression – Wie komme ich in Rente?

Da du nun hier auf dieser Seite gelandet bist, gehe ich davon aus, dass du konkret darüber nachdenkst, für dich Rente und Berufsunfähigkeit wegen Depression zu beantragen. Ich will dir dabei helfen und habe deshalb alles, was ich dazu an hilfreichen Informationen finden konnte, einmal auf einem Blatt Papier zusammen getragen. Ich erinnere mich noch gut an meine eigene Entscheidungsphase in Bezug auf die Rente und Berufsunfähigkeit wegen Depression. Wie sehr war doch diese Zeit von Unsicherheit und Selbstzweifeln geprägt. Es hat einige Zeit gebraucht, bis ich sicher wusste, was ich wollte, wie mein Leben weitergehen sollte. Solange du nämlich unsicher bist, ob du die Rente und Berufsunfähigkeit wegen Depression auch wirklich schon verdient hast, kannst du dir meines Erachtens den Weg in die Rentenberatungsstelle sparen. Alles fängt mit dieser Entscheidung an. Die musst du ganz für dich allein treffen!

Die Entscheidungsphase für eine Rente wegen Depression

Bei mir hat die Entscheidungsphase seinerzeit etwa ein Jahr gedauert. Es galt, viele Zweifel auszuräumen, vor allem Selbstzweifel. Ich glaubte lange Zeit, die Rente noch nicht verdient zu haben. Andere müssten doch schließlich auch bis 67 arbeiten! Ich befürchtete, von meinen Mitmenschen als Sozialschmarotzer betrachtet zu werden. Ich hatte Angst davor, überhaupt in eine Rentenberatungsstelle zu gehen. Immerhin war ich erst 48 Jahre alt. Was wenn sie den Rentenantrag gar nicht annehmen? Was, wenn sie mich dort schief angucken? Ich denke, das sind alles ganz normale Ängste und Befangenheiten eines depressiven Menschen. Bevor die aber nicht ausgeräumt sind, bevor du nicht selbst davon überzeugt bist, die Frührente zu brauchen, weil es keine andere Alternative gibt, wird dein Antrag vermutlich ins Leere laufen.

Deine Überzeugung

Das was du von dir denkst, steht dir quasi auf der Stirn geschrieben: „Ich verdiene die Rente nicht!“ „Ich will auf Kosten Anderer leben!“ „Ich bin gar nicht so schlimm krank!“ Was erwartest du also? Die Rentenversicherung muss so entscheiden und deinen Antrag ablehnen. Du selbst „willst“ es so. Darum ist es der erste und wichtigste Schritt: Setz dich mit deinen Ängsten und Vorbehalten auseinander und kläre mit dir selbst, was für dich gegen deinen Rentenantrag spricht und was dafür!



Scham infolge Berufsunfähigkeit wegen Depression

Mir hat damals der Begriff einer Lebensleistung geholfen. Ich ließ das Leben vor meinem geistigen Auge vorüber ziehen und sammelte alles ein: meine beruflichen Tätigkeiten, meine bezahlten und unbezahlten Überstunden, meine Verantwortungen, die ich immer viel zu gern übernahm, meine Ehrenämter, meine Rollen als Sohn, Enkel, Neffe, Bruder, Familienvater und Ehemann, meine Zeit der Verfolgung in der DDR, mein Neuanfang bei Null hier im Westen, meine 16 Semester Fortbildung im Fernstudium, meine demente Oma, die viele Jahre in unserem Haushalt lebte, ein Haus, das ich für meine Familie baute …

Die Lebensleistung

Und so sammelte ich alles ein, was ich im Leben geleistet hatte und am Ende kam ich zu dem Schluss, dass es genug war. Eine durchaus nennenswerte Lebensleistung kam da zusammen. Ich hatte genug getan. Dusseliger Weise hatte ich mich anscheinend zu sehr damit beeilt. Hätte ich mir mit allem mehr Zeit gelassen, hätte ich vermutlich auch bis zum regulären Rentenalter durchgehalten. Hätte ich mir mehr Zeit gelassen, hätte ich einmal öfter auch an mich selbst gedacht, meine eigenen Bedürfnisse mehr in den Fokus gerückt, wäre ich womöglich auch von der Depression verschont geblieben. Aber jetzt war es, wie es war. Und die entscheidende Erkenntnis der Stunde lautete: Ich musste mich nicht schämen, nicht für die Depression und auch nicht für die Rente oder Berufsunfähigkeit wegen Depression. Ich hatte genug getan.

