Völliger Rückzug – Depression im Dialog

Depression und Rückzug

Depression und sozialer Rückzug sind immer wieder ein Thema hier im Blog

Von der Depression sind nie immer nur die eigentlich Betroffenen betroffen. Angehörige wissen davon ein Lied zu singen. Leider werden sie viel zu selten in die Therapie einbezogen, obwohl dies für beide Seiten wichtig wäre. Wenn der Partner mehr und mehr mit Rückzug reagiert, fühlen Angehörige sich allein gelassen, fortgestoßen. Sie müssen nicht selten ganz ähnlich fühlen wie der depressive Partner, bekommen aber zumeist keine Hilfe. Von ihnen wird erwartet, dass sie verständnisvoll sind und einfühlsam, geduldig und liebevoll. Es wird erwartet, dass sie sich über die Depression informieren und sich bemühen, ihr angemessen zu begegnen. Ich finde, da wird eine Menge erwartet. Im nachfolgenden Beitrag geht es um Silly, die in eben so eine Situation als Angehörige gekommen ist. Es ist ein schmerzhafter Weg, den sie zu gehen hat. Das ist ein Weg, dessen Ende noch niemand kennt. Die Texte sind anonymisiert. Namen wurden verändert.


Ein Dialog  mit Silly zum Thema Rückzug

Sillys Mail vom 13.04.2016

Hallo lieber Benno,

ich habe lange überlegt, ob ich Dich einmal persönlich ansprechen sollte und jetzt mache ich es einfach. Ich würde Dir gerne schreiben, was ich auf dem Herzen habe – allerdings bin ich Angehörige, mein Partner hat seit Jahren Depressionen, die immer längere Episoden haben, vielleicht auch altersbedingt – ich bin 50 und er ist 56 Jahre alt. Im letzten Jahr ging es im März los und wurde für ihn im Dezember so schlimm, das er sich in stationäre Behandlung begab – wirklich sehr mutig. Allerdings gibt es jetzt große Probleme für mich, ich habe ein totales Gefühlschaos und weiss mir keinen Rat mehr. Wenn Du Zeit und Lust hast könntest Du mir vielleicht weiterhelfen? Ich wäre Dir sehr dankbar dafür, denn ich verfolge immer Deine Beiträge in verschiedenen Foren – empfinde Deine Antworten immer sehr angenehm. Herzlichen Dank!



 

Hallo Silly,

Danke für deine Nachricht und dein Vertrauen, das sie widerspiegelt. Du kannst mir gern schreiben. Ich kann dir jedoch nichts versprechen. Ich werde antworten, wie ich dazu komme. Manchmal bekomme ich sehr viele Zuschriften und arbeite sie nach und nach ab… manchmal ist mir auch einfach nicht danach, mich mit der Depression zu beschäftigen. Ich denke, als Nicht-Direkt-Betroffene wirst du das besonders gut verstehen. Wir können ja mal schauen, okay?

Liebe Grüße in deinen Sonntag! Benno

Sillys Mail vom 17.04.2016

Hallo lieber Benno,

ich kann mir vorstellen, dass Du nicht immer Lust hast, Dich über diese Krankheit zu unterhalten. Mir geht es genauso. Ich möchte mich darüber informieren, verstehen werden ich das nie. Vielleicht muss ich den Anspruch auch gar nicht haben. Ich bin seit letzter Woche in einer Selbsthilfegruppe und informiere mich weiter. Deine Antworten zu verschiedenen Posts etc. haben mir sehr imponiert. Ich habe zum ersten Mal ein Thema geöffnet, da ich einmal punktgenau eine Antwort bekommen wollte. Ich war sehr erstaunt über so viele Antworten und mich haben die Menschen wirklich berührt. Diese Frage wollte ich dir so ähnlich auch stellen, wenn Du magst, lies sie die doch einmal durch. Evtl. schließt sich noch die eine oder andere Frage bei mir an, die könnte ich ja dann an dich stellen, ohne alles nochmal aufzuschreiben. Ich würde mich freuen!!! Hier ist der Link dazu: gutefrage.net

Fortsetzung

Lieber Benno,

mir ist eine Frage eingefallen, die ich Dir gerne als „Betroffener“ stellen möchte. Ist wirklich keine Eile, sie fußt auch auf dem Post von mir, den Du dann erst lesen müsstest. Vielleicht kannst Du mir die Frage auch nicht beantworten, aber wer nicht fragt, der kriegt nix. Also…. Ich würde gerne wissen, ob ich von meinem Partner zum Ende der Therapie irgendwann wieder etwas höre, sobald es ihm besser geht. Schafft er das nach vielleicht endlos langer Zeit? Ich selber möchte mich nicht aufdrängen, melde mich nur sporadisch jede Woche kurz bei ihm und sage ihm, dass ich ihn liebe und in Gedanken immer bei ihm bin – einfach eine Aufmunterung „Hey, ich bin hier draußen und warte auf Dich, bin immer da, wenn Du mich brauchst“.

