Sind Depressionen heilbar?

sind depressionen heilbar

Depressionen zählen zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen.

Ist die Depression heilbar? Dies ist eine der meist gestellten Fragen unter den von Depressionen betroffenen Menschen, ganz gleich ob sie selbst unter der kranken Seele leiden oder aber Angehörige sind. Depressionen können sehr langwierig sein und da ist es kein Wunder, dass früher oder später die Frage nach der Heilbarkeit mehr oder weniger vehement auftaucht. Es ist eine Frage, die es durchaus in sich hat und von deren Beantwortung auch eine Menge abhängt. 


Schwere Depressionen heilen

Ich habe es ja irgendwie schon lange geahnt und diese Vermutung hier im Blog auch schon geäußert: Schwere Depressionen sind vermutlich nicht heilbar. Nun bekomme ich ungewollt renommierte Unterstützung von Reinhard Lindner, Leiter des Therapiezentrums für Suizidgefährdete am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Das freut mich und zeigt mir, dass ich meinem Gefühl hin und wieder doch trauen kann. Im Focus Online führt er aus, dass man schwere Depressionen gut behandeln könne und so die Symptome reduziere.

Einen Menschen komplett könne man jedoch nicht verändern, eine Neigung zu Melancholie würde bleiben, auch mit Medikamenten und Psychotherapie. Er sagt zwar ausdrücklich, es wäre nicht wahr, dass Depressionen unheilbar seien. Das was er aber danach ausführt, hört sich für mich nicht nach einer Heilung an, sondern eher nach einer Abschwächung der Symptome. Denn wenn ich von Heilung spreche, bin bin ich gesund. Wenn meine Depression ausheilen könnte, bräuchte ich dann keine Psychopharmaka und keine Psychotherapie mehr, oder sehe ich das falsch?

Den Focus-Artikel zum Thema „Depression heilbar oder unheilbar“ findest du hier: Focus-Online



 

Depressionen sind nicht heilbar

Ich habe meinen Frieden gefunden, depressiv zu sein. Und das ist auch gut so. Als ich noch glaubte, und ich glaubte das wirklich, dass man schwere Depressionen heilen könne, entwickelte ich Hochgefühle, jedesmal wenn ich aus dem Tal aufsteigen konnte. Das fühlte sich zwar toll an, nur folgte immer wieder unweigerlich der Absturz, so wie es für die manische Depression beschrieben wird. Hätte man mir in der Klinik nicht erzählt, dass man schwere Depressionen heilen könne, hätte ich vermutlich eher zu einem adäquaten Umgang mit meiner Krankheit gefunden. Deshalb wünsche ich jedem an schwerer Depression erkrankten Menschen, dass er auch seinen Frieden damit finden möge, dass seine Depression eventuell nicht zu heilen sei.

Die Depression zu sehen, als etwas, das seinen Sinn hat und mich vor Schlimmerem bewahrt, hat mir geholfen, besser damit umzugehen. Hätte ich es im Laufe meines Lebens gelernt, auf mich zu achten, auf meine Kräfte und Bedürfnisse, dann wäre mir die Depression womöglich erspart geblieben. Da ich es offensichtlich aber nicht gelernt habe, ist die Depression zu einer Art Notbremse geworden, die mein Körper zieht, wenn mein Kopf mal wieder anderer Meinung ist und mich glauben lässt: „Ich bin ein toller Typ, das schaffe ich auch noch!“ Das veranlasst mich zu der These: Wenn man die Depression nicht als etwas Sinnvolles ansehen kann, führt das immer wieder unweigerlich in tiefe Krisen. Und dort wo ich war, möchte ich nie wieder hinkommen. Es ist ein Ort ohne Hoffnung und ohne Ausweg. Es ist ein Ort am Ende des Lebens.



 

Depression heilbar oder nicht – wie wichtig ist das?

Was spielt es schließlich auch für eine Rolle, ob Depressionen heilbar sind oder nicht? Im Grunde genommen ist es doch egal, ob Fachleute sich einig darüber sind, dass meine schweren Depressionen heilbar seien? Entscheidend ist doch einzig und allein, mit welchem Gefühl ich durch mein Leben gehe. Von mir aus nehme ich die bunten Pillen, wenn es mir damit gut geht. Depressionen heilbar oder nicht? Das ist nicht die erste Frage. Geht es mir gut oder nicht? – Darauf kommt es an, denke ich.

Ich wünsche allen von der Depression betroffenen Menschen, ob mittelbar betroffen als Angehörige oder Freunde oder unmittelbar als Depressive selbst, dass ihr diese Krankheit annehmen lernt und so schwer dies auch fallen mag, etwas Gutes darin sehen könnt. Die Depression will euch etwas sagen. Nehmt euch Zeit und hört hin, dann kann der Gewinn unermesslich sein.

 

Nachtrag (ein Jahr später)

Meine Sicht hat sich wesentlich gewandelt. Inzwischen glaube ich sehr wohl, dass die Depression heilbar ist. Sollte ich diesen Artikel hier deshalb besser wieder löschen? Diese Frage stellte ich mir und entschied mich, den Beitrag online zu lassen. In der Reihe aller Postings ist er wichtig, denn er ist Teil eines Weges, meines Weges durch die Depression und dokumentiert an dieser Stelle, wie hoffnungslos ich mich mitunter an die Depression verloren hatte. Vermutlich brauchte ich das. Ich erinnere mich noch gut, dass es mir Erleichterung verschaffte, nicht unbedingt gesund werden zu müssen, mir die Depression erlauben zu können. Es nahm mir den Druck, noch mehr für meine Gesundung tun zu müssen, was ganz sicher kontraproduktiv gewesen wäre.

Auch hier gilt also der schöne Spruch von C.G. Jung: „Man wandelt nur das, was man annimmt.“ Eine Zeit lang war es gut, die Welt so sehen zu dürfen. Doch es hat sich etwas verändert. Ich habe mich verändert, habe meine Sicht auf mich und die Welt verändern können. Hierzu schrieb ich unlängst einen neuen Beitrag, der die Frage erörtert: Gehen Depressionen von allein wieder weg?

Was sind deine Erfahrungen und was denkst du darüber, ob die Depression heilbar ist oder nicht. Über einen Kommentar von dir zu diesem Thema würde ich mich sehr freuen.

Quellen zu „Sind Depressionen heilbar?“
Focus-Online   Foto: Paul-Georg Meister  / pixelio.de

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