 

Steht mir eigentlich Rente zu?

Es wird uns ja seit es die Bundesrepublik Deutschland gibt erzählt, die Renten seien sicher. Die Wahrheit ist aber: Die Rentenkasse lebt von der Hand in den Mund. Alles was du bislang eingezahlt hast, ist längst futsch. Das bedeutet, du bist von dem guten Willen unserer Politiker abhängig, was deine Versorgung im Alter anbetrifft.

Wie sicher sind die Renten?

Erst hieß es, ich könne mit fünfundsechzig Jahren in Rente gehen, jetzt sind es schon siebenundsechzig Jahre, aber wo wird die Eintrittsschwelle 2027 liegen, wenn ich dann endlich 67 bin? Ich vermute einmal, nicht mehr bei 67 und die Höhe der Rente wird auch nicht mehr die sein, die mir ein Leben ermöglicht, wie sie es jetzt noch vermag. Es sind einfache Rechenaufgaben. Demografisch können wir uns als Gesellschaft die Vollversorgung der Pensionäre nicht länger leisten. Ich bin mir sicher, dass jeder, der heute keinen Antrag auf Erwerbsminderungsrente stellt, das einst bereuen wird. Es wird sich vermutlich irgendwann herausstellen, dass er um seine Lebensleistung und seine eingezahlten Beiträge betrogen wurde. Du musst dich also nicht schämen, beim Frührente beantragen, du holst dir nur, was dir zusteht. Du holst dir wieder, was du einmal verdient und eingezahlt hast.



Bin ich nicht zu jung für eine Rente?

War das Ganze nicht vielleicht doch ein Fehler? Bin ich nicht viel zu jung für die Frührente? Wäre es nicht vielleicht doch auch anders gegangen? Andere schaffen es doch auch? Andere gehen doch auch nicht jubelnd und beschwingt zur Arbeit? Habe ich mich durch den Rentenantrag nicht selbst vom Leben abgeschnitten? Vielleicht kommen auch dir solche Fragen in den Sinn. Vielleicht wachsen Zweifel in dir?

Mit 48 Rente und Berufsunfähigkeit wegen Depression

Heute bin ich Ende Fünfzig. Mit 48 Jahren wurde ich Rentner. Wie das ablief, was zu beachten war und wie ich bei der Antragstellung vorging, ist Thema eines gesonderten Beitrages hier im Blog. Näheres dazu erfährst du hier: Wie bekam ich vorzeitig Rente wegen Krankheit? Noch immer sehe ich es so, dass es eine der besten Entscheidungen meines Lebens war. Zugegeben, leicht fiel mir dieser Entschluss nicht, aber er hat sich als der richtige herausgestellt. Durch meinen Rentnerstatus hatte ich plötzlich den Rücken frei. So viel Druck fiel auf einmal von mir ab! Ich musste jetzt nicht mehr binnen Wochen oder Monaten gesund, leistungsbereit und einsatzfähig werden. Ich konnte mir Zeit lassen, in mich hinein hören, meinen eigenen Rhythmus finden.

Zwar habe ich noch immer Depressionen, aber sie verleiden mir mein Leben nicht mehr. Heute geht es mir wieder gut. Ich lebe heute anders, bewusster, schone mich mehr, ohne aber aufgehört zu haben, mich zu fordern. In mein altes Leben möchte ich nicht wieder zurückkehren. Ich traf mit der Rente eine gute Entscheidung für mich, wenngleich ich jetzt auch mit deutlich weniger Geld zurecht kommen muss.

Was ist der Unterschied zwischen voller und teilweiser Erwerbsminderung?

