Depression Burnout und Leistungsdruck – Ein Leserbrief von Joe

Leserbrief Depression

EIn Leserbrief kann geeignet sein, Druck abzubauen.

Depressionen haben sehr oft etwas mit Verlust zu tun. Das kann der Verlust eines geliebten Menschen sein, der Verlust des Arbeitsplatzes, der Verlust der Gesundheit oder die Verminderung der eigenen Leistungsfähigkeit. Immer wieder kann es passieren, dass uns Verluste überfordern oder gar hilflos machen. Der ständig zunehmende Leistungsdruck in der Gesellschaft färbt unseren Alltag zunehmend auch bis in unser privates Leben hinein.  Wir übernehmen gängige Muster und Ansichten ungewollt, einfach weil wir in diesem System von „Ich schaffe das!“ verhaftet sind. 


Wir verlieren ein Gespür für Grenzen, für unsere eigenen und auch für die Grenzen anderer. Daran krankt unsere „moderne Leistungsgesellschaft“. Immer mehr führt im Grunde genommen zu immer weniger. Obwohl wir seit Bestehen der Bundesrepuplik Deutschland unser Bruttoinlandsprodukt stetig erhöhen konnten, hat sich das empfundene Glück seit den Neunzigern nicht weiter vermehrt (Quelle: Studie zur Konstruktion eines Lebenszufriedenheitsindikators, Zentrum für angewandte Wirtschaftsforschung Münster)Und so trifft es immer wieder Menschen, die diesem Druck zum Opfer fallen, Menschen, die ihren Beitrag leisten wollen, aber einfach nicht mehr können. Ebenso erging es Joe. Joe stand viele Jahre seinen Mann, lebte ein ganz normales Leben, bis eines Tages plötzlich alles anders war. Jetzt schrieb er einen Leserbrief. Danke Joe für deinen Bericht!



 

Ein Leserbrief von Joe

Hallo Benno,

mein Name ist Joe. Ich bin per Zufall auf Deine wunderbare Seite für Depris gestossen. Nach einiger Zeit des Stöberns, konnte ich wegen ständigem Pippi in den Augen erst einmal nicht weiterlesen. Das Schöne für mich aber war, daß ich das erste Mal spürte, nicht der Einzige mit dieser Krankheit zu sein. Ich wünsche mir das Du noch lange die Kraft hast die Seite weiter zu betreiben.

Ich bin 57 Jahre jung und glaube jetzt seit beinah 30 Jahren depressiv zu sein. „Meinen“ Zusammenbruch hatte ich am 16.02 diesen Jahres. Es war die absolute Hölle für mich. An diesem Tag wollte ich (ich arbeite im 2-Schichtdienst seit 27 Jahren) mittags um 13.30 Uhr zur Spätschicht fahren. Die Brote für die Arbeit waren schon geschmiert, als für mich in diesem Moment plötzlich, nichts mehr ging. Ich bekam einen schlimmen Heulanfall und machte meiner Frau klar, ich werde heute auf keinen Fall arbeiten gehen. Ich war auch nicht in der Lage anzurufen und mich krank zu melden. Dies erledigte meine Frau für mich. Sie fuhr mich auch anschließend zu meinem Hausarzt.

Die Vorgeschichte

Die Depression war natürlich nicht plötzlich, sondern hatte eine lange Vorgeschichte. Da es zuvor keinen Konflikt gab, sage ich mir jetzt beinah 4 Monate später, daß ich der Leistungsverdichtung in den letzten 10 Jahren einfach nicht mehr gewachsen war. Es gab auch noch ständig innerbetriebliche Änderungen, sodass ich häufige Arbeitsplatzwechsel hatte. In einem Einzelstückakkordsystem wie in unserer Fa. endet dies mit einem mörderischem Leistungsdruck, oder aber Lohneinbußen. Ganz sicher ist mein Job nicht die einzige Ursache für meine Depressionen ich nenne die Krankheit so, weil ich zum Einen mit Depressionen diagnostiziert bin und zum Anderen den Begriff Burnout nicht mag. Ich glaube nämlich, daß der Begriff Burnout ursprünglich nur für Führungskräfte erfunden wurde, da ebensolche von sich glauben jedem „Druck“ standhalten zu können.



 

Ich glaube ich werde verrückt

Wie auch immer, die ersten Wochen nach meinem Zusammenbruch gehörten zu den schlimmsten meines Lebens. Ich glaubte nämlich verrückt zu werden. Meine kognitiven Fähigkeiten hatten derart abgenommen, dass ich übertrieben gesagt an manchen Tagen glaubte, morgen wirst du deine Schuhe nicht mehr zubinden können. Zum Glück habe ich eine liebe und starke Frau, die beim Arztbesuch, besser als ich selbst verstanden hat, was in einer Depression so alles passieren kann. Sie hat dann in mancher Situation beruhigend auf mich einwirken können. Es folgen die ersten Termine bei einer Psychotherapeutin, was mich nach und nach dazu bringt, damit anzufangen, die Krankheit zu akzeptieren.

Antriebslos

Die ersten 10 Wochen habe ich in völliger Antriebslosigkeit nur die Wände angestarrt. Langsam finde ich Schritt für Schritt dahin das ich auch mal eine Stunde tätig sein kann. Sehr geholfen hat mir hierbei meine Gefühlslage aufzuschreiben, was ich aber lange nicht jeden Tag kann. Als nächstes ist eine Reha geplant, hier lieber Benno hab ich gelesen, daß Du an einer solchen Maßnahme nicht teilgenommen hast, was mich etwas verunsichert. Ich bin mir im Moment nur über eines sicher, nämlich das ich mir keine Therapie vorstellen kann, die mich dahin bringen könnte angstfrei an meinen alten Arbeitsplatz zurückzukehren.

Wie geht es weiter?

Leider weiß ich nicht welcher Weg für mich der richtige wäre. Angesprochen hat mein Hausarzt bislang nur die Möglichkeit einer Schwerbehinderung. Ich selbst bin mir nicht schlüssig ob ich mich dem Druck an meiner Arbeitsstätte noch einmal aussetzen kann. Das Beantragen und Erlangen einer Schwerbehinderung ist eine Sache, die Umsetzung in unserem Betrieb wäre sicherlich eine Andere. Ich habe hier so einiges mitbekommen, da ich etliche Jahre im Betriebsrat tätig war. Eine Rechtssicherheit kann mir in keiner Weise meine Ängste nehmen. Was ist also der richtige Weg. Krank bis zur Aussteuerung durch die Krankenkasse, mit anschließendem nahtlosen Übergang in ALG 1 bei fortbestehender Krankheit und anschließender Beantragung voller Erwerbsminderungsrente. Dieser Weg wäre aus meiner Sicht der richtige. Ich möchte aber keinesfalls gleich jetzt am Anfang Fehler machen. Lieber Benno ich würde mich freuen wenn Du mir hier einen Rat geben könntest.

Joe

Quellen zu „Ein Leserbrief von Joe“

Foto: pixabay.com

Möchtest auch du deine Erfahrungen mit der Depression hier veröffentlichen, dann schicke einen Leserbrief einfach per Mail an onlinemedien@freenet.de, Stichwort: DB1.

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