Die Bedeutung der Depression

Die Bedeutung der Depression
Worin liegt die Bedeutung der Depression?

Über die Auswirkungen einer Depression wurde schon viel geschrieben. Ebenso über die Ursachen der Depression, die Behandlung von Depressionen, über Antidepressiva und Psychotherapie. Über die Bedeutung einer Depression hingegen drängen sich mir nicht all zu viel Informationen auf, einmal abgesehen von den aktuellen Fallzahlen Psychischer Erkrankungen und deren Bedeutung für unsere Sozialsysteme. Offensichtlich begnügt man sich damit, die Depression als etwas Schlechtes anzusehen, als eine schwere Krankheit, die Menschen und sogar ganze Familien erschüttert und aus ihren Ankern zu reißen vermag, als etwas, das den Sozialkassen und damit der Gesellschaft jedes Jahr horrende Summen abverlangt, eine Art schwarzes Monster, das zunehmend sein Unwesen treibt und alles um sich herum, ohne Rücksicht auf Stellung und Ansehen, verschlingt. Ich jedoch bin der Meinung, dass die Depression mehr ist als eine Ansammlung von Diagnosen und Symptomen, mehr als eine Krankheit oder die bloße Folge kindlicher Missverhältnisse. Die Depression ist für mich zudem so etwas wie ein Warning Letter, jedoch kein böser Brief.

Die Depression als Warnung

Wenn unser Leben gut läuft, dann sind wir Menschen im Gleichgewicht. Alles im Leben will seinen Ausgleich. So wie das Wasser in verbundenen Gefäßen das Bestreben hat, seine Füllhöhe anzugleichen, so will auch in uns alles seinen Ausgleich finden, wie etwa Hunger und Sättigung, Nähe und Distanz, Stille und Heiterkeit, Angst und Sicherheit, Geben und Nehmen, Lieben und geliebt werden, Unrecht und Wiedergutmachung, Aggression und Harmonie. Wenn wir auf Dauer einem Pol den Vorrang geben, kommen wir irgend wann in eine seelische Schieflage, mit anderen Worten: Wir werden krank an unserer Seele.



Unser Körper ist ein wahres Wunderwerk. Er ist in der Lage, solch seelische Schieflagen anzuzeigen. Er tut dies auf verschiedene Weise, zum Beispiel durch Kopfschmerzen oder gar Migräne, durch Bluthochdruck, durch Magenprobleme, vornehmlich Übersäuerung. Wir sind unkonzentriert und es passieren uns häufiger „Missgeschicke“, vielleicht sogar vermehrt Unfälle. Wir sind vergesslicher, erschöpfter, gereizter und unzufriedener. Aber all dies verknüpfen wir aber nicht mit unserem Inneren, sondern geben äußeren Anlässen die Schuld. Wir glauben viel lieber, dass solche körperlichen Symptome Folgen ganz normaler Alterung sind oder von unseren Vorfahren an uns weiter vererbt wurden. Wir vermuten, dass es damit zu tun hat, dass auf der Arbeit gerade so viel anliegt, oder der Haussegen schief hängt oder finden andere Gründe. Wesentlich ist hierbei: Wir finden immer andere Gründe und die liegen ausnahmslos außerhalb von uns selbst. Andere Menschen haben Schuld, die Umstände, das Wetter… Mit uns hat das alles nichts zu tun, denken wir und so können wir daran auch nichts ändern. Also packen wir die chemische Keule aus und hauen drauf, so gut es geht, mit Schmerzmitteln, Betablockern, Tranquilizern, Protonenpumpenhemmern und anderen Wunderwerken pharmazeutischer Braukunst. Die einen sehen sich dabei als Opfer ihrer Umstände, die anderen als Helden, die allen Widrigkeiten des Lebens zu trotzen vermögen.

Der Depression eine Bedeutung zu geben ist besser, als dass die Depression dir eine Bedeutung gibt.

