Ich kann nicht mehr – Die Erschöpfungsdepression

Erschöpfungsdepression

Erschöpfungsdepression: Manchmal im Leben ist die Kraft einfach nicht mehr da

Glaubt man den Statistiken von Google, liegen die ersten vier Worte der Überschrift richtig gut im Trend und ich glaube nicht, dass dies etwas ist, worüber sich jemand freuen könnte. Der Beitrag Ich will sterben hier im Blog zählt mit zu den meist kommentierten Beiträgen und damit nicht genug, sind viele Besucher dieser Seite noch nicht einmal Zwanzig. „Ich kann nicht mehr!“ Ist das die Überschrift, unter die wir unser Leben und das unserer Kinder stellen wollen? Wieso erliegen immer mehr Menschen den Belastungen ihres Lebens? Was kann man dagegen tun? Gibt es Hilfe für die Erschöpfungsdepression oder ist die Sache tatsächlich so, wie sie sich anfühlt – hoffnungslos?


Hilfe – Ich kann nicht mehr

…so schrieb ich es in das Suchfenster von Google, als ich im Januar 2007 nicht mehr weiter wusste. Ich hatte eine schwere Depressionen, doch ahnte ich davon zu jenem Zeitpunkt noch wenig davon. Ich fühlte mich am Boden zerstört, wusste nicht mehr ein noch aus. Alles machte auf einmal keinen Sinn mehr für mich. Gerade hatte ich begriffen, dass meine Ehe, aus der vier zauberhafte Kinder hervorgegangen waren, nach fast 25 Jahren nicht mehr zu retten war. Alles was mir im Leben etwas bedeutete, alles wofür ich gearbeitet, gekämpft und gelitten hatte, drohte plötzlich aus meinem Leben zu entschwinden. Das überforderte mich völlig und fand seinen Ausdruck in eben dieser Erschöpfungsdepression.

Völlig verzweifelt

Ich suchte Hilfe und Rat in meiner Verzweiflung, aber ich fand nirgendwo Unterstützung. Ich war nicht einmal mehr in der Lage, eine vernünftige Suchanfrage im Internet zu starten. Stattdessen schrieb ich mit von Tränen verqollenen Augen Sätze wie: Es geht mir schlecht!  Ich will sterben! Hilfe! und immer wieder auch: Ich kann nicht mehr! Doch meine Hilferufe blieben unbeantwortet, verhallten irgendwo im Nirwana des Internets oder in den Suchstatistiken von Google. Es gab keinen relevanten Treffer, keine potentielle Antwort, ja nicht einmal den Versuch einer Antwort auf meine Klage: Ich kann nicht mehr!  Ich war völlig verzweifelt. Und so sah ich dann auch tatsächlich keinen Ausweg mehr. Ich war zum Sterben bereit.

Erschöpft

Noch am selben Ort schrieb ich unter Tränen mein Testament und entschuldigte mich bei meinen Kindern und meiner Frau für diese Verzweiflungstat. Danach verließ ich mein Arbeitszimmer, hing mir eine Jacke über und nahm mir vor, zum Bahnhof zu gehen. Die dortige Brücke sollte es sein. Sie sollte mich erlösen von meiner Qual. Ich kam dort nie an. Ich wurde aufgehalten. Hätte meine damalige Frau nicht sofort den Notdienst gerufen, wäre ich heute womöglich nicht mehr am Leben. Sie hat mir das Leben gerettet. Wie schaffte sie das? Indem sie sich darum sorgte, ich könne mir etwas antun, vermutete ich, dass sie mich doch noch liebte. Ich fasste Hoffnung, nicht viel, nur einen Funken, aber es war eine Hoffnung, die ausreichte, mich weiter leben zu lassen. Völlig erschöpft willigte ich in alles ein, was an diesem Abend noch auf mich zukommen sollte…



 

Notfallaufnahme Psychiatriestation

Mein Hausarzt schrieb mir eine Einweisung in die Psychiatrie. Das Krankenhaus, damals hieß es noch Landeskrankenhaus, befand sich nur ein paar Kilometer entfernt, in Hildesheim. Das hört sich jetzt vielleicht schlimm an für jemanden der damit noch nicht zu tun hatte. Aber es war dort, wie in einem ganz normalen Krankenhaus. Es gab einen großen Flur und viele abgehende Krankenzimmer. In den Zimmern standen Krankenbetten, Schränke für die Sachen der Patienten, ein Tisch und ein paar Stühle. Es gab Ärzte und Krankenschwestern, manchmal auch Krankenpfleger. Ein ganz normales Krankenhaus also.

