Coco und der Seelenkrebs

Die Depression - Der Seelenkrebs

Die Depression – Der Seelenkrebs

Es gibt viele Bezeichnungen und Umschreibungen für die Depression, wie zum Beispiel Melancholie, Burnout, Lebensmüdigkeit, Hoffnungslosigkeit, andauernde Ohnmacht. Manche Betroffene können mit gar keiner dieser Bezeichnungen etwas anfangen. Coco nennt ihre Depression den Seelenkrebs und Coco ist bereit, uns einen kleinen Einblick in ihr Leben und ihre Erkrankung zu geben.


Mein Seelenkrebs

Lange überlegte ich, wie ich meinen Seelenkrebs beschreiben soll, ausführlich oder kurz? Wo fange ich an, wo höre ich auf? Beschreibe ich mich als Opfer oder als Sieger? Als Kämpfer oder Verlierer? Eigentlich bin ich alles in einem und nichts von allem. Ich bin ICH, verkorkst, verbogen, geschunden, missbraucht. Wie ein Baum ohne Wurzeln, ein Schiff ohne Segel, befallen vom Seelenkrebs und doch stark und stolz und voller Willen im Kampf gegen die Macht der Krankheit. Mein Seelenkrebs, er wurde mir als Samenkorn in die Wiege gelegt.



 

Zelle für Zelle

Um so älter ich wurde, um so mehr nahm er von mir Besitz, er verschlang eine Zelle nach der anderen und fügte mir Schmerzen zu. Er schändete und folterte meinen Körper. Der Seelenkrebs lähmte mich und raubte mir die Kraft, er hinderte mich am Weitergehen, am Sehen und am Hören, er lässt mich vertrocknen und verhungern. Er hält mich klein, hindert mich am Wachsen. Mein Lebenswille bäumt sich gegen Ihn auf, ich kämpfe und verliere, und verliere und gewinne. Immer wieder und immer öfter liege ich am Boden, kraftlos und ausgezehrt, verhungert und verdurstet. Der Kampf geht weiter und weiter als Vorbild, als Mutter zweier Kinder, als Behüter meiner Schätze: meine Kinder, meine Tiere, mein Zuhause und MICH.

Bilder der Vergangenheit

Der Seelenkrebs gewinnt an Kraft, verliert an Kraft, er macht mich hässlich und doch schön. Er legt meine Nerven frei und macht sie sichtbar. Ich werde empfindlich, reizbar, explosiv! Er lässt sich blicken in meinen Augen und macht sie traurig, auch trübe. Er überschwemmt sie mit Tränen, mit vielen Tränen, bis ich nichts mehr sehe. Und so zerknittert er mein Gesicht, legt es in Falten. Jeder kann es sehen. Er ergreift mein Gehirn und blättert in meinem Buch der Vergangenheit. Immer wieder holt er die grausamen Bilder zum Vorschein und zeigt sie mir, bei Nacht, bei Tag, bei Tag und bei Nacht, immer wieder.

Ich kann nicht schlafen

Ich kann nicht schlafen, er lässt mich nicht Ruhen, immer und immer wieder. Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr. Er sperrt mich ein, er macht mich unbeliebt. Ich besitze noch ein bisschen Stolz, er hält gegen Ihn, er gibt mir Kraft Ihn zu besiegen. Ich finde noch ein bisschen Liebe und sie gibt mir Mut, Ihn zu bezwingen: Darum ist Hoffnung in Sicht. Der Stolz zaubert ein Lächeln in mein Gesicht und lässt meine Augen erstrahlen. Er trocknet mir die Tränen. Ich kann wieder sehen, er gibt mir Zuversicht. Der Stolz, er hilft mir wieder auf die Beine, er gibt mir Kraft zum Kämpfen, mein Wille ist gestärkt. Die Liebe ist meine Stütze, sie hilft mir beim Gehen.



 

Das bin ich

Der Weg ist noch weit, aber er ist in Sicht. Die Sonne strahlt mir entgegen, sie gibt mir Licht. Der Seelenkrebs wird schwach, er verliert an Macht, mehr und mehr. Ich gewinne an Kraft. Mein Körper ist geschunden, verkorkst, verbogen, missbraucht. Das bin ICH, ich finde mich gut! Der Seelenkrebs, meine Depressionen!

Ich lebe

Ich wünsche allen Lesern alles erdenklich Gute und viel Kraft und Mut! Das Leben geht weiter, mal traurig mal heiter. Nach einem Tal folgt immer ein Berg, rauf und runter und runter und wieder rauf! Es wird hell und wieder dunkel, und es ist dunkel und wird wieder hell, wie Tag und Nacht zusammen gehören. Ich musste sehr viel Leid erleben und muss sehr viel Last ertragen. Ich hätte wahrhaft allen Grund, mein Leben wegzuwerfen, nach all dem was geschehen ist. Aber ich LEBE. Ich lebe für MICH und für meine KINDER. Und darauf bin ich stolz, auch wenn ich immer wieder stürze und am Boden liege und denke, es geht nicht mehr. Ich weiß, es wird bald weitergehen und so nehme ich mir die Zeit. So lasse ich es kommen und wieder gehen. Wer hinfällt, steht wieder auf. Wer steht, fällt wieder hin…

Also Leute, Kopf hoch, viel Glück!

Es grüßt ganz herzlich Coco

Quellen zu „Coco und der Seelenkrebs“
Foto: Jetti Kuhlemann / pixelio.de


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