Ich fühle mich so kraftlos – Ein Leserbrief von Bettina

kraftlos

Ich fühle mich kraftlos

Die Depression kommt auf leisen Pfoten, aber wenn du ihrer gewahr wirst, ist es oft wie ein Knall. Alles andere hättest du vielleicht annehmen können, aber eine Depression? Depressionen machen kraftlos und hilflos, sie trennen dich. Sie trennen dich von anderen Menschen, sie trennen dich von der Welt und was oft das Schlimmste ist, sie machen die Trennung von dir selbst sichtbar. 


Bettina wusste bis vor kurzem nicht von ihrer Depression und sinkt nun knietief darin ein, oftmals sogar noch tiefer. Alles scheint sinnlos, aussichtslos. Sie fühlt sich kraftlos, ausgeliefert und irgendwo auch verloren. So wie Bettina geht es den meisten Menschen, wenn sie das erste Mal die Diagnose Depression vor Augen haben. Überforderung macht sich breit, in dir selbst, aber auch in deinem Umfeld. Man kann nicht glauben, dass es da einen Ausweg geben kann ins Leben zurück. Bevor man in die Lage kommt, Hilfe anzunehmen, sieht man oft nur noch einen Ausweg. Und den will eigentlich keiner so wirklich. Danke, Bettina, für deine Geschichte!

Ein Leserbrief von Bettina

Hallo, meine Name ist Bettina, bin 35 Jahre alt und ich würde gerne meine Geschichte erzählen. Seit Anfang 2015 leide ich unter Symptomen die ich lange nicht zuordnen konnte. Ich fühlte mich total leer, wie eine Hülle ohne Inhalt. Ich bin natürlich anfänglich wegen den Beschwerden nicht zum Arzt gegangen. Im August 2015 bekam ich dann eine orthopädische Erkrankung. Seitdem bin ich auch bis dato krank geschrieben. Ich habe mich völlig isoliert, krieche tagelang nicht aus meinem Bett heraus. Ich bin innerlich total nervös und könnte mir die Haare ausreißen. Selbst die normalsten Dinge wie z.B. Körperpflege waren mir zu anstrengend. Ich fühle mich völlig emotionslos, ich empfinde keine Liebe weder für mein Kind, meinen Partner noch für mich selbst.

Mir war alles Zuviel. Ich habe mich total abgekapselt. Als ich mir dann Ende 2015 immer öfter Selbstmordgedanken gemacht habe, bin ich zum Psychologen. Er hat mir dann ein Antidepressiva verschrieben und eine Reha beantragt. Ohne mir eine Diagnose zu stellen… Zur Zeit befinde ich mich in dieser psychosomatischen Reha und mein Leiden trägt einen Namen. Schwere Depressionen mit starken zwischenmenschlichen Konflikten… Leider bin ich mit meiner Therapie noch ganz am Anfang. Ich habe absolut kein Selbstbewusstsein, ich kann mich hier nicht öffnen und die Teilnahme an Gruppen fällt mir sehr schwer.

Wenn es mir dann mal einen Tag gut geht, hänge ich am nächsten schon wieder tief in einem Loch. Meine Reha ist leider nächste Woche zu Ende. Ich war dann 7 Wochen hier und könnte locker das selbe an Zeit noch bleiben. Ich habe totale Angst vor dem Alltag. Was mach ich wenn ich mich wieder ans Bett fessle? Ich habe Angst meine Familie wieder um mich herum zu haben. Viel leid hab ich Ihnen angetan, ich habe sie ignoriert und war ihnen kein Beistand.

Es gibt die einen Momente in denen ist mir meine Krankheit bewusst und ich könnte mich Ohrfeigen weil ich meinen lieben so weh tue. In den anderen Momenten ist mir einfach jeder egal, ich mir selbst, würde mich am liebsten von der Brücke stürzen. Ich habe in klaren Lichtblicken totale Angst das ich den letzten Schritt auch noch bereit bin zu gehen. Wie soll es weitergehen?! Ich weiß auch überhaupt nicht ob bzw wie mein Partner damit umgehen kann. Er ist beruflich sehr eingebunden und hat eigentlich nicht die Zeit mir zur Seite zu stehen. Er äußert sich auch leider sehr wenig zu diesem Thema.

Ja ich denke fürs erste belasse ich es dabei und freu mich auf Antwort.

Bettina

Quellen zu „Ich fühle mich kraftlos – Ein Leserbrief von Bettina“

Foto: clipdealer.com

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