Verständnis und Verstehen in der Beziehung

Verständnis und Beziehung

Verständnis ist eine Form der Liebe – Menschen brauchen das

Es gab in Beziehungsangelegenheiten bedeutsame Ereignisse in meinem Leben, die ich oftmals nicht zu verstehen vermochte. Manchmal drohte ich sogar, daran zu zerbrechen. Als ich aber irgendwann akzeptieren konnte, was geschah, fiel die Bedeutung des „Verstehen-Müssens“ in sich zusammen, wie die Hülle eines Fesselballons, aus dem alle Luft entweicht. Viel von der ganzen Aufregung um das „nicht verstehen können“ ist, um im Bild zu bleiben, tatsächlich heiße Luft. Viel wichtiger ist es, zu schauen, wo der eigene Anteil liegt – nachzusehen, was das alles mit einem selbst zu tun hat. Klarheit zu bekommen über die eigenen Wünsche und Bedürfnisse gehört hier ebenso dazu, wie die Akzeptanz, dass man den Anderen nicht ändern kann, nur sich selbst.


Verständnis wo Verstehen schwer ist

„Es gibt zwei Perioden, in denen ein Mann seine Frau nicht versteht: vor der Hochzeit und nach der Hochzeit.“ Robert Lembke

In seinem Bestseller Männer sind anders. Frauen auch ergründet der Autor John Gray den nimmer enden wollenden Kampf der Geschlechter. Über zwanzig Jahre befasste sich Dr. Gray mit der Beratung von Paaren und immer wieder stellte er fest: Männer und Frauen können sich einfach nicht verstehen. Männer und Frauen haben nicht nur verschiedene Sprachen, sie reagieren auch unterschiedlich auf das gleiche Ereignis. Sie verarbeiten Probleme jeweils anders und nehmen ihre Mitmenschen auch anders wahr. Kurz und knapp: Männer und Frauen sind so verschieden, wie sie verschiedener nicht sein können.

Männer sind keine Frauen

John Gray ist nach langer Zeit der erste Autor, der Frauen und Männern etwas sehr Wichtiges zugesteht, so verschieden zu sein, wie sie nun einmal sind. Mithilfe seiner jahrelangen Erfahrung dringt er tief in die Thematik „Mann und Frau“ ein und untersucht mit Verständnis und Humor die Vielschichtigkeit des Geschlechterkampfes. Und so beschreibt er in seinem Buch recht anschaulich, woran es liegt, dass Männer und Frauen einander immer wieder weh tun.



Trägheit als Beziehungskiller

Eigentlich glaubte ich immer von mir, Frau recht gut verstehen zu können, zumindest die mir angetraute. Vermutlich sieht mein weibliches Pendant das aber mitunter völlig anders?! Und das macht es dann doppelt schlimm. Wer nämlich glaubt, den anderen zu kennen und alles über ihn zu wissen, verfällt nur allzu leicht in eine gewisse partnerschaftliche Trägheit. Wozu denn noch aufmerksam  und neugierig sein, wenn man doch schon alles weiß? Wozu sich auf die Suche machen, wenn es ja doch nichts mehr zu entdecken gibt? Die Wahrheit ist: Es wird den Tag nicht geben, an dem ich genug über meine Frau weiß. Es gilt, was auch Platon und Sokrates schon wussten: Wohl dem der weiß, dass er nichts weiß. Neugier hält eine Partnerschaft lebendig, ebenso wie Sehnsucht und Achtsamkeit.

 

Verständnis ist Balsam für Beziehung

Es kommt überhaupt nicht darauf an und ist vermutlich ohnehin unmöglich, dass Mann – Frau versteht. Worum es eigentlich geht, ist Respekt, Akzeptanz und Verständnis. Wenn ich Verständnis für meinen Partner haben kann, muss ich nicht alles verstehen, ich kann akzeptieren. Ich habe in den letzten Jahren viele Partnerschaftskrisen durchlebt, aber verstanden habe ich nicht viel davon. Ich verstehe ja oft nicht einmal mich selbst. Nach der letzten Ehekrise nun haben meine Frau und ich viel geredet, analysiert und versucht, Ursachen zu finden, bis wir schließlich zu der genialen Erkenntnis kamen: Wir müssen es nicht verstehen – es reicht, wenn wir Verständnis haben, Verständnis für den anderen, aber auch Verständnis für uns selbst. Für mich ist dies ein Meilenstein.



Verständnis als Schlüssel

Die Beziehung zu meiner Frau ist eine tragende Säule in meinem Leben, ebenso die zu meinen Kindern. Wenn es mir mit meinen Beziehungen gut geht, dann geht es mir auch mit meiner Depression gut. Nahezu alle psychisch Kranken haben es nach meiner Erfahrung schwer, in Beziehung zu treten, erwarten vielleicht zu viel vom anderen und/oder von sich selbst.

Verständnis könnte somit mittelbar auch ein Schlüssel sein auf dem Weg der Genesung …

Ich jedenfalls glaube daran.

Quellen zu Verstehen und Verständnis
Foto: sokaeiko / pixelio.de
veröffentlicht: 04.01.2013  überarbeitet: 01.08.2018

5/5 (3)

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Paul Kurz

Hey, ich bin zwar selbst nicht von Depression betroffen, aber meine Frau. Leider muss ich zurzeit erfahren, was es bedeutet, wenn (mein) Verständnis an Grenzen stößt. Wir stehen an einem Abgrund. Sicher, ich kann mich schlauer machen über die Erkrankung. Ob sich das erworbene Wissen jedoch in die Tat umsetzen lässt, ist angesichts des Zustandes meiner Frau derzeit fraglich. Ich habe einen Blog angefangen, um 1. die Dinge aus meiner Sicht zu schildern, 2. "Dampf abzulassen und 3. evtl den in oder anderen Hinweis zu bekommen, was ich/wir noch tun können. Falls Interesse besteht, schau' mal vorbei: http://wie-paul-es-sieht.blogspot.de/ LG P

Irene

(Korrektur: John Gray, nicht Grey.)

Irene

John Grey und die GeschlechterBILD in einem Blog über Depression, weia 🙂 Männer untereinander und Frauen untereinander sind individuell viel verschiedender als sich Männer und Frauen durchschnittlich unterscheiden. Das zeigt sowohl die Forschung als auch die Alltagserfahrung. Wenn du schwul wärst und einen Mann hättest, würdest du deinen Partner auch nicht immer durch und durch verstehen, er wäre auch anders als du. Menschen sind nun mal verschieden. Das ist auch dann ganz normal und in Ordnung, wenn es sich um Menschen desselben Geschlechts handelt. Du schreibst es ja selbst geschlechtsneutral ("Wenn ich Verständnis für meinen Partner haben kann") und zeigst… Weiterlesen »