Trennung tut so weh – Trennungsschmerz und Depression

Trennungsschmerz und Depression

Was macht ihn aus, den Trennungsschmerz?

Fast jeder kennt das von uns. Trennung tut weh, sehr weh. Was aber macht ihn aus, den Trennungsschmerz? Empfinden ihn alle Menschen so stark wie ich? Was ist das nur für ein Schmerz? Und kann eine Trennung wirklich stattfinden? Bleibt nicht irgendwie doch immer verbunden, was einmal verbunden war? Ist es vielleicht der Schmerz, trennen zu wollen, was sich nicht trennen lässt, den ich spüre? Was hat es auf sich mit dem Schmerz der Trennung?


Nicht mehr Beieinander

Wenn Menschen über Trennung nachdenken, dann haben sie sich vermutlich schon weit voneinander entfernt. Sie leben längst nicht mehr in einem Zustand des Beieinanderseins. Nicht mehr beieinander sein – ich finde, das ist eine schönere und treffendere Bezeichnung, für das was eigentlich geschieht, wenn Menschen versuchen, sich zu trennen. Im Grunde müsste man dies nur wohlwollend anerkennen. Das ist nichts Schlimmes, nichts Verwerfliches. Wir alle sind frei in unseren Entscheidungen, den großen und den kleinen – jeden Tag.

Latent unehrlich

Aber dann kommen unsere Wertvorstellungen, unsere Erziehung, unsere Moral ins Spiel. Man muss doch… Schließlich sollte man doch… Ich kann doch nicht einfach… Aber in Wirklichkeit ist es längst geschehen. Wir sind weiter gegangen und haben den Anderen nicht mitgenommen oder er tat dies so. Nur ab und zu kreuzen sich unsere Wege noch, verlaufen aber nicht mehr in dieselbe Richtung. Wir fühlen uns verpflichtet, aber kommen nicht mehr in Freiheit, mit Würde und mit Freude zueinander. Und nun beginnt das eigentliche Trauerspiel. Oftmals nämlich sind wir hier nicht wirklich ehrlich zu uns selbst. Wir halten einfach fest, klammern an etwas, das nicht mehr da ist. Zumindest ist es nicht mehr so da ist, wie wir es bräuchten. Wir leben fortan ein Leben in latenter Unehrlichkeit.

Und so sind wir unehrlich unserem Partner gegenüber, aber was noch viel fataler in den Auswirkungen zu sein scheint – wir sind unehrlich zu uns selbst. Wir wollen nicht weh tun, nicht verletzen und doch tun wir gerade dies, heimlich still und leise.

Kurz und schmerzlos

Oder wir schneiden jedwede Verbindung kaltherzig ab, erklären den Anderen für böse und schlecht, um uns tatsächlich von ihm trennen zu können. Aber auch dies funktioniert nicht. Vermutlich vergrößert es den Trennungsschmerz sogar noch. Wie eng Menschen in Phasen sogenannter Trennung und darüber hinaus noch miteinander verbunden sind, kann man gerade in Rosenkriegen immer wieder sehr eindrucksvoll erleben.



Personenstand: Getrennt lebend

Oder sehen wir auf jene, die über Jahre hinweg in Trennung leben. Sie betonen dies immer wieder, dass sie getrennt seien. Aber wenn sie es wirklich wären – wieso ist es dann noch Thema? Einen eigenen Personenstand haben wir sogar dafür erfunden und glauben, dass dies dann auch so sei, dass wir getrennt wären, wenn wir nur getrennt lebten. In Trennung leben heißt aber vermutlich nichts anderes, als nicht mehr wirklich Beieinander zu sein, dies aber nicht anerkennen zu können.

Viele schmerzhafte Gefühle

Da gibt es das Gefühl des Verlassenwordenseins. Das tut weh. Es gibt das Gefühl des Benutztwordenseins, vielleicht sogar das Gefühl des Missbrauchs. Enttäuschung macht sich breit über gebrochene Versprechen, gebrochene Treue oder darüber, nicht mehr dieselbe Rolle im Leben des Anderen zu spielen. Es gibt die Enttäuschung über sich selbst, über das eigene Unvermögen, die Beziehung lebendig und erfüllend halten zu können. Womöglich gibt es das schlechte Gewissen, Schuld zu haben, an dem was ist. Und letztlich besteht vielfach das Unvermögen, dies alles zwar wahrzunehmen, es sich aber nicht vergeben zu können.