Wird er auf mich zukommen, wenn er wieder bereit für mich ist? Und wie sieht es aus mit der Einbeziehung der Partnerin, wenn es wieder unter der Käseglocke nach „draußen“ gehen soll? Wie lange seine Therapie noch andauert, spielt dabei keine Rolle – es können 10 Wochen sein oder auch länger – je nach der Schwere seiner Erkrankung. Vier Wochen hat er bereits rum, die Wochen von Januar bis Ende März auf der Akutstation rechne ich nicht mit), es gibt aber auch Fälle, die noch viel länger eine stationäre Behandlung erforderlich machen, ich mache mir aber keine Sorgen und weiß, dass er dort in professionellen und vor allem guten Händen ist. Also, wenn Du mal Zeit und dazu noch Lust hast…. Ich freue mich drauf und wünsche Dir noch einen schönen Sonntag! Liebe Grüße, Silly



 

Antwort von Benno Blues

Hallo Silly,

ich finde es gut, dass du dich deinem Partner nicht aufdrängen magst. Da gehst du gut mit ihm, aber vor allem auch gut mit dir selbst um.

Der Rückzug während einer Depression dient einzig und allein seinem Selbstschutz und der Regeneration. Ich würde von seinem Verhalten, während er in Krise steckt, nicht auf eure Beziehung schließen wollen.

Aber da weiß ich zu wenig über euch, da müsste ich auch seine Sicht kennen. Möglicherweise meldet er sich von allein wieder, wenn er sich ein wenig erholt hat. Das wird ganz davon abhängen, was er für dich empfindet. Im Moment kommt er vermutlich nicht an diese Gefühle heran. So eine Krise kann Tage oder gar Wochen dauern, je nachdem wie Erholung gelingt. Aber eine Krise ist eine Krise, niemals ein Dauerzustand. Du kannst also auf eine Besserung hoffen. Zu heilen ist die Depression allerdings nicht so schnell, wenn überhaupt. Da würde ich eher in Jahren denken wollen.

Während der ersten Wochen Therapie gibt es in der Regel keinen „Heimurlaub“, aber nach einiger Zeit gehört die Einbeziehung des sozialen Umfeldes mit zur Therapie. Über Besuchsmöglichkeiten und Wochenendurlaube wird versucht, das Leben im Aufenthalt im häuslichen Umfeld zu üben, zu erproben.

Manchmal gibt es auch Angebote für Partner in der Klinik. Das solltest du vielleicht einmal erfragen oder besser noch durch deinen Freund erfragen lassen.

Dass du den Kontakt nicht ganz abbrichst, finde ich ebenfalls gut. Es zeigt ihm, dass er sich auf dich verlassen kann. Hast du ihn schon einmal in der Klinik besucht? Möglicherweise freut er sich darüber.

Nun noch kurz zu deinem Posting. Eine Therapie ist ein Versuch, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Eine Therapie kann Früchte tragen, muss aber nicht. Das ist von vielen Faktoren abhängig. Von der Professionalität und vom Einfühlungsvermögen der Therapeuten, von der Schwere der Depression und nicht zuletzt von der Bereitschaft des Depressiven zur Rekonvaleszenz. Und ja, es ist möglich, dass sich nach Wochen Therapie noch keine Besserung eingestellt hat. Oftmals ist sogar eine Anfangsverschlimmerung zu beobachten, weil dort gehäuft wunde Stellen berührt werden.

Das alles braucht Zeit. 12 oder 16 Wochen Therapie mag sich lang anfühlen, aber im Kontext der Depression kommt es nur einem „Hallo“ sagen gleich. Oft hat es ein halbes Leben gedauert, bis die Depression zu Tage trat. Schicht für Schicht hat sich auf die Seele gestapelt und verstärkte den Druck, bis es irgendwann nicht mehr auszuhalten war. Jetzt müssen diese Schichten behutsam wieder freigelegt werden. Das ist Arbeit und kostet Kraft und führt den um Heilung bemühten manchmal auch erneut an seine Grenzen. Will heißen, Rückfälle gehören also in der Regel dazu.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen.

