Bin ich depressiv? – Fragebogen Depression

Bin ich depressiv?Was man bei anderen sofort sieht, das bleibt einem für sich selbst zumeist verborgen. Reflektieren will gelernt sein. Die gute Nachricht: Man kann es jederzeit lernen. Der richtige Zeitpunkt ist immer gerade jetzt! Und man kann es üben. Dr. Mück, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Köln, hat dazu einen Fragebogen entwickelt, der helfen soll, sich selbst einschätzen zu lernen. Bin ich depressiv? Depressive leiden häufig unter einem Missverhältnis zwischen den Anforderungen, die sie an sich selber stellen und ihren Bewältigungsmöglichkeiten. Es fehlen ihnen zumeist geeignete Strategien, ihre Bedürfnisse ausreichend zu erfüllen. Dieser Fragebogen hier soll dein Repertoire an Bewältigungsstrategien erweitern und dich so zu vorteilhafterem Verhalten anregen. Prüfe daher regelmäßig anhand dieser Liste, wie weit du die angesprochenen Fähigkeiten schon verinnerlicht hast. Mit dem Verinnerlichen der Fragen aus dem nachfolgenden Fragenkatalog verringerst du die Gefahr, erstmalig oder wiederholt an einer Depression zu erkranken.


Beitragsüberblick

Fragenkatalog – Bin ich depressiv?

Nehme ich mich an, wie ich bin?

Gefalle ich mir selbst? Lebe ich auch nach außen, was ich denke und fühle? Bin ich authentisch? Kann ich mit mir und anderen Frieden schließen? Verzichte ich auf Selbstnörgeleien?

Zeige ich mich, wie ich bin?

Lasse ich mich nicht länger von Scham beherrschen? Teste ich häufig genug, wie andere tatsächlich auf mich reagieren?

Frage ich mich nicht mehr dauernd „Was andere wohl über mich denken?“

Bin ich ausreichend selbstbewusst und frei vom Diktat innerer Stimmen?

Habe ich Vertrauen?

Habe ich Vertrauen in das Leben, in den Körper, in die Zukunft und in Beziehungen? Muss ich nicht länger alles unter Kontrolle haben?



Kann ich mich als aktiven Teil der Welt verstehen?

Mache ich mir oft genug bewusst, wie sehr sich Menschen und ihre Umwelt wechselseitig beeinflussen? Sehe ich mich nicht länger als Opfer, das den Umständen oder der Willkür anderer ausgeliefert ist?

Kommuniziere ich konstruktiv?

Spreche ich von mir selbst, statt andere zu kritisieren? Kleide ich Kritik in Wünsche? Melde ich anderen wohlwollend zurück, was sie bei mir bewirken? Spreche ich lebendig (laut und deutlich)? Verzichte ich auf „mal sehen“ und „vielleicht“?

Kann ich mich über Veränderungen freuen oder mich zumindest mit ihnen arrangieren?

Beharre ich nicht länger auf Sicherheit und Garantie?

Komme ich mit Widersprüchen und Chaos zurecht?

Klammere ich mich nicht mehr einseitig an Ordnungen, Strukturen und Regeln?

Bin ich anpassungs- und lernfähig?

Presse ich nicht mehr andere und die Umwelt in meine Vorstellungen? Bin ich in der Lage, eingefahrene Muster zu erkennen, zu verlassen oder wenigstens zu hinterfragen?

Spiele ich bevorzugt „Alle gewinnen“?

Schiele ich nicht länger nur auf meinen Vorteil? Verzichte ich darauf, Verlierer zu erzeugen?

Nehme ich meine Gefühle wahr und lasse ich sie zu?

Erkenne und nutze ich ihren Informationsgehalt und ihre mächtige Wirkung auf mein Denken und Verhalten? Gehe ich mit Ärger und Aggression konstruktiv um?

Kann ich mit allen Sinnen genießen und Lust spüren?

Nutze ich so die Chance, unangenehmen Gefühlen weniger Raum und Zeit zu geben?

Achte ich mehr auf „Möglichkeiten“ als auf „Probleme“?

Kann ich Neues zulassen? Wittere ich nicht mehr überall ein Problem, das ich bekämpfen muss? Erweitere ich kontinuierlich meine Blickweisen und mein Verhaltensrepertoire?

Verhandele ich, statt pausenlos zu reden und alles schon wissen?

Bin ich in der Lage, zu entscheiden, auszuwählen, zu zu fassen, zu konkurrieren, etwas zu riskieren und mich mit anderen auseinander zu setzen?



Respektiere ich mich und andere?

Merke ich es, wenn ich andere oder mich selbst abwerte? Schätze oder akzeptiere ich die Eigenarten anderer? Habe ich es nicht länger nötig, andere klein zu machen, um mich groß zu fühlen?

Übernehme ich Verantwortung – auch für mich selbst?

Warte ich nicht länger darauf, dass die Umwelt erkennt, welche Hilfen ich brauche? Kann ich anderen angemessen meine Wünsche mitteilen? Bitte ich erwachsen um Hilfe? Ändere ich die Dinge, statt sie zu beklagen? Habe ich in meiner Ausdrucksweise müssen und sollen durch wollen ersetzt? Zeige ich mich anderen als selbstbestimmt und nicht als fremdbestimmt?

Verzichte ich auf Schuldzuweisungen?

Habe ich erkannt, dass Schuldzuweisungen nichts ändern, sondern nur endlose Schuldverteilungskämpfe am Leben erhalten?

Kann ich positiv denken?

Verzichte ich in meiner Ausdrucksweise auf Sätze wie: „Ich kann das nicht.“ oder „Ich habe immer Pech.“?