 Benno Blues

Wir haben in unserer modernen Zeit einfach verlernt, die Zeichen unseres Körpers als Auswirkungen unserer Lebensweise zu verstehen. Wir ignorieren. Wir ignorieren und tun dies mit teilweise fatalen Folgen.

Bedeutung der Symptome einer Depression

Bluthochdruck, Magen-, Darmprobleme und andauernde Erschöpfung, um nur einige Symptome der Depression zu nennen, haben im einzelnen alle ihre eigene Botschaft für dich. Bluthochdruck gibt zum Beispiel Anlass zu der Frage, was dich gerade unter Druck setzt. Magenschmerzen deuten darauf hin, dass dir etwas schwer im Magen liegt, du etwas nicht verdauen kannst. Vermutlich hast du wieder einmal etwas vorschnell hinuntergeschluckt, anstatt es auf den Tisch zu bringen? Verspannungen hingegen sind ein Zeichen von andauernder Anspannung. Dauernde Erschöpfung will dir zeigen: Denk mal wieder an dich! Ruh dich aus! Gönn dir Pausen! Du musst nicht ständig Leistung erbringen. Zu viel Magensäure? Was macht dich denn so sauer? Was ärgert dich dermaßen, dass du keinen Frieden finden kannst? Ja, und der Klassiker, die Kopfschmerzen, geben schlicht und ergreifend Anlass zu der Frage, worüber du dir andauernd einen Kopf machst? Welches Problem scheint gerade unlösbar? Vergesslichkeit? Zunehmende Vergesslichkeit will dir sagen, dass du lange Zeit dich selbst vergessen hast.



Der Depression wieder eine Bedeutung geben

Ich kenne Menschen, die schon viele Jahre mit ihren Depressionen leben. Sie haben sich arrangiert. Sie tun nichts dafür, die Depression zu überwinden. Man könnte den Eindruck gewinnen, sie fühlen sich wohl mit ihrer Depression. Die Depression gibt ihnen eine Bedeutung. Die Depression macht sie wichtig, bei den Ärzten, in der Familie, in der Selbsthilfegruppe. Mich macht es aggressiv, wenn ich mit solchen Menschen zusammen bin, was mich zu der Frage führt, warum das wohl so ist. Vermutlich ist es meine eigene Hilflosigkeit, die mich jene Menschen spüren lassen. Sie wollen sich nicht helfen lassen. Jedes Angebot lehnen sie ab. Jede Hilfestellung zerreden sie. Sie wissen immer sofort, warum etwas nicht geht, weshalb etwas keinen Zweck. Mich macht das aggressiv. Es ist meine Antwort auf das Gefühl der Depression, die dann gerade um sich greift, nach mir greift. Nein, in irgend welche Löcher will ich mich nicht mehr ziehen lassen! Und wenn es mit dem Mitgefühl noch nicht so gut klappt, sei es drum! Alles ist besser, als zurück zu fallen. Ich will gesund werden! Ich will vorwärts gehen und nicht rückwärts und auch nicht auf der Stelle treten. Ich möchte durch die Depression hindurch gehen und meine Lehren aus ihr ziehen. Nicht die Depression soll meinem Leben Bedeutung geben, sondern ich will der Depression eine Bedeutung zukommen lassen. Sie ist mein Freund, mein Lehrmeister. Sie macht mich sensibel für mich selbst und meine eigenen Bedürfnisse. Sie lehrt mich mein Inneres. Sie lehrt mich mich selbst. Sie zeigt mir, wie meine Seele funktioniert und wie alles im Leben zusammenhängt. Die Depression hilft mir, mein inneres Gleichgewicht wieder herzustellen. Die Depression ist meine Pforte zu einem glücklichen Leben. Den Pflichtteil meines Lebens habe ich abgearbeitet. Nun kommt die Kür. Und ich freue mich auf diese Zeit! Ich will sie fortan gestalten und genießen. Ich will mein Leben er-leben…

Quellen zu „Die Bedeutung der Depression“
Foto: Angela Parszyk / pixelio.de

Die Bedeutung der Depression

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