Liebe Grüße Benno

P.S. Ich würde unseren Dialog gern in meinem Blog veröffentlichen. So könnten auch andere Menschen davon profitieren. Wärst du damit einverstanden?



 

Sillys Mail vom 24.04.2016

Hallo lieber Benno,

erstmal herzlichen Dank für Deine ausführlichen Erläuterungen, sie haben mir einiges verständlicher gemacht. Natürlich darfst Du das veröffentlichen, sehr gerne! Mittlerweile habe ich ihn seit dem 12.02. weder gesprochen noch gesehen, das zermürbt mich sehr, vor allem weil ich von ihm bislang keine Erklärung dafür bekommen habe. Ich habe ihn jetzt angeschrieben und ihm gesagt, dass ich gerne mit ihm sprechen und auch gerne sehen möchte, ich würde ihn auch gerne in der Klinik besuchen. Ich kann mit der Ungewissheit nicht mehr umgehen, wahrscheinlich ist er gar nicht in der Lage dazu, aber vielleicht schreibt er mir ja dann wenigstens mal, warum.

Tja, das soziale Umfeld und Heimatbesuche… Ist so eine Sache, denn er lebt im Haus, dass er bezahlt und das eigentlich schon seit Jahren hätte verkauft werden müssen zurückgezogen in der oberen Etage – im EG wohnt seine Frau, von der er sich auch schon lange scheiden sollen. Wie gesagt – wir sind jetzt über 7 Jahre zusammen und er hat diese Baustellen wegen seines Gesundheitszustandes nie erledigen können. Für mich eine ganz schwere Last, vor allem weil ich seine einzige Bezugsperson bin – ich stehe ihm am nächsten und das schon von Anfang an. Seine Kinder sind mittlerweile aus dem Haus und das Haus ist dazu noch unwirtschaftlich ohne Ende.

Vor dem Klinikaufenthalt hatte er vor, alles anzugehen – unsere letzte Chance auch für unsere Liebe, vielleicht ist er auch deswegen zusammengebrochen, aber er weiss das schon.

Ich schreibe Dir das nur so ausführlich, damit Du auch die private Seite siehst, es geht ja schon damit los, dass er an den Sonntagen ins Haus fährt um sich in seiner Wohnung aufzuhalten. Er ist IT’ler und wird sich an den PC setzen. Ich weiss das nur, weil er schön öfter am Bahnhof gesehen worden ist. Ich finde das ja in Ordnung, er kann ja auch gerne sehen, was er für eine Zukunft dort hätte, er will sie ja nicht – nach 7 Jahren habe ich auch keine Angst, dass er wegen seiner Frau dort hinfährt, der Drops ist gelutscht.

Es braucht dort mit niemandem zu reden, musste er noch nie. Haustür auf und hoch in die Wohnung, da hat er Ruhe und keiner stellt Fragen, weil es sie nicht interessiert, wie es ihm geht. Aber zu mir kommt er nicht, das tut weh! Vielleicht kann er auch nicht zu mir kommen, weil er Angst hat vor dem Reden oder auch, weil er schlecht aussieht (ist mir gesagt worden), vielleicht möchte er mich auch schützen. Eine verfahrene Situation, oder?

Mit meiner Bitte um Kontakt kann ich ihn jetzt unter Druck gesetzt haben. Ich möchte aber einfach gerne Infos haben und von draussen gar nichts erzählen – auch er muss nichts erzählen, wenn er nicht will. Mir würde auch reichen ihn einfach nach so langer Zeit wieder mal in den Arm zu nehmen, wie sollen wir denn miteinander umgehen, wenn noch mehr Monate ins Land gehen? Wie mache ich es richtig?

Entschuldige für den vielen Input, aber im Moment ist das für mich eine unglaublich schlimme Zeit, die ich irgendwie gut rumkriegen muss. Ich danke Dir fürs Lesen, sehr!

Ach so, unsere Beziehung im Allgemeinen ist eine wirklich liebevolle, zärtliche und harmonische, wenn nicht die Episoden dazwischenkommen. Er hat sie nicht mehr ausgehalten und wollte durch den stationären Aufenthalt neue Wege gehen und für unsere Beziehung für die Zukunft (Liebe ist ja ganz doll vorhanden) kämpfen. Vielleicht noch interessant, falls ich es noch nicht geschrieben habe: ich bin 50J und er ist 56J alt.



 

Antwort von Benno Blues

Hallo Silly,

ich war selbst viele Wochen in Therapie und ich kann dir versichern, dass es da niemanden gab, der nicht imstande war, auch Besuch zu empfangen. Besuch wurde, wenn er nicht konfliktbelastet war, eigentlich immer als etwas Schönes wahrgenommen.

