Depression Konzentration und Gedächtnis

Konzentration und Gedächtnis

Die Depression kann die Merkfähigkeit beeinträchtigen

Wenn Aufmerksamkeit, Konzentration und Gedächtnis gestört sind, kann das auf eine depressive Erkrankung hindeuten. Das muss aber nicht zwingend so sein. Dennoch können viele Betroffene ein Lied davon singen. Derlei Symptome zählen zu den so genannten Elementarfunktionen im psychologischen Bereich. Es sind also Fähigkeiten von grundlegender Art. Wenn sie eingeschränkt sind oder verloren gehen, beeinträchtigen sie die Menschen in ihrer Lebensführung mehr oder weniger stark. Gerade im beruflichen Bereich bemerkt man die eingeschränkte Leistungsfähigkeit recht schnell. Was einem bis dato flüssig von der Hand ging, bereitet nun plötzlich Schwierigkeiten. Du merkst, wie deine Gedanken abdriften inmitten der Arbeit und du nicht mehr bei der Sache sein kannst. Zwar holst du dich immer wieder zurück, aber es kostet dich mehr Kraft als früher. Zum Teil strengt es dich sogar über die Maßen an. Konzentration und Gedächtnis wollen einfach nicht mehr so wie früher…


 

Was ist Aufmerksamkeit und Konzentration und Gedächtnis?

Aufmerksamkeit ist die Fähigkeit, die Wahrnehmung, die Vorstellung und das Denken zum jeweiligen Zeitpunkt auf bestimmte Erlebnisinhalte auszurichten. Das können gegenwärtige oder auch erwartete Erlebnisinhalte sein. Du bist einfach wach und aufnahmefähig für die Dinge, mit denen du dich beschäftigst oder die dich umgeben.

Konzentration hingegen ist die Fähigkeit, die Wahrnehmung, die Vorstellung und das Denken über längere Zeit auf bestimmte Erlebnisinhalte auszurichten.

Aufmerksamkeit und Konzentration setzen Wachheit voraus. Ist das Bewusstsein gestört, beispielsweise durch Müdigkeit oder Drogen, sind auch entsprechend Aufmerksamkeit, Konzentration und Auffassungsfähigkeit herab gesetzt. Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen sind  im Grunde Alltagsphänomene. Sie stellen allein noch keine spezifischen oder typischen Symptome einer psychischen Erkrankung dar. Sie haben deshalb kaum diagnostisches Gewicht, runden eher das Gesamtbild ab. Sind Aufmerksamkeit und Konzentration aber dauerhaft gestört, muss man schon einmal genauer hinsehen.



Gedächtnis

Nicht selten geht die depressive Symptomatik mit einer Störung des Gedächtnisses einher. Dinge werden einfach schlichtweg häufiger vergessen als früher. Man versucht sich mit Zetteln und Eselsbrücken über Wasser zu halten, aber das klappt nur bedingt. Nur solange die zu Hilfe genommenen Strategien ein gutes Maß nicht überschreiten, kann das funktionieren. Ich weiß noch, ich glaubte damals sogar, verrückt zu werden. Als ich bei mir die Vergesslichkeit in Kombination mit den starken Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen bemerkte, besorgte mich dies sehr. Angst stieg allmählich in mir auf, ich könnte an einer Demenz erkrankt sein. Schließlich war dies bei meiner  Oma  auch der Fall gewesen. Man spricht hier von genetischer Disposition. Auch Demenz und Depression sind zum Teil genetisch prädisponiert, die Wahrscheinlich daran zu erkranken, ist also für manche Menschen per se höher als für andere. Das trifft übrigens für viele Erkrankungen und  nicht nur für den psychischen Bereich zu.

 

Gehen die Konzentrationsstörungen wieder weg?

Wenn man selbst betroffen ist, stellt man sich vielleicht irgendwann die Frage: Bleiben Aufmerksamkeit, Konzentration und Gedächtnis dauerhaft gestört, wenn eine Depression chronisch wird? Das wäre ja eine logische Schlussfolgerung, wenn diese Symptome zur Depression gehören und die Depression lange fort besteht. Ich glaube jedoch, hier kann man keine generelle Antwort geben. Möglicherweise stehen bestimmte Fähigkeiten tatsächlich auf lange Zeit nur noch eingeschränkt zur Verfügung. Eventuell wirkt sich das aber auch gar nicht so sehr lebenseinschränkend aus, weil wir inzwischen für ein gesundes Maß an Belastung gesorgt haben. Möglicherweise bessern sich aber die Symptome auch zeitweise wieder. Ich konnte so etwas bei mir durchaus beobachten.