Volle Erwerbsminderung liegt vor, wenn ärztlich festgestellt wurde, dass du nur weniger als drei Stunden täglich arbeiten kannst. Eine teilweise Erwerbsminderung hingegen besteht, wenn ärztlich festgestellt wurde, dass du drei oder mehr Stunden am Tag arbeiten kannst, jedoch weniger als sechs Stunden täglich. Wenn du sechs oder mehr Stunden pro Tag arbeiten kannst, giltst du nicht als erwerbsgemindert. Bei voller Erwerbsminderung wird auch die volle Erwerbsminderungsrente gezahlt. Bei teilweiser Erwerbsminderung kommt nur die halbe Erwerbsminderungsrente zum Ansatz.

 

Depression aktenkundig machen

Geh zum Arzt! Quäl dich nicht länger im Verborgenen! Wenn du nicht mehr kannst, geh zum Arzt! Wenn dir deine Arbeit zu schwer fällt, geh zum Arzt! Geh offen mit deinen Beschwerden um und vertrau dich deinem Arzt an. Sorge auf diesem Wege dafür, dass dies immer wieder aktenkundig wird. Das müssen nicht immer nur seelische Beschwerden sein. Auch Bluthochdruck, Schwindel, Rückenschmerzen, Magenprobleme … etc. – egal was es ist, geh zum Arzt und lass es behandeln.

Für deine seelischen Probleme suche am besten einen Psychiater auf! Ich weiß, das kostet Überwindung, aber es ist notwendig. Nur ein Psychiater kann später fachlich relevante Stellungnahmen und Gutachten über deine seelische Verfassung schreiben. Es wird kein einfacher Weg sein, eine Berufsunfähigkeit wegen Depression attestiert zu bekommen. Für die Rente führt daran aber kein Weg vorbei.

Schweigepflichtsentbindung

Im Zuge deines Rentenantragsverfahrens werden später  all deine behandelnden Ärzte durch dich von ihrer Schweigepflicht entbunden und berichten der Rentenkasse über deinen Gesundheitszustand. Auf der Grundlage der Summe dieser Stellungnahmen entscheidet dann ein externer Gutachter darüber, ob du dein Rentenantrag genehmigt wird oder nicht. Dieser Gutachter wird dich nie persönlich kennenlernen. DIe Entscheidung wird allein nach Aktenlage gefällt. Sorge also dafür, dass es von behandelnder Stelle auch etwas zu berichten gibt. Sprich stets offen über deine Ängste, Sorgen und Schwierigkeiten im Leben mit deinem Psychiater. Schäme dich nicht für deine Krankheit! Du hast nichts falsch gemacht, du bist nicht schuld daran, dass es ist wie es ist und du hast nichts Unrechtes getan. Du bist einfach nur krank geworden und willst nun für deine Gesundheit sorgen.



Was spricht für die Rente und Berufsunfähigkeit wegen Depression?

Wie eingangs schon erwähnt, hatte ich hatte seinerzeit Schwierigkeiten damit, im Alter von nur 48 Jahren die Rente zu beantragen. Aber dann habe ich mich mit dem System befasst und herausgefunden, dass es genau für Leute wie mich gemacht war. Es geht hier primär nämlich nicht um eine vorgezogene Altersrente, sondern um die Möglichkeit, in Ruhe eine länger andauernde Krankheit auskurieren zu können. Schwere Depressionen verschwinden gewöhnlich nicht von heute auf morgen, das braucht Zeit. Viel Zeit! Vermutlich hast du zu dieser Erkenntnis auch schon selbst gefunden. Und genau dafür ist die Erwerbsminderungsrente oder Erwerbsunfähigkeitsrente, wie sie zuvor hieß, gedacht.

Ständige Überforderung

Deine Arbeit belastet dich zu sehr? Du bist überfordert? Wenn die Überforderung aber anhält, kannst du auch nicht gesund werden. Was liegt also näher, Ruhe einkehren zu lassen? Du stellst einen Antrag auf eine befristete Erwerbsminderungsrente. Eine Rente wegen Depression ist grundsätzlich immer auf drei Jahre befristet. Drei Jahre ist ein lange Zeit. Da kann viel geschehen. Du kannst die Zeit in Ruhe nutzen, dich zu erholen, dein Leben langsam umzubauen, Therapien zu machen und Probleme, die dich belasten, aus der Welt zu schaffen. Nimm vielleicht erst einmal nur diese drei Jahre ins Visier!
Du beantragst also zunächst eine Auszeit, um gesund zu werden und nicht die Altersrente! Das ist ehrenhaft, wie ich finde. Keinesfalls musst du dich dafür schämen!