Du hast ja nur deinen Wunsch geäußert, ihn sehen zu wollen, bist nicht einfach dort aufgekreuzt. Nein, ich denke, da hast du gut und umsichtig gehandelt. Hier solltest du dir keinen Vorwurf machen.

Ich kann gut nachempfinden, was du jetzt durchmachst. Ich war einmal in einer ähnlichen Situation. Meine Frau hatte sich mir völlig entzogen. Man wird fast verrückt dabei…

Besonders gefällt mir dein letzter Absatz, wo du dich daran erinnerst, dass eure Beziehung ansonsten eine liebevolle, wohlwollende ist. Daran kannst du dich nun festhalten. Dein Mann wird vieles lernen müssen und auch für dich wird sich wohl einiges ändern in nächster Zeit, aber wenn ihr beide das wollt, könnt ihr daran wachsen.

Liebe Grüße in dein Wochenende und gute Besserung, auch für dich!

Herzlichst Benno



 

Sillys Mail vom 30.04.2016

Lieber Benno,

Deine Worte haben mir gut getan – vielen Dank! Vor allem dafür das Du mir schreibst, dass Du weisst, wie ich mich fühle – eine Gleichgesinnte oder einen Gleichgesinnten konnte ich nämlich bislang nicht finden, denke, dass ist auch schwer und keine alltägliche Situation. Mein Freund hat sich nun endlich einmal schriftlich gemeldet, um mich etwas aufzuklären. Die Erklärung habe ich akzeptiert, die „Kontaktarmut“ ist gewollt von Seiten der Therapeutin, da ein großer Punkt auf seiner Agenda die Verlustangst mich betreffend ist. Da heisst es aushalten, auch für ihn keine leichte Situation. Auch fährt er nicht in sein Haus, sondern besucht so oft es geht einen Freund, den er auf der Akutstation kennengelernt hat und der ihm sehr gut tut – nichts erklären müssen und zu 100% in der Materie. Das befürworte ich natürlich, denn er hat nie Freunde gehabt in den vergangenen Jahrzehnten, es freut mich für ihn.

Ich für meinen Teil weiss jetzt, dass er eine tiefenpsychologische Behandlung macht, insgesamt 4 Therapeuten für die verschiedenen Therapien mit vielen verschiedenen Ansätzen. Ein Angehörigengespräch wird es zum Ende der Therapie (er ist jetzt bis Ende Juni krankgeschrieben), entlassen wird er aber erst, wenn geklärt ist, was seine Probleme sind, im günstigsten Fall hat er dann gelernt, wie er eine neue Depri vermeiden oder verarbeiten kann. Nach der Entlassung ist er „austherapiert“ und wird keine ambulante Therapie mehr geben. Einen ersten persönlichen Kontakt zwischen uns wird es erst geben, wenn Therapeutin und er dazu bereit sind, er meint aber sicher vor Juni, ich bräuchte keine Angst zu haben, das wird eher was.

Was heisst das jetzt für mich? Ich habe mich nach der Mail zurückgezogen, lecke meine Wunden aus den vergangenen Monaten und kümmere mich um mein Leben, das hat auch verdient gut behandelt zu werden, ich habe es vernachlässigt. Ich weiss jetzt, dass es ihm gut geht unter seiner Käseglocke, dann soll er da bleiben und sich melden, wenn er mich vermisst. Der Abstand wird mir gut tun und ein ersten Treffen werde ich auf neutralem Boden wünschen, denn ich habe etwas Angst davor, weil ich – ganz ehrlich – nicht versprechen kann, dass ich ihm nicht zur Begrüßung ein paar knalle…. Na ja und wenn, dann hat er es für diese Monate sicherlich auch verdient.

Diese Erklärungsmail ein paar Wochen vorher hätte mir massive Ess- und Schlafprobleme erspart! Er war nämlich nach Verlegung auf die neue Station in keiner Krise, sondern wurde auf der Akutstation für diese Therapie stabilisiert. Für mich endet hier jetzt hoffentlich eine sehr schlimme Zeit, die wirklich nicht hätte sein müssen.

Herzliche Grüsse Silly



 

Antwort von Benno Blues

Hallo Silly,

es freut mich für dich, dass er sich dir gegenüber inzwischen erklärt hat. Denn eine Erklärung war überfällig, fand ich. Nun steht ihr wieder im Dialog, seid sozusagen wieder in Beziehung. Ich denke, es ist wichtig, in Beziehung zu bleiben. Ei Rückzug ist keine Dauerlösung. Deine Wut verstehe ich irgendwo, aber vielleicht solltest du dir die Ohrfeige doch besser für später aufheben. Nichts von all dem was passierte geschah, um dich zu verletzen. Menschen tun sich weh, ja, aber oftmals ist das gar nicht ihre Absicht, sie können nicht nicht anders.