Charakteristik der Depressiven Episode

Die depressive Episode F32 und die chronische Depression F33, im Fachtext „Rezidivierende depressive Störung“ sind keine Störungen mit gleichbleibender Symptomatik. Man spricht hier deshalb bewusst von depressiven Episoden, weil es für die Depression typisch ist, phasenhaft zu verlaufen. Die depressive Episode kann einige Wochen bis hin zu mehreren Monaten dauern, doch ist ihre Symptomatik niemals fortbestehend. Zwischen den depressiven Phasen gibt es auch immer wieder gute Zeiten.

Die Angst Fehler zu machen

Ist die Stimmung hingegen dauerhaft im Keller, spricht man eher von einer anhaltenden affektiven Störung, der sogenannten Dysthymia. Hier müssen die Symptome mindestens zwei Jahre bestehen. Sie sind allerdings bei weitem nicht so ausgeprägt wie bei der depressiven Episode. Aber zurück zur Depression. Bleiben die Störung von Konzentration und Gedächtnis bei der Diagnose „Chronische Depression2 zwangsläufig dauerhaft bestehen? Diese Frage kann ich aus eigener Erfahrung ganz klar mit Nein beantworten. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie es auf meinem Schreibtisch aussah. Während der letzten Monate vor meinem Renteneintritt wegen Depression war das Chaos in meinem Kopf auch äußerlich auf meinem Schreibtisch gut sichtbar. Zwei Wiedereingliederungsversuche blieben mehr oder weniger erfolglos. Die Angst, Fehler zu machen, war übergroß.

Damals bat ich meinen Chef, mich von meiner Verantwortung zu entheben. Er sollte mir einen einfachen Job in der Firma zu besorgen, eine Anlerntätigkeit in der Warenannahme oder im Versand beispielsweise. Aber mein Vorgesetzter war dafür nicht zu begeistern. Er wollte mich dort, wo ich bislang meine Stärken hatte und meinte, ich solle lieber wieder in Ruhe gesund werden. Dann sollte ich an meinen alten Arbeitsplatz zurückkehren.

Im Nachhinein finde ich das ehrenhaft von ihm, damals jedoch wäre ich froh gewesen, mir den gesellschaftlichen Stempel „taugt zu nichts“ hätte ersparen zu können.  Ich hätte gern irgendeine Arbeit gemacht. Hätte man so etwas nicht für mich finden können? Gab es tatsächlich keine Arbeit, die mich nicht so stark überfordert hätte, wie es mein Aufgabengebiet damals in Folge der Depression tat? Zu einer Rückkehr an meinen alten Arbeitsplatz ist es leider nie gekommen. Die Dinge nahmen ihren Lauf und ich bekam die Erwerbsminderungsrente wegen voller Erwerbsminderung, die bis heute fortbesteht. Das ist jetzt schon viele Jahre her.



Erwerbs- und Belastungsfähigkeit

Der Status „dauerhafte Rente wegen voller Erwerbsminderung“ lässt auf den ersten Blick sicher nicht vermuten, dass ein Mensch jemals wieder in eine belastbare berufliche Position zurückkehren wird. Denn bestünden diese Aussichten, wäre die Rente vermutlich nur befristet bewilligt worden. Trotzdem kann sich das eine oder andere zum Guten ändern. Du wirst es selbst merken, wann dieser Zeitpunkt gekommen ist. Irgendwann wird dein Interesse zurückkehren. Irgendwann wirst du dich wieder intensiver mit für dich spannenden Themen auseinandersetzen können. Anfangs wird das vielleicht nur kurzzeitig möglich sein, aber sei es drum.

Veränderung ist möglich

Das menschliche Gehirn ist und bleibt form- und veränderbar. Das ist bis ins hohe Lebensalter hinein so. Täglich werden neue Nervenverbindungen geknüpft. Lernen ist also immer möglich und Konzentration und Gedächtnis können auch wieder zurückkehren. Ich habe mit 56 Jahren eine psychotherapeutische Ausbildung nach dem Heilpraktikergesetz begonnen. Mein gesamtes Berufsleben hindurch war ich zuvor im technischen Bereich tätig. Ich musste also von Grund auf neu lernen, tausende Fremdworte, neue Denkweisen, viel Faktenwissen. Fast zwei Jahre habe ich jeden Tag, solang ich konnte, gelernt. Anfangs war es nicht viel mehr als eine Stunde täglich. Mit der Zeit wurde ich belastbarer und im Wissen sicherer. Vor ein paar Tagen nun legte ich die staatliche Prüfung ab und werde vermutlich in absehbarer Zeit eine Praxis eröffnen.

