Diogenes in der Tonne – Die Suche nach dem Glück

Suche nach dem Glück

War Diogenes noch auf der Suche nach dem Glück oder hatte er es bereits gefunden?

Kann man das Glück erlernen oder findet man es zufällig? Alle Menschen sind doch irgendwie fortwährend auf der Suche danach. Nur wenigen jedoch scheint ein brauchbarer Fund beschieden zu sein. Suchen wir Menschen etwa an den falschen Stellen oder vielleicht mit den falschen Mitteln? Was machen diejenigen anders, die fündig werden und was hat das alles mit der Depression zu tun? Was können wir diesbezüglich von unseren Vorfahren lernen? Eine kleine Reise in die Antike und zurück.


Glück und Diogenes in der Tonne

Manchmal, wenn ich abends noch im Garten sitze, es langsam still wird um mich herum und die allgemeine Geschäftigkeit der Welt nachlässt, dann wird mir deutlich, was für ein stilles Leben ich doch eigentlich gewählt habe. Ich fühle mich dann fast wie Diogenes in der Tonne, nur dass ich mich leider nicht mit seiner Originalität und Weisheit messen kann. Der Überlieferung nach wurde Diogenes wegen Falschmünzerei verbannt und lebte seither in Armut und Bescheidenheit. Seine Schriften sind leider nicht erhalten geblieben, nur seine Anekdoten erzählt man sich bis heute gern. So soll Diogenes, ein Zeitgenosse Platons, der etwa um 400 vor Christus lebte, tatsächlich in einer Tonne gewohnt haben.

Eines Tages besuchte ihn Alexander der Große, weil er von seiner Weisheit und seinen Erkenntnissen Kunde vernommen hatte. Er war so sehr davon angetan, dass er Diogenes unbedingt einmal kennenlernen wollte, fragte er ihn unter anderem, ob er ihm angesichts seiner Armut nicht etwas Gutes tun könne und stellte ihm einen Wunsch frei. Doch Diogenes entgegnete hierauf nur: „Geh mir ein wenig aus der Sonne!“

Ihm fehlte nichts zu seinem Glück. Alexander der Große bemerkte später dazu: „Wäre ich nicht Alexander, wollte ich Diogenes sein„. Mich fasziniert diese GeschichteDiogenes muss ein Mensch gewesen sein, der in sich ruhte, ein Mensch, der sein Glück gefunden hatte, ein Mensch, der mit sich selbst völlig im Reinen war.



 

Depression führt zu Selbsterkenntnis

Nun, verbannt worden bin ich freilich nicht, aber ich habe mich selbst verbannt. Ich lebe in einer stillen ländliche Gegend inmitten der Natur und umgeben von Wiesen und Weiden. Dabei bin ich der Überzeugung, dass etwas Abstand zur Welt für mich gut und nötig ist, um ihren Fängen und Verlockungen entkommen zu können. Ich habe die Einsamkeit gewählt, um mich selbst wieder besser wahrnehmen zu können, um meine ureigensten Bedürfnisse frei zu legen. An einem anderen Ort in einer anderen Umgebung, fällt es mir leichter, andere Wege zu gehen, destruktive Muster zu erkennen und verändern. Ich bin also auf der Suche nach mir selbst oder mit anderen Worten: Ich bin auf der Suche nach dem Glück. Vielleicht muss ich ja auch gar nicht mehr suchen? Vielleicht war ich nur blind für mein Glück?

Es erstaunt mich immer wieder, wie viel es da doch zu entdecken gibt. Zugegeben, nicht alles, was ich finde, begeistert mich auch. Aber ich bin dennoch dankbar für jede Erkenntnis meiner selbst und ist sie noch so klein. Erst wenn das Puzzle vollständig ist, zeigt sich das rechte Bild und dazu gehören eben auch die Teile, die mir eventuell nicht so zusagen.

 

Depression beendet Selbstbetrug

Diogenes hatte sicher nicht mit Depressionen zu tun. Wie ich meine Welt wahrnehme, entscheide ich selbst. Wo ich meine Schwerpunkte im Leben setze, was ich erreichen will und was mir wichtig ist – das alles liegt einzig und allein in meiner Hand. Doch viel zu oft lasse ich mir das von außen vorgeben, lasse mich blenden. Ich lasse mich motivieren von gesellschaftlichen Entwicklungen, von Religionen, Moden und Trends oder von dem was der Nachbar tut oder eben nicht tut. Mein Sein entspringt oftmals nicht mehr meinem eigenen Innern, meiner eigenen Intuition. Und immer dann suche ich das Glück dort, wo ich es nie finden werde: In Beziehungen, im Konsum, oder Genussmitteln, im Besitz und vielem anderen mehr.

Ich begebe mich hinaus in die weite Welt und bin ständig auf der Suche nach etwas, was ich nur in mir selbst finden kann, dem Glück. Das ist zutiefst menschlich und war wohl schon immer so, aber es ist auch der Boden für jeglichen Selbstbetrug, für jegliche Lebenslüge. In diesem Sinne äußerte sich schon im Mittelalter Dschalal ad-Din Muhammad Rumi († 1273 in Konya, der heutigen Türkei). Er war ein persischer Mystiker und einer der bedeutendsten persisch sprachigen Dichter seiner Zeitepoche. Er sagte einmal: „Ich habe die ganze Welt auf der Suche nach Gott durchwandert und ihn nirgendwo gefunden. Als ich wieder nach Hause kam, sah ich ihn an der Türe meines Herzens stehen. Und er sprach: „Hier warte ich auf dich seit Ewigkeiten.“ Da bin ich mit ihm ins Haus gegangen.“

Wenn ich für Gott das Wort Glück einsetze, beschreibt es das, was seit sehr langer Zeit schon die Menschen antreibt.



 

Depression und Suche nach dem Glück

Wir sind alle unser Leben lang auf der Suche nach dem Glück. Manche sagen, sie suchen Gott. Ich glaube jedoch, Menschen suchen in Wirklichkeit immer nur ihr eigenes Glück. Das ist es, was sie antreibt. Vielleicht ist ja Glück auch nur ein anderes Wort für das Göttliche? Ein Leben lang sind sie auf der Suche nach dem Glück. Dieser traumhafte Zustand, so flüchtig wie der Morgentau, kaum dass er wahrnehmbar ist, ist er auch schon wieder verschwunden. 

Für den Zustand der Glückseligkeit geben Menschen alles, von diesem Nektar wollen sie trinken und sei es nur einen winzigen Tropfen. Diogenes, um im Bild zu bleiben, hatte ein ganzes Fass voll damit und konnte darin baden. Er fand in sich, wonach wir alle suchen. Er fand sich selbst und er fand sein Glück. Ich denke, auch wir sollten es in dieser schnellen Zeit ein wenig mit Rumi halten und das Glück nicht irgendwo da draußen in der Welt, sondern eher dort suchen, wo wir es manchmal auch fühlen können – in uns selbst.

Quellen zu „Die Suche nach dem Glück“

Foto: Eda  / pixelio.de

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