 

Schwerbehinderung begünstigt Erwerbsminderungsrente

Als ich damals mit der Entscheidungsfindung zur Rente wegen Depression befasst war, habe ich auch im Internet nach Ratschlägen gesucht. Leider fand ich dazu nicht allzu viel. Das ist verwunderlich, wo doch die Depression der Hauptgrund für den vorzeitigen Renteneintritt ist. Das einzige, was ich in einschlägigen Foren an Ratschlägen dazu fand, war der Hinweis, dass es vorteilhaft wäre, wenn man vor dem Beantragen der Rente und Berufsunfähigkeit wegen Depression einen Antrag auf Feststellung der Schwerbehinderung gestellt hätte. Mir ist noch immer nicht ganz klar, weshalb. Ein neues Gutachten wird in jedem Fall erstellt. Aber ich bin dem Rat gefolgt und zumindest hat es mir nicht geschadet.

Mein Rentenantrag lief ohne Probleme durch. Deshalb will ich dir diese Empfehlung hier auch nicht vorenthalten. Aus ganz anderen Gründen halte ich aber so einen Antrag auf Schwerbehinderung ohnehin für sinnvoll. Aber das soll hier heute nicht Thema sein. Bei Interesse findest du die Einzelheiten dazu in dem Beitrag Depression und Vorteile bei Schwerbehinderung.



Der Psychiater

Vermutlich wird es dir schwer fallen, dich aufzuraffen und zum Psychiater zu gehen, gerade wenn es dir schlecht geht, aber es muss nun einmal sein. Ohne ärztliche Begleitung wirst du vermutlich nie die Rente bekommen. Wenn du nun zum Psychiater gehst, dann verschwende deine restliche Energie nicht darauf, dich heraus zu putzen, wie man es dich vermutlich schon als Kind lehrte („Zum Arzt geht man anständig angezogen hin.“) Zeig dich dem Psychiater stattdessen so, wie du dich normalerweise kleidest und pflegst. Wenn dir die Körperpflege jetzt zu anstrengend ist, dann mach es auch nicht anders, wenn du zum Arzt gehst.

Dein Erscheinungsbild ist wichtig

Psychiater machen sich immer auch Notizen darüber, wie dein äußeres Erscheinungsbild ist. Wenn du hier mit einem Top-Outfit glänzt, dann gibst du eventuell ein falsches Bild von dir ab. Zeige dich also so, wie du tatsächlich lebst. Sei authentisch! Wenn es Jogginghose und Latschen sind – dann ist es eben so. Wenn du schon lange nicht beim Friseur warst und es unbedingt sein muss, geh nach deinem Arzttermin zum Friseur. Es kommt darauf an, den richtigen Eindruck zu hinterlassen und den Fachleuten nichts vorzumachen. Zeige dich, wie du bist, wie du dich jetzt fühlst, wie es dir jetzt geht. Das ist wichtig.

 

Bearbeitungsdauer und Reha

Es heißt, die Bearbeitung eines Rentenantrages dauere etwa ein halbes Jahr. Ich würde nach meinen Erfahrungen aber eher von einem Dreivierteljahr ausgehen. In diese Zeit fallen dann noch dein Gutachtertermin und die Reha. Die Reha dauert etwa vier bis sechs Wochen und findet in einer Psychiatrischen oder Psychosomatischen Klinik statt. Das sind spezielle Kliniken, die mit dem Rentenversicherungsträger zusammen arbeiten. Du erhältst von dort auch deine Einladung.

Warum eine Reha?

Die Reha ist in der Regel obligatorisch. Dort prüft man dich auf deine Arbeitsfähigkeit und Belastbarkeit hin. Nur in begründeten Ausnahmefällen wirst du dir dies ersparen können. Die Rentenkasse verfährt nämlich nach dem Grundsatz: Reha vor Rente. Und obwohl so eine bevorstehende Reha oftmals auch Angst macht, zumindest ein mulmiges Gefühl bei dem Betroffenen auslöst, kann man das Ganze auch als Chance sehen. Denn die standardmäßige Inaugenscheinnahme beim niedergelassenen Rentengutachter dauert nicht viel mehr als eine Stunde und entscheidet dann über dein weiteres Leben. Ich finde den Ansatz der Rentenkasse, sich den Antragsteller gründlich anzuschauen, deshalb durchaus sinnvoll und nah am Patienten.