Eine kleine Berufstätigkeit

Nach über zehn Jahren kehre ich also in gewisser Weise als Berufstätiger in die Gesellschaft zurück. Ich tue dies in einem Alter, wo die meisten Menschen schon recht intensiv von ihrem Ruhestand träumen. Damals hätte ich das nicht für möglich gehalten. Hätte mir seinerzeit jemand diese Möglichkeit allein nur in Aussicht gestellt, hätte ich dies ganz sicher als unaushaltsamen Druck empfunden. Ich hatte abgeschlossen. Nichts ging mehr…



Worum es eigentlich geht

Vielleicht fühlst du dich heute auch so, dass nichts mehr geht? Vielleicht denkst du, dass du zu gar  nichts mehr taugst und fortan dazu verdammt bist, dem Sozialsystem auf der Tasche zu liegen? Dazu kann ich nur folgendes sagen: Beides ist ganz sicher nicht so. Erstens liegst du niemandem auf der Tasche. Unser Sozialsystem ist eine gesellschaftliche Errungenschaft, die du und deine Vorfahren erschufen und erhielten für den Fall, dass ein Mensch nicht mehr arbeiten kann. Betteln zu müssen ist menschenunwürdig und genau dafür wurde hier vorgesorgt. Ich finde das großartig und bin dankbar dafür.

Was den anderen Punkt anbetrifft, das angesprochene Nutzlosigkeitsgefühl, da denke ich in diesem Zusammenhang gerade an Steven Hawking. Der konnte wirklich nicht mehr viel selbst tun aufgrund seiner ALS (Amyotrophen Lateralsklerose). Vermutlich jedoch kam ihm nie der Gedanke, er würde unnütz sein. Kein Mensch ist unnütz, selbst wenn der Nutzen nur darin bestünde, anderen Menschen begegnen zu können, ist der Nutzen immens. Ist es nicht das, worum es im Leben eigentlich geht? Was wären wir Menschen, gäbe es nicht andere, die bereit sind, uns zu begegnen? Es ist wunderbar, dass es Menschen gibt, die bereit sind uns anzunehmen, uns anzusehen, uns Zeit zu schenken und das alles in wohlwollender, liebevoller Weise zu tun. Wir alle leben voneinander, einmal geben wir mehr, ein anderes Mal nehmen wir mehr. Wären wir ganz allein auf der Welt, könnten wir als Mensch wohl niemals glücklich sein.



Man kann es auch anders sehen

Wenn Konzentration und Gedächtnis eine Zeit lang nicht wie gewohnt vorhanden sind, schauen wir uns das immer schnell unter der Überschrift Defizit an. Wir nennen es eine Störung oder definieren es gar als Krankheitssymptom. Was aber, wenn es ein ganz normaler, gesunder Vorgang ist? Vielleicht geschieht das ja nur, weil einfach zu viel passiert ist in unserem Leben und wir noch nicht die Zeit hatten, alles in Ruhe zu verarbeiten, zu integrieren? Vielleicht ist es ja sogar gut, unser Inneres jetzt ein wenig abzuschirmen? Wir schützen es so vor neuen Belastungen oder Verletzungen, damit es wieder heil werden kann.

Wir sind in einer Leistungsgesellschaft groß geworden und das hat uns geprägt. Es geht mehr um das, was wir können oder nicht können, schaffen oder nicht schaffen. Aber es geht zu wenig um das was wir sind. Oftmals definieren wir unser Sein allein aus der Leistung heraus und verlieren uns darüber mit der Zeit aus dem Blick. Wenn dann die Aufnahmefähigkeit für Außeneindrücke sinkt, können wir uns wieder vermehrt unserem Innenleben zuwenden. Wenn in uns irgendwann alles heil und im Gleichgewicht ist, sind wir auch wieder bereit für Neues, bereit für das Leben da draußen und freuen uns darauf, hungern mitunter vielleicht sogar danach. Das kann morgen sein, in einer Woche, in einem Monat oder in einem Jahr. Je mehr wir uns darauf einlassen können, das es jetzt an der Zeit ist, umzudenken, umso so eher werden wir auch wieder genesen, denke ich.

Wie steht es um deine Fähigkeiten? Hast auch du eine Veränderung von Konzentration und Gedächtnis an dir bemerkt? Berichte gern per Kommentar zu diesem Post darüber, wenn du magst! Alles Gute für dich und vielleicht bis bald einmal wieder!


Herzlichst Benno Blues


Quellen zu „Störung von Konzentration und Gedächtnis“

Foto: pixabay.com

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