Ermögliche ich mir neue Erfahrungen?

Bin ich neugierig genug? Probiere ich Unbekanntes aus, statt mich an Vertrautes zu klammern? Gebe ich neuen Erfahrungen die Chance, meine bisherigen Glaubensgerüste und Verhaltensmuster zu erschüttern?

Setze ich mir Ziele?

Nutze ich die anziehende bzw. motivierende Kraft von Zielen? Ermögliche ich mir durch selbst gesetzte Ziele Erfolgserlebnisse (das gesunde Gefühl, etwas bewirken zu können, dem Leben nicht nur ausgeliefert zu sein)? Sind meine Ziele genau und positiv beschrieben?



Bin ich kontaktfreudig?

Kann ich auf andere zugehen, mich ihnen mitteilen und mich mit ihnen abstimmen? Nehme ich Kontaktsignale anderer wahr? Nutze ich den gesundheitsfördernden Effekt menschlicher Beziehungen?

Kann ich loslassen?

Kann ich mich trennen? Klammere ich mich nicht mehr an materielle Dinge und Gewohnheiten, die mich mehr belasten als befreien? Merke ich, was für mich Ballast ist?

Habe ich genügend Phantasie und Humor?

Kann ich über mich selbst lachen und durch Humor über den Härten des Alltags schweben?

Bewege ich mich ausreichend?

Verhelfe ich meinem Körper zu einer Fitness, die mir Wohlbefinden gibt und mich meinen Alltag leichter bewältigen lässt? Gönne ich mir genügend Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit?

Höre ich auf meinen Körper?

Esse ich nicht nach der Uhr, sondern wenn Hunger sich meldet? Pausiere ich bei Müdigkeit, statt Aufputschmittel einzunehmen? Akzeptiere ich Schmerz- und Belastungsgrenzen? Interpretiere ich Depressionen als Warnsignal vor Überforderungen? Kann ich Hilfe zulassen und mir Entlastung gönnen? Merke ich es, bevor Genussmittel für mich zu Drogen werden?

Gebe ich dem Prinzip der Leichtigkeit eine Chance?

Kann ich Gleiches auch mit weniger Anstrengung erreichen? Neige ich in Krisen dazu, dieses auch zu versuchen?

Gehe ich vorsichtig mit Bedeutungen um?

Ist mir bewusst, dass ich weniger auf Fakten reagiere, als auf die Bedeutungen, die ich ihnen zu schreibe? (Beispiel: Mit einem „Freiheitskämpfer“ geht man anders um als mit einem „Terroristen“ – auch wenn es der gleiche Mensch ist.)



Nutze ich Fehler als Hinweis auf Fehlendes?

Sind Fehler für mich Lernhilfen oder Katastrophen? Kann ich zwischen dem, was ich falsch gemacht habe, und dem, was mir eigentlich fehlt (etwa dem Hören auf die innere Stimme ), unterscheiden?

Kann ich Sichtweisen wechseln, mich probeweise in andere versetzen?

Sehe ich mich nicht länger als Mittelpunkt der Welt? Kann ich mich selbst von außen, mit den Augen eines anderen, betrachten?

Wahre ich eigene Grenzen und respektiere ich die anderer?

Kann ich bei Bedarf klar und deutlich „Nein“ sagen? Verzichte ich darauf, anderen ihr Glück aufzuzwingen? Verfüge ich über genügend Selbstverteidigungstechniken und Schlagfertigkeit?

Entdecke ich hinter körperlichen Symptomen verborgene Wünsche?

Kann ich diese in Worte fassen? Merke ich es, wenn Schmerzen mich aus dem Verkehr ziehen wollen (also „Nein“ zu etwas sagen) oder andere Symptome nach Aufmerksamkeit rufen?

Bin ich mutig genug?

Kann ich notfalls über meinen eigenen Schatten springen? Traue ich mich, aus der Rolle zu fallen? Kann ich mit Unsicherheit leben?

Verfüge ich über genügend Frustrationstoleranz?

Komme ich damit zurecht, nicht immer zu gewinnen, im Mittelpunkt zu stehen, meine Wünsche sofort erfüllt zu bekommen?



Verzichte ich auf Verallgemeinerungen?

Etwa wie: „Mich liebt keiner!“, „Nichts klappt!“, „Alle sind sowieso….“? Merke ich, dass es sich dabei um Denkfehler handelt?

Erschließe ich mir Kraft spendende („ressourcevolle“) Zustände?

Ist es mir möglich, mich vor wichtigen Anlässen oder in Krisen an angenehme Erlebnisse und Erfahrungen zu erinnern und mich so in eine günstige Verfassung zu versetzen?

Gehe ich konstruktiv mit Neid um?

Kann ich auf Vergleiche verzichten, es sei denn, sie motivieren mich dazu, das zu erlernen oder zu tun, worum ich andere beneide?

***

36 Fragen, übrigens nicht nur für Depressive, die dir helfen können, besser mit dir selbst umzugehen. Versuche Schritt für Schritt, alte Glaubenssätze durch neue zu ersetzen. Es ist nicht einfach, fest eingefahrene Strukturen und Denkmuster zu verlassen, aber es lohnt sich. Und letztlich ist es ja auch nicht einfach, an alten Gewohnheiten fest zu halten, denn sie sind es, die uns unser Leben immer wieder schwer machen.


Quellen zu Fragebogen Depression
Fragen: Dr. Mück    Foto: Paul-Georg Meister / pixelio.de

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super geschrieben, vieles spricht mir aus der seele….danke!!