Melancholie – nur eine Mönchskrankheit?

Melancholie und Depression

Melancholie – Die Depression in der Antike

Bei den alten Griechen war die Welt noch in Ordnung und man kannte das Wort Depression nicht. Das bedeutet aber nicht, dass es zu dieser Zeit noch keine Depressionen gab. Nachweislich gab es zu jener Zeit Menschen, die an „Melancholie“ litten. Das Wort Melancholie kommt auch aus dem Griechischen. Dabei steht melas für schwarz und cholía für Galle. Übersetzt heißt Melancholie also schwarze Galle. Die antiken Mediziner glaubten, dass Gesundheit ein empfindliches Gleichgewicht aus verschiedenen Körpersäften und Elementen sei.


Melancholie – Die schwarze Galle

Sie nahmen an, dass schwarze Galle den Körper vergifte und für die Seelentiefs verantwortlich sei. Entsprechend wurde in der Antike und im Mittelalter versucht, das Gleichgewicht zwischen den vier Säften Blut, helle Galle, schwarze Galle und Schleim, den Elementen Luft, Feuer, Wasser und Erde sowie den Zuständen warm, kalt, feucht und trocken durch eine Reduktion der schwarzen Galle wieder herzustellen. Dies geschah vor allem über diätetische Maßnahmen, wie den Verzicht auf dunkelfarbige Speisen, sowie über Bäder, Bewegung, Musik und anregende Gespräche. Aber aber auch chirurgische Eingriffe, wie der für fast alles eingesetzte Aderlass, kamen zur Anwendung. Durch Abführmittel und Medikamente versuchte man, das gestörte Gleichgewicht der Körpersäfte wieder herzustellen. Die Melancholie war für die Mediziner des Altertums nur eine von vielen Krankheiten, die sich einstellen konnten, wenn das anfällige menschliche System aus der Balance geriet.



Melancholie und Genialität

Für den griechischen Philosophen und Naturforscher Theophrast (um 371 v. Chr.–287 v. Chr.), einem Schüler und Nachfolger des Aristoteles, war die Melancholie sogar eng mit der Genialität verknüpft. Er fragte sich seinerzeit schon, warum sich alle außergewöhnlichen Männer in Philosophie, Politik, Dichtung oder in den Künsten oft auch als Melancholiker erwiesen. Zu Beginn des Christentums ging es mit dem Ruf der Depression dann steil bergab. Man glaubte, dass in der Niedergedrücktheit der Glaube ins Wanken gerate und ordnete die Krankheit kurzerhand unter dem Namen Acedia unter die Todsünden.

Acedia latinisiert aus dem Griechischen bedeutet soviel wie Sorglosigkeit, Nachlässigkeit oder Nichts machen wollen. Sie war nach theologischer Lehre eine der sieben Hauptsünden. Zur Acedia gehört auch ein Gemütszustand wie Traurigkeit, Melancholie oder der des Überdrusses. Die sechs „Töchter“ der Acedia sind nach Gregorius bei Thomas von Aquin († 7. März 1274) malitia (Bosheit), rancor (Groll, Auflehnung), pusillanimitas (Kleinmütigkeit), desperatio (Verzweiflung), torpor circa præcepta (stumpfe Gleichgültigkeit gegenüber den Geboten bzw. Vorschriften), vagatio mentis circa illicita (Schweifung des Geistes in Richtung des Unerlaubten).

 

Depression – Eine Mönchskrankheit

Der deutsche Philosoph Josef Pieper († 6. November 1997 ) sah den Tenor der Acedia-Lehre darin, dass „der Mensch sich dem Anspruch versage, der mit seiner eigenen Würde gegeben ist, er seinem eigenen Sein letztlich nicht zustimme.“ Der Volksmund sprach auch von der sogenannten Mönchskrankheit und meinte damit diese Mischung aus Traurigkeit, Trägheit und Überdruss. Im 3. Jahrhundert beschrieb der frühchristliche Anachoret Euagrios Pontikos (346-399) die Gefühle und das Verhalten eines Mönchs, der in seiner Zelle von dieser Acedia erfasst wurde.

Die Sonne, so schreibt er, scheint dem der Acedia verfallenen Mönch still zu stehen, der Tag komme ihm unendlich lang vor. Er wird von dem Dämon getrieben, aus der Behausung zu gehen, die Sonne anzustarren und ihren Stand zu prüfen. Hass gegen seinen Aufenthaltsort, gegen sein Leben und seiner Hände Arbeit überkommen ihn, und er glaubt, dass die Liebe seiner Gefährten nachgelassen habe und es niemanden gebe, der ihn mit seinem Trost zu helfen bereit sei.

Martin Luther war das noch nicht genug. Er war selbst betroffen und litt unter den Folgen seiner Depression. So identifizierte er den Teufel persönlich als Urheber der tückischen Krankheit. In der Folge hatten Depressive nicht nur unter ihrer Krankheit zu leiden, sondern hatten sich obendrein auch noch gesellschaftlicher Ausgrenzung auseinander zu setzen. Ein Zustand, der sich eigentlich bis in die heutige Zeit erhalten hat.



Depression auch Veranlagung

Der Oxforder Theologe Robert Burton leitete in seiner Schrift Anatomie der Melancholie im Jahre 1621 diese seelische Verfassung von biologischen, psychischen und soziokulturellen Voraussetzungen ab. Er gab auch Hinweise über Personen, die besonders gefährdet schienen. Nach seiner Meinung waren es Menschen, die u.a. von schwermütigen Eltern abstammen, dunkelhäutig sind oder von stark sanguinischer Gesichtsfarbe, die kleine Köpfe haben, ein heißes Herz und feuchtes Hirn, heiße Leber und kalten Magen, oder die lange an Krankheit zu leiden hatten. Menschen, die von Natur einsam lebten, große Bücherwälzer,  ganz der betrachtenden Lebensweise verfallen und der aktiven entzogen. Sie alle sind seiner Meinung nach am anfälligsten für Melancholie.

Beide Geschlechter würden von ihr befallen. Aber wenn Frauen daran erkrankten, seien sie weit schlimmer und heftiger gepeinigt. Auch wenn die Mediziner heute die Galle als Auslöser ausschließen, ist eine Depression keine rein seelische Erkrankung. Es ist Stand der Wissenschaft, dass im Gehirn von Depressiven wichtige Botenstoffe aus dem Gleichgewicht geraten sind. Eine umfassende Erklärung der Zusammenhänge steht allerdings noch aus. So streitet man bis heute darüber, ob das mangelnde Gleichgewicht an Botenstoffen im Gehirn als Folge oder Ursache der Depression anzusehen sei.

Quellen zu Melancholie und Depression
Foto: Dieter Schütz  / pixelio.de

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