Es geht mir schlecht – Wie Gefühle entstehen

es geht mir schlecht

Es geht mir schlecht geht! Und du bist Schuld daran!

Es geht mir schlecht. Mich schlecht zu fühlen, ist nicht unbedingt das, was ich gemeinhin anstrebe. Habe ich nicht auch ein Recht darauf, mich gut zu fühlen? Ich denke schon. Gleichwohl gibt es immer wieder Situationen, wo ich meine Optionen einfach so aus der Hand gebe. Ich gebe dem Anderen die Schuld und somit die Macht über meine Gefühle…


Das Eigene erkennen

Wenn wir es auch nicht jedes Mal aussprechen, um die Situation nicht noch weiter anzuheizen, so denken wir es doch mehr oder minder bewusst. Wir stellen den Zusammenhang zwischen der Situation und unseren Gefühlen her und damit liegt es auf der Hand: Da vorher alles gut war, muss der Andere daran schuld sein, dass ich mich jetzt so mies fühle. Ich mache ihn verantwortlich für meine Gefühle. Als gebranntes Kind habe ich besonders feine Antennen entwickelt für Verletzungen. Ich weiß genau, wann mich jemand verletzen will. Ich spüre das sofort. Man könnte auch sagen, ich höre das Gras wachsen.

Es ist ja nicht schlecht, ein sensibler, empfindsamer Mensch zu sein und die vielen Facetten und Nuancen erspüren zu können, die das Kunstwerk Leben mir bietet. Problematisch wird es nur, wenn aus Empfindsamkeit Empfindlichkeit wird, wenn ich immer wieder zu meinem eigenen Schmerz zurückkehre. Dabei verliere ich schnell den Blick für das Leben. Vielleicht wird es endlich einmal Zeit, meinen eigenen Anteil an der Situation wahrzunehmen und Verantwortung für mich und meine Gefühle zu übernehmen…



 

Wie kommt es zu meinen Gefühlen?

Meine Gefühle sind meine Gefühle! Nur ich selbst kann sie erzeugen, tief in mir. Wenn ich sage: „Es geht mir schlecht:“,  entspringt dies einer komplexen Verbindung von Ereignissen, Erlerntem, Erlebtem, Gedanken, Glaubenssätzen, Wünschen, Befürchtungen und Überzeugungen. Ein Ereignis an sich ist jedoch nur ein Ereignis. Nicht mehr. Wenn zum Beispiel ein Apfel vom Baum fällt, passiert weiter nichts, als dass ein Apfel vom Baum fällt. Ich habe nun verschiedene Möglichkeiten, darauf zu reagieren und in der Tat, unterschiedliche Menschen reagieren unterschiedlich auf ein und dasselbe Ereignis. Der Eine könnte sich über den Apfel freuen. Der Apfel macht ihm vielleicht Appetit und das Wasser läuft ihm im Mund zusammen. Er hält es für einen Glücksfall, dass ihm jetzt dieser Apfel vor die Füße fällt. In dieser Haltung  empfindet er Freude und Glück.

Auf die Bewertung kommt es an

Der nächste sieht in dem Apfel nur Abfall. Immer wieder muss er sich bücken, um diese elenden Äpfel aufzusammeln, denkt er. Sie stören beim Rasenmähen und ärgern ihn. Sie ziehen die Wespen an und wenn sie verderben, stinken sie. Dieser Mensch empfindet Ärger, Wut und vielleicht Ekel. Ein dritter sieht den Apfel fallen, aber es berührt ihn nicht. Er macht sich weder etwas aus Äpfeln, noch aus Gartenarbeit. Es ist ihm egal. Es lässt ihn kalt. Dieser Mensch empfindet Gleichmut und Langeweile. Eine Situation – drei Möglichkeiten, gefühlsmäßig darauf zu regieren. Ist jetzt der Apfel Schuld an den Gefühlen dieser Menschen? Mitnichten! Der Apfel ist bloß ein Apfel. Er ist weder lieb noch böse, weder gut noch schlecht.

Die Bewertung eines Objektes oder einer Situation nehmen wir Menschen selbst vor. Es ist unsere Macht und nicht die Macht des Apfels, eines anderen Menschen oder einer Situation, Gefühle in uns zu erzeugen. Das Schöne daran ist, dass es hier kein richtig oder falsch gibt. Alles darf sein. Ich darf fühlen, was ich will. Es ist mein Gefühl. Wichtig ist nur, dass ich auch dazu stehe. Wichtig ist, dass mir bewusst wird, nicht der Apfel ist es gerade oder mein Gegenüber. Ich bin es selbst, der für die Gefühle verantwortlich ist, die ich jetzt gerade nicht haben will.



 

Gute und schlechte Gefühle

Es geht mir schlecht

Wenn mir etwas Erfreuliches passiert, stelle ich die Schuldfrage zumeist nicht. Ich nehme das Leben dann gern an in seinem Fluss. Ich fühle mich gerne gut. Daran ist auch nichts auszusetzen. Sich schlecht zu fühlen, ist aber nur die andere Seite ein und derselben Medaille. Immer wenn ich mich gut fühle, ist nämlich gerade nur gut für die Erfüllung meiner bewussten, vor allem aber auch unbewussten Bedürfnisse gesorgt worden. Sage ich jedoch: „Es geht mir schlecht!“, zeigt dies an, dass es gerade etwas in mir gibt, das nach Erfüllung sucht. Eigentlich ist das eine gute Sache, so einen Füllstandsanzeiger zu haben. So kann ich für mich entsprechende Maßnahmen einleiten, ehe Körper und Seele Schaden nehmen müssen aufgrund akuter Unterversorgung.