Verständnis und Empathie wären eine gute Basis für ein erstes Treffen, denke ich. Was das jetzt alles für dich heißt, wirst du schon bald heraus finden, denke ich. Achte einfach auf deine Gefühle… Dass die schlimme Zeit für dich nun enden kann, das wünsche ich dir von Herzen. Aber sei darauf gefasst, dass es Rückfälle geben wird und versuche diese dann, auch wenn es schwer fällt, nicht persönlich zu nehmen. Die Depression hat nichts mit dir zu tun – und doch betrifft sie dich. Es ist nicht einfach, dass so annehmen zu können und doch ist es notwendig.

Liebe Grüße und alles Gute für dich! Benno

Sillys Mail vom 17.05.2016

Hallo Benno,

naja – in Beziehung stehen würde ich dazu momentan nicht sagen, denn ich habe in seiner Info eine klare Ansage von ihm bekommen (…Ich melde mich bei Dir, wenn meine Therapeuten und Ich entscheide, wann die Zeit dafür gekommen ist…). Obwohl ich ihn jetzt 3 Monate nicht gesprochen und gesehen habe, habe ich mich daraufhin nicht mehr bei ihm gemeldet – immerhin sind schon wieder drei Wochen ins Land gegangen, er ist die 9te Woche auf dieser Station. Also in Beziehung stehen wir Null, ich habe aber auch nicht vor seine Arbeit dort zu stören und mich zurückgezogen. Irgendwann wird er sich melden und dann schaue ich, wie es weitergeht – weitergehen kann.

Ich weiss, dass er nicht gesund wiederkommt, er war ja auch noch nie gesund, seitdem wir zusammen sind. Er hatte von Beginn an sehr sehr schlimme Verlustängste mir gegenüber, das war so schlimm, dass er manchmal mit einem Gummi auf die Haut geschnippt oder in eine Chillischote gebissen hat, wenn ich unterwegs war. Von den SMSen und Anrufen muss ich Dir gar nichts schreiben, das war von Anfang an sehr speziell und für mich sehr anstrengend. Mittlerweile denke ich, dass diese Verlustangst vllt. auch zu seinen Depressionen geführt hat, so etwas scheint ja vorzukommen. Ich hoffe sehr, dass er hier seine Verhaltensmuster „umdenken“ und „umlernen“ kann und werde mich überraschen lassen.

An mir ist die Zeit aber auch nicht spurlos vorbeigegangen, die letzten Monate haben mir sehr zugesetzt und ich hoffe, dass ich bei unserem ersten Aufeinandertreffen diesen Mann immer noch so liebe wie in der Vergangenheit – ich habe grosse Angst davor, dass bei mir zu viel kaputt gegangen ist. Aber auch das muss ich auf mich zukommen lassen. Ich danke Dir sehr dafür, dass Du mir so geholfen hast, ganz lieben Dank! Silly



 

Antwort von Benno Blues

Hallo Silly,

ja, das alles hat ganz sicher Spuren hinterlassen in dir… du bist durch die Hölle gegangen… Von der Depression Betroffene erfahren ja, und das ist auch gut so, alle mögliche Hilfe, wenn sie es zulassen. Aber Angehörige leiden mindestens ebenso unter der Depression und werden in aller Regel völlig allein gelassen. Ich finde, gerade wenn die Verlustangst so eine große Rolle spielt, gehört der Partner mit ins Boot geholt, aber auch sonst. Gut, dass du inzwischen besser für dich sorgen kannst und etwas mehr Abstand gewinnen konntest. Dann wünsche ich dir also nun alles Gute und verbleibe mit freundlichen Grüßen – Benno

Sillys Mail vom 21.05.2016

Tja lieber Benno,

das sehen die Therapeuten dort wohl etwas anders… Ich wurde quasi aus dem Boot „entfernt“ – aber mittlerweile habe ich mir das Ersatzboot genommen. Alles in allem weiss ich im Moment nicht wirklich, wie es einmal weitergeht aber ich weiss, dass ich mich und mein Leben mag und auch ohne ihn klarkommen werde, wenn es nicht mehr gehen sollte. Ich danke Dir sehr für Deine grosse Hilfe und Unterstützung während dieser Zeit – Danke! 

Quellen zu „Völliger Rückzug – Depression im Dialog“
Foto: Benno Blues

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