Therapieplätze für Psychotherapie fehlen

Therapieplätze Depressionen

Therapieplätze fehlen gerade im Bereich Psychotherapie

Depression und Therapie – man kann es schön reden, man kann es schwarz malen – es ist wie es ist. Es gibt zu wenig Therapieplätze für Psychotherapie in Deutschland. Weder sind ausreichend stationäre noch teilstationäre Angebote zur Therapie der Depression vorhanden. Insbesondere aber im Bereich der ambulanten Versorgung herrscht regelrechter Notstand, sehr zum Leidwesen aller Betroffenen. Wer privat versichert ist, hat da kein Problem. Es gibt genügend Psychotherapeuten. Der Notstand wird künstlich herbeigeführt, weil die Krankenkassen bei der Erteilung ihrer Zulassung kosten- und leider nicht bedarfsorientiert handeln. Frei nach dem Motto: »Keine Therapieplätze – keine teuren Therapien« tragen sie ihre wirtschaftlichen Interessen auf dem Rücken der Schwächsten aus.


Therapieplätze Depression – Ein Luxusgut in Deutschland

Berlin – Trotz langer Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz drohe nach Ansicht der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) der Abbau jeder vierten psycho­therapeutischen Praxis in Deutschland. „Im städtischen Bereich droht eine katastrophale Verschlechterung der Versorgung, weil bis zu 5.700 von knapp 23.000 psychothera­peutischen Praxen stillgelegt werden könnten“, befürchtet Rainer Richter, Präsident der  BPTK. „Dagegen lehnen wir uns auf.“ Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen hätten sich gerade darauf geeinigt, für ländliche Regionen bis zu 1.150 Praxen zusätzlich zuzulassen, berichtet das Ärzteblatt. Im Gegenzug für eine Begrenzung auf diese durchaus erfreuliche Veränderung habe man sich allerdings darauf verständigt, antrags- und genehmigungspflichtige Leis­tungen der Richtlinienpsychotherapie und probatorische Sitzungen aus der Gesamtvergütung heraus zu rechnen.



Lange Wartezeiten

Dies könne zur Folge haben, dass man den tatsächlichen Bedarf an Psycho­therapeuten nicht mehr korrekt berechnen könne. „Während sich die Versorgung auf dem Land nun erfreulicherweise verbessern wird, gehen in Groß- und Kreisstädten aber tausende Praxen verloren“, befürchtet Präsident Richter. Zudem würde der vereinbarte Zuwachs im ländlichen Raum nicht ausreichen, um die Wartezeiten auf eine Therapie von Depressionen flächendeckend auf ein akzeptables Niveau zu senken. Ziel müsse es nach Ansicht von Richter sein, die Wartezeiten von psychisch kranken Menschen auf ca. drei Wochen zu verringern. In Deutschland würden psychisch Kranke aber durchschnittlich 12,5 Wochen auf ein erstes Gespräch bei einem Psychotherapeuten warten, erklärt die Kammer mit Verweis auf ihre Wartezeitenstudie.

 

Depression Therapieplatz und Wartezeit

Für mich sind das geschönte Zahlen. Ich wohne derzeit im Raum Cuxhaven und dort ist es sogar so, dass ich auf einen einfachen Termin bei einem niedergelassenen Psychiater schon ein halbes Jahr warten muss. Von Therapie der Depression ist da noch gar nicht einmal die Rede. Ich habe es während meiner gesamten „Depressionskarriere“ bei etwa 60 Anfragen nur ein einziges Mal erlebt, binnen eines Jahres einen Erstkontakt bei einem niedergelassenen Psychotherapeuten zu erreichen, allerdings hatte auch dies einen Haken. Ich musste für jede Sitzung 200 km mit dem Auto zurück legen, wovon die Krankenkasse allerdings keinen Cent bezahlte. Viele Psychotherapeuten sind einfach derart ausgebucht, dass sie überhaupt keine neuen Patienten annehmen und wenn, dann sind Depressive gewiss auch nicht ihre erste Wahl.



Suche für Depressive eine Zumutung

Die Suche nach einer Therapie bei Depression ist zu einer großen Belastung für Depressive geworden. Auch kann man es als eine Tortur für einen seelisch angeschlagenen Menschen ansehen, sich durch ellenlange Listen von Psychotherapeuten kämpfen zu müssen, von denen ohnehin kaum jemand Kapazitäten frei hat. Hinzu kommt, dass man nicht einfach mal so in der Praxis anrufen kann, um einen Termin zu vereinbaren. Die Vergabe von Terminen ist nur während bestimmter kleiner Zeitfenster möglich. Meist auch nur an einem Tag in der Woche. Oftmals erreicht man einfach niemanden, weil die Leitung ständig überlastet ist. Nach dreißig Minuten totaler Anspannung ist das Spiel dann auch schon wieder aus. Es bleibt einem nicht weiter übrig, als es eine Woche später erneut zu versuchen. Ich habe mich in unzählige Wartelisten eintragen lassen, habe aber NIE einen Rückruf bekommen.

Resignation

Wenn man nicht selbst immer wieder in den Praxen anruft und die Not verdeutlicht, fällt man offensichtlich automatisch aus den Wartelisten wieder heraus. Möglicherweise werden diese aber auch gar nicht wirklich angelegt. Ich habe mich jedenfalls so manches Mal schon gefragt, ob es diese Wartelisten tatsächlich gibt. Vielleicht handelt es sich hierbei auch nur um kleine Notizzettel, die regelmäßig einmal im Monat weggeworfen werden? Diese Kraft und diesen Biss, sich einen Therapieplatz regelrecht zu erkämpfen, den hat einfach kein gebrochener Mensch. Deshalb schätze ich den tatsächlichen Bedarf an Therapieplätzen noch sehr viel höher ein. Ich für meinen Teil habe in diesem Punkt resigniert und beschlossen, ohne Therapie der Depression aus zu kommen. Denn nichts ist für mich schlimmer als Ablehnung und Zurückweisung. Und ich kann mir gut vorstellen, mit dieser Einstellung nicht allein da zu stehen.

Quellen zu „Therapieplätze Depression“
aerzteblatt.de   Foto: Christian Weise / pixelio.de

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Benno Blues

Das stimmt. Wenn eine Schilddrüsenerkrankung unbemerkt bleibt, kann es passieren, dass der Patient symptomatisch psychotherapeutisch behandelt wird. Das schadet zwar zumeist nicht, nützt aber ebenso wenig. Da es aber zu weng THerapieplätze gibt, wird es für die wirkich depressiven Patienten zum Problem. Liebe Grüße Benno und Danke für deinen Kommentar!

Irene

Die Situation wird auch dadurch verschlechtert, dass viele undiagnostizierte Schilddrüsenpatienten aus Verlegenheit in die Psychosomatik und Psychotherapie abgeschoben werden. Das ist aber nicht der richtige Weg, denn die depressive Verstimmung oder Depression ist in solchen Fällen meist ein Symptom der Schilddrüsenerkrankung und keine eigenständige Krankheit.