Horrorvorstellung Psychiatrie

Vorher hatte sich so mache Horrorvision in meinem Kopf eingenistet. Doch dem war nicht so. Ich kam weder in eine Gummizelle, noch wurde ich irgendwo angekettet. Man steckte mich nicht in eine Zwangsjacke und fesselte mich auch nicht ans Bett. Man gab mir zu essen geben und zu trinken und sorgte dafür, dass ich erstmal zur Ruhe kommen konnte. Noch am selben Abend meines Krankenhausaufenthaltes bekam ich das erste Mal Antidepressiva. Erst summte es ein wenig in meinem Kopf, aber dann konnte ich endlich einschlafen.

Ein Neuanfang

Es war der erste Schritt in eine neue Welt, eine neue Denk- und Lebensweise. Es war der erste Schritt auf dem Weg zu mir selbst und der erste Schritt ist ja bekanntlich der wichtigste. Ich habe es nie bereut, dort gewesen zu sein. Der Aufenthalt in der Psychiatrie hat meinem Leben die entscheidende Wendung gegeben. Ich lernte dort, mich anders anzusehen. Man brachte mir bei, Situationen anders zu bewerten und wie ich selbst Einfluss auf meine Gefühle nehmen kann. Ich begriff allmählich, dass ich äußeren Einflüssen und Situationen nicht immer nur hilflos ausgeliefert bin, sondern stets auch eigene Optionen habe. So lernte ich, dass ich vielfach durch mein Verhalten und meine Denkmuster geradezu dazu beitrug, in für mich unangenehme Situationen zu geraten. Ich bekam Strategien an die Hand, dies in Zukunft besser für mich steuern. Es war eine segensreiche Zeit für mich, der wohl entscheidendste Wendepunkt in meinem Leben.



 

Verzweifelt? – So bekommst du Hilfe

Wenn auch du jetzt gerade zutiefst verzweifelt bist und nicht mehr weiter weißt, wenn auch du suizidal bist und sagst: „Hilfe, ich kann nicht mehr!“, dann warte nicht länger, denn es geht dir so schlecht, dass du da wahrscheinlich nicht allein wieder heraus kommst! Ruf den Notdienst und sage, wie es dir geht. Wenn du dir das selbst nicht mehr zutraust, dann bitte jemanden, den Notdienst für dich zu rufen. Der Ärztliche Notdienst ist nicht nur für körperlich Kranke da, sondern auch für Menschen, die gerade nicht mehr weiter wissen, Menschen wie dich.

Hilfe bei Erschöpfungsdepression

Du wirst erleben, dass man dich nicht mit deinen Problemen allein lässt, sondern sich gut um dich kümmern wird. Du wirst erleben, dass dort Menschen sind, die etwas verstehen von der Verletzlichkeit der menschlichen Seele, deiner menschlichen Seele. Hol dir bitte jetzt Hilfe und es wird dir mit Sicherheit bald wieder besser gehen. Das kann ich guten Gewissens und aus eigener Erfahrung sagen. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig egal, ob du glaubst, eine Erschöpfungsdepression zu haben oder nicht, unter Angstzuständen zu leiden oder einfach nur erschöpft zu sein. Es ist völlig egal, welche Umstände dazu geführt haben, dass es dir gerade so mies geht – alles was zählt ist, dass du dich bald wieder besser fühlen kannst.

Ich kann nicht mehr – Ein Notfall

Ob es nun eine Erschöpfungsdepression ist oder nicht – um die Diagnose der Depression oder worum auch immer kann man sich später kümmern. Jetzt geht es schlichtweg ums Überleben. Ich kann nicht mehr – das ist ein Notruf, ein Notsignal, das es zu beachten gilt. Jetzt ist Handeln angesagt! Jetzt bist du ein akuter Notfall. Alles ist besser als ein Suizid, der mit ein wenig Hilfe vermeidbar gewesen wäre.

Wenn Du schon konkret vor hast, dir das Leben zu nehmen, dann eiere nun nicht mehr weiter herum! Ruf in diesem Fall nicht erst den ärztlichen Notdienst, denn das kann manchmal lange dauern und die Zeit hast du jetzt nicht mehr. Du bist akut gefährdet. Rufe sofort die 110 oder 112 an! Du bist ein dringender Notfall und brauchst unverzüglich Hilfe! Die Männer und Frauen dort kennen sich aus mit Menschen in deiner Situation. Es ist ihr Job, zu helfen und sie werden dir helfen. Sag einfach: Ich kann nicht mehr! Es ist nur noch ein kleiner Schritt, dann bekommst du diese Hilfe. Ein kleiner Anruf – nur drei Zahlen – 112.

Ich wünsche dir von Herzen alles Gute! Und bitte warte nicht länger, hol dir jetzt Hilfe!

Quellen zu „Ich kann nicht mehr-Erschöpfungsdepression“

Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

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