Der Gutachter

Muss ich zum Gutachter?

So bitter es ist, aber ohne Gutachter geht es leider nicht. In jedem Fall wird ein niedergelassener Gutachter der Rentenversicherung mit in das Entscheidungsverfahren zu deiner Rente wegen Depression hinzugezogen. Aber so schlimm ist es am Ende dann auch wieder nicht. Es sind in der Regel ganz normale Psychiater, die für solche Gutachten mit der Rentenversicherung zusammen arbeiten. Der Gutachter bekommt von der Rentenkasse deine Daten und Befunde. Dann wird er dich zu einem Gutachtertermin einladen. Die Fahrtkosten hierfür übernimmt die Rentenkasse. Auch hier ist es wichtig, dass du offen über deine Beschwerden, Sorgen und Ängste sprichst.

Angst vor dem Gutachter

Wenn du Angst vor diesem Termin hast und aufgeregt bist, dann mach dir vorher einen kleinen Notizzettel und schreibe auf, was du sagen willst. Der Gutachter kennt dich nicht und muss sich während einer Stunde ein Bild über dich machen. Hilf ihm dabei, so gut du kannst. Schreib auf, welche Symptome und Beschwerden du hast und wie oft und reiche dem Gutachter diese Liste zu seinen Akten. Auch körperliche Symptome gehören in so eine Liste. Schreib alles auf, was dir Unbehagen bereitet. Wie so eine eine Symptomliste aussehen kann, siehst du hier: Liste Symptome Depression. Übrigens ist diese Liste meiner Symptome auch einmal aus Anlass eines bevorstehenden Gutachtertermines entstanden. Das Ergebnis des Termins: Meine Rente wegen Depression wurde gleich beim ersten Verlängerungsantrag auf unbegrenzte Zeit verlängert. Ich muss also nicht mehr zittern und wünsche auch dir irgendwann dieses gute Gefühl. Gute Vorbereitung lohnt sich, denke ich. Darum schreibe ich hier.

Vorsicht bei Fangfragen des Gutachters

Als  Laie durchschaut man die gestellten Fragen oftmals nicht und glaubt mitunter, wenn man die eine oder andere Antwort ankreuzt, die das Leiden noch stärker betonen könnte, würde sich die Chance auf eine Berufsunfähigkeit wegen Depression und damit die Chance auf eine vorzeitige Rente vergrößern. Das Gegenteil ist aber vermutlich eher der Fall. Die Fachwelt spricht hier von Aggravation. Damit ist eine übertriebene Darstellung von Leiden gemeint. Sie kann  zu dem Schluss führen, dass der Patient gar nicht in der von ihm geschilderten Weise erkrankt ist, sondern lediglich versucht, sich ein Attest zu erschleichen. Derlei Testfragen entlarven mit ziemlich hoher Treffsicherheit Simulanten und Übertreiber, was dann höchstwahrscheinlich zu einer Ablehnung des Rentenantrages führen wird. Vorsicht also bei den Fangfragen des Gutachter! Beispielsweise kann es sein, dass du dich zu einem der folgenden Punkte äußern sollst :

Sport und Spaziergänge

Wenn meine Depression zu stark wird,
mache ich lange Spaziergänge oder
Sport, um die Spannung zu vermindern.

Richtig ist, dass Sport und Spaziergänge vorbeugend antidepressiv wirken können. Während einer schweren depressiven Episode wird es dem Betroffen aber vermutlich nicht von selbst gelingen, sich dazu aufzuraffen.

Schlafverhalten

Am besten fühle ich mich morgens nach
einem guten Schlaf, obwohl ich die
meiste Zeit depressiv bin.

Zu den Symptomen der Depression zählen Schlafstörungen, Früherwachen und das sogenannte Morgentief. Wer morgens gut erholt in den Tag starten mag, macht dann wohl eher nicht den Eindruck, schwer depressiv zu sein.