Trennungsschmerz – Scheiden tut weh

Wenn Beziehungen auseinander gehen, tut es immer weh. Es ist oft ein langwieriger Prozess von Verletzung und Schmerz, Wiederannäherung und Distanzierung. Es sind viele kleine Tode, die eine Beziehung stirbt. Eine Trennung findet dennoch nie wirklich statt, denke ich. Wir bleiben auf eine gewisse Art miteinander verbunden.  Da sind Erinnerungen, da sind Gefühle aus der Vergangenheit, die wir abrufen können, da sind Gemeinsamkeiten, gemeinsam Erlebtes, Schönes, vielleicht auch Schmerzvolles, gemeinsam Durchlittenes. Eine Verbindung bleibt…



Wege trennen sich – Menschen bleiben verbunden

Vielleicht wäre eine sogenannte Trennung weniger schmerzvoll, wenn wir sie nicht so radikal vollziehen wollten? Schwarz oder weiß, hop oder top? Vielleicht wären wir dem Leben und uns selbst um einiges näher, wenn wir anerkennen würden, was in uns ist und uns dies auch gönnen könnten? Es trennen sich unsere Wege nur. Dem Menschen jedoch dürfen wir verbunden bleiben. Dass sich Wege trennen, ist etwas, das wir leichter annehmen können. Jeder Mensch will frei sein in der Wahl seines Weges, jeden Tag neu. Das ist etwas Ursprüngliches, etwas Archetypisches, etwas das jeder Mensch in sich trägt. Dass sich Wege trennen, können wir deshalb leichter akzeptieren. Wir gönnen es uns und dem Anderen auch.

Gegen die Urnatur

Jedweder Trennungsschmerz ist somit selbst zugefügter Schmerz, denke ich. Immer wenn ich gegen mich selbst arbeite, entscheide, handle, signalisiert mir meine Seele durch meinen Körper, dass ich gerade nicht gut mit mir umgehe. Ich halte an etwas krampfhaft fest. Womöglich tue ich dies aus Gründen meiner Erziehung, aufgrund eingeimpfter Wertvorstellungen, angstvoller Gedanken oder eines schlechten Gewissens. Das aber sind allesamt Gründe, die meine Urnatur nicht kennt. Ich handle gegen mich. Oder ich versuche abzutrennen was bereits untrennbar ist. Beides kostet viel Kraft und muss Schmerzen bereiten. Der Trennungsschmerz findet so quasi seinen Ausdruck.

Menschen in ihr Leben entlassen

Wenn Eltern ihre Kinder irgendwann ins Leben entlassen, dann tun sie dies in der Regel auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Gute Eltern wissen, dass die Zeit nun reif ist und blicken wohlwollend auf das was war und auf das, was nun kommen möge. Sie fühlen sich keineswegs getrennt von ihren Kindern und doch trennen sich ihre Wege. Eltern, die dazu nicht in der Lage sind, bringen Leid und Schmerz in ihr Leben und das Leben ihrer Kinder. Auch das geschieht leider immer wieder. Das Leben will fließen und angenommen sein. Frieden entsteht, wenn ich Frieden in mir schaffe, wenn ich Frieden schließe mit dem was ist und anerkennen kann, dass eine Zeit zu Ende geht und eine neue Zeit nun beginnt. Es ist nur ein Übergang.

Ich wünsche mir und den Menschen einen wohlwollenden, annehmenden und nicht verurteilenden Umgang mit solchen Übergängen im Leben. Ich wünsche mir, das Wege sich ändern dürfen und dass der daraus resultierende Trennungsschmerz ein Wehenschmerz ist und nicht, wie so oft, ein Todesschmerz. Der Gewinn könnte immens sein für alle die an Trennungsprozessen beteiligt sind…

Quellen zu Trennungsschmerz und Depression
Foto: pixabay.com

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Vielen Dank für diese Zeilen! VG Robert