Ich will mich gut fühlen

Was aber tue ich hingegen mit einem schlechten Gefühl? Anstatt es als Botschafter willkommen zu heißen und ihm Bed & Breakfast für eine Nacht anzubieten, bewerte ich es negativ. Ich will es nicht haben. Ich schicke es fort. Es ärgert mich, dass ich mich jetzt so fühlen muss. Ich würde mich lieber gut fühlen. Aber genau aus diesem Grund, ist doch das ungute Gefühl gekommen? Es ist gekommen, damit ich besser für mich sorgen kann. Es kommt wie ein Freund, der sich sorgt, der mahnt. Ein ungutes Gefühl ist gar nicht schlecht. Erst meine Bewertung macht es dazu. Und nun geht es mir richtig schlecht, Nicht, weil ich einen Mangel hier oder da zu befriedigen hätte, denn dem spüre ich nun gar nicht mehr nach. Es geht mir schlecht, weil es mir schlecht geht.

Ärger über schlechte Gefühle

Ich ärgere mich über mein Gefühl. Und das macht mich nun so richtig ärgerlich. Eben ging es mir noch gut und jetzt dies! Ja klar ging es mir eben noch gut! Es ist immer so, dass etwas noch ganz ist, bevor es kaputt geht. Wie schön also, dass es so war. Jetzt sauer zu reagieren, anstatt hinzuspüren, was gerade fehlt, ist eigentlich reichlich dumm. Aber in der Regel tun wir Menschen dies genauso so. So haben wir die Welt und das Leben kennengelernt. Im Grunde kann man die Welt auch ruhig so sehen. Aber ich darf mich doch auch fragen, wozu es von Nutzen ist, die Dinge so anzuschauen und ob mir mit einer anderen Sicht nicht doch ein deutlich besseres Leben möglich wäre, oder?



 

Verantwortung bedeutet Macht

Das mag sich zunächst etwas ungewöhnlich anhören, selbst verantwortlich zu sein für die eigenen Gefühle. Ein Leben lang wurden wir darauf getrimmt, dass andere Schuld haben. Schon als kleines Kind machten dir Mami oder Papi deutlich, dass sie jetzt ganz traurig sind, weil du gerade ungezogen warst. Du warst Schuld, wenn sie gereizt, enttäuscht, ärgerlich, wütend oder hysterisch waren. Und so hast du es verinnerlicht, ohne darüber nachzudenken, so wie Generationen vor dir es ebenso taten.

Du nahmst es mit in dein Leben und wenn dir dieser Mechanismus nicht eines Tages klar wird, nimmst du es auch mit in dein Grab. Die Folge davon ist, dass du immer wieder Personen und Situationen begegnest, die dich überfordern. Du bist abhängig, abhängig mit dem was du fühlst. So fühlst du, was dir von außen vorgegeben wird. Du kannst ja nichts dafür. Es kommt ja von außen. Du hast ja keine Schuld. „Es geht mir schlecht!“ ist somit oft eine Forderung und eine Anklage zugleich.

 

Wer die Schuld hat die Macht

Wer die Schuld hat, bestimmt, was du fühlst! Er hat die Macht! Wäre es nicht gut, die Verantwortung, die Schuld für die eigenen Gefühle wieder nach Hause zu holen? Verantwortung bedeutet Macht, Macht über die eigenen Gefühle. Wie hört sich das an? Ich habe die Macht über meine Gefühle! Klingt das nicht richtig gut? Ich finde, das klingt selbstbewusst, selbstzentriert, lebensbejahend. Es klingt vielversprechend! Macht über die eigenen Gefühle zu haben, macht unabhängig. Keine Macht über die eigenen Gefühle zu haben, macht ohnmächtig, erzeugt Opfer. Und Opfer leiden. Opfer können nichts tun. Die Täter tun. Die Opfer werden geopfert.

Will ich ein Opfer sein? Ich kann es jetzt entscheiden! Ich kann jetzt die Verantwortung für mich und mein Seelenleben übernehmen. Tue ich dies, übernehme ich tatsächlich die Verantwortung dafür, wie es mir geht, dann muss es mir auch nicht schlecht gehen. Alles was in mir ist, all meine Gedanken und Gefühle sind aus mir geboren, sind meine Kinder. Übernehme ich die Verantwortung für mich und das was aus mir kommt, dann werde ich mehr und mehr erleben, wie mein Leben sich allmählich ändern wird, wie es heller und freundlicher wird! Ich werde erleben, wie Menschen auf einmal weniger bedrohlich auf mich wirken. Es ist eine gute Macht, die Macht über die eigenen Gefühle, eine göttliche Macht. Und ich denke, es ist einfach viel zu schade, diese irgendeinem Anderen zu überlassen…


Quellen zu „Es geht mir schlecht und du bist schuld daran“
Foto: Foto: Thorben Wengert / pixelio.de

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