Appetit

Je depressiver ich bin, um so mehr
möchte ich essen.

Depressive leiden zumeist eher unter Appetitlosigkeit und verlieren sogar oftmals während schwerer depressiver Episoden an Gewicht. Ein gesunder Appetit passt eher nicht zur Depression.

Hoffnung

Auch wenn die Situation für mich
schlecht aussieht, hoffe ich weiterhin,
dass die Dinge irgendwann besser
werden.

Depressive Menschen leiden unter Hoffnungslosigkeit. Sie können kaum daran glauben, dass die Dinge irgendwann wieder besser werden sollten.

Freunde und Hobbies

Wenn ich niedergeschlagen bin, können
mich meine Freunde oder Hobbies
und Interessen wieder aufmuntern.

Das trifft wohl eher auf psychisch gesunde Menschen zu. Der Versuch, jemanden der schwer depressiv ist, aufmuntern zu wollen, geht jedoch meistens nach hinten los. Interessen- und Freudlosigkeit zählen ebenfalls zu den Kernsymptomen einer Depression.



Wegen Depression ausgesteuert –  Die Fakten

Die vorzeitige Rente wegen psychischer Störungen insbesondere die Berufsunfähigkeit wegen Depression ist inzwischen trauriger Alltag in Deutschland geworden. Die Menschen werden krank und finden nur schwer den Weg zurück zu seelischer Gesundheit. Immer mehr machen von einem Angebot des Sozialstaates, der Erwerbsminderungsrente Gebrauch, weil sie bereits wegen der Depression ausgesteuert sind. Man gilt als ausgesteuert, wenn man länger als 78 Wochen wegen ein und derselben Diagnose Krankengeld bezogen hat.

Statistik

Im Jahr 2011 wurden etwa einundvierzig Prozent der Anträge auf eine Erwerbsminderungsrente mit Depressionen, Angstzuständen oder ähnlichem begründet, wie in der » Welt am Sonntag « unlängst zu lesen war. In 2000 habe dieser Anteil noch bei vierundzwanzig Prozent gelegen. Psychische Erkrankungen haben demzufolge die langjährigen Hauptgründe für Erwerbsunfähigkeitsrenten, Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen, überrundet. Ich befinde mich sozusagen in guter Gesellschaft. Vielleicht gründen wir Depressiven bald eine Partei? Bei so viel Zuwachs, da muss sich doch etwas bewegen lassen? Aber Spaß beiseite, die Politik überlasse ich dann doch lieber denen, die davon etwas verstehen oder das zumindest von sich glauben. Für viele Menschen ist der Rentenantrag offenbar immer noch der einzige Ausweg aus der Depression. Leider ist auch dieser Weg kein einfacher.  Im statistischen Mittel wird etwa jeder zweite Antrag auf Rente wegen Depression abgelehnt. Berufsunfähigkeit wegen Depression klingt zwar logisch, aber einfach ist es deswegen noch lange nicht.



Fazit zu Berufsunfähigkeit wegen Depression

Ich rate dazu, immer gewissenhaft und wahrheitsgemäß zu antworten. Dann läuft man auch nicht Gefahr, in die Simulantenecke gestellt zu werden. Ich denke, wer wirklich unter Depressionen leidet und sich irgendwann dazu durchringt, die Berufsunfähigkeit wegen Depression und schließlich eine vorgezogene Rente zu beantragen, der hat eine übertriebene Darstellung seiner Leiden gar nicht nötig. So ein Mensch leidet wahrlich schon genug.

Im Internet habe ich noch zwei weitere Listen mit Hilfestellungen zum Thema Berufsunfähigkeit wegen depression und Gutachterbesuch gefunden, die ich hier als Download zur Verfügung stellen möchte:

 

Quellen zu „Berufsunfähigkeit wegen Depression – Tipps“
Foto: Angelina-Ströbel / pixelio.de

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Berufsunfähigkeit wegen Depression und Rente -  Antrag und Gutachter
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Berufsunfähigkeit wegen Depression und Rente - Antrag und Gutachter
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Kann man Berufsunfähigkeit wegen Depression beantragen und so Rente bekommen? Was ist zu beachten? Was spricht dafür und was nicht? Tipps von Benno Blues
Benno Blues
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