Ursachen der Depression in der Gesellschaft

Gesellschaft und Depressionen

Kinderseelen sind so verletzlich

Die Ursachen einer Depression liegen nach wissenschaftlicher Meinung zumeist in der Kindheit. Häusliche Gewalt, der frühe Verlust eines Elternteils oder andere traumatische Erfahrungen legen eine „gute“ Basis für eine sich später entwickelnde Depression. Auch eine sogenannte genetische Disposition, also eine ererbte Veranlagung kann eine gewisse Rolle spielen. Niemand denkt scheinbar sofort an einen Zusammenhang zwischen Gesellschaft und Depression.


Treten nach frühkindlichen Traumata im Lebensverlauf weitere Schicksalsschläge hinzu, ist es vermutlich nicht mehr die Frage nach dem »Ob?«, sondern nur noch eine Frage nach dem »Wann?« Unsere Gesellschaft ist leider immer noch viel zu unsensibel im Umgang mit der Natur, den Menschen eingeschlossen. Eigentlich sind wir nur Gast hier auf der Erde und im Verhältnis zum Erdalter, erreichen wir nicht mehr als das Alter einer Eintagsfliege, vermutlich nicht einmal das einer Nanosekundenfliege. Aber wir führen uns auf, als gehöre uns die Welt, als habe sie immer schon nur auf uns gewartet. Respekt vor der Natur, vor der Erde und allem was auf ihr lebt, ist nicht unbedingt Teil unseres Selbstverständnisses. Wenn wir nach den Ursachen von Depressionen fragen, dürfen wir uns als Gesellschaft getrost einmal selbst an die Nase fassen.



Stress als Ursache für Depressionen

Wir Menschen sind es, die Bedingungen schaffen, an denen wir eines Tages zu Grunde gehen werden. Voller Stolz nennen wir unser System „soziale Marktwirtschaft“ und nehmen es täglich hin, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander geht. Wir sind stolz auf unsere Sozialleistungen. Jedoch haben wir es nicht mehr im Blick, dass jeder Mensch mit Fähigkeiten ausgestattet ist, für sich selbst und auch für die Gesellschaft zu sorgen. Wir denken in festgefahrenen Kategorien und lernen von Kindesbeinen an, gewinnorientiert zu arbeiten. Unser gesamtes Schulsystem ist darauf ausgerichtet, Menschen in ein Schema zu pressen. Du bekommst eine Eins und du bekommst eine Fünf, weil du dich entweder in das Schema einfügen kannst oder nicht.

Leeres Wissen

Wir lernen während unseres Lebens jahrelang irgendwelches Spezialistenwissen, das kein normaler Mensch braucht, es sei denn er entscheidet sich später einmal für so eine Fachrichtung. Praktisch lernen wir aber kaum etwas. Wir sitzen da und pumpen leeres Wissen in uns hinein. Das meiste davon werden wir ganz schnell wieder vergessen, weil wir es doch nie wieder einsetzen können. Was wir aber nicht lernen, ist human zu leben. Es geht immer nur um „besser“ und nicht mehr um „gut“. Es geht um „mehr“ und nicht mehr um „genug“. Das ganze Leben ist ein Wettkampf. Mit den Mitschülern kämpfen wir um die besseren Noten, mit den Auszubildenden um die Übernahme in ein Arbeitsverhältnis. Wir führen mit den Kollegen einen Wettbewerb um bessere Aufgaben und bessere Bezahlung und mit dem Nachbarn um das bessere Grundstück oder Auto.

Selbst verursacht

Wir selbst sind es, die diese Welt so gestalten, wie sie ist. Und wir selbst sind es, die dem Druck irgendwann nicht mehr standhalten werden. Die Menschen selbst sind es, die die mannigfachen Ursachen für Depressionen zu verantworten haben. Schon heute gehen viele Krankschreibungen auf das Konto von zu viel Stress, von Überlastung und der Unfähigkeit, entspannen zu können. Doch für solche Kandidaten ist dann kein Platz mehr im Hamsterrad der Gesellschaft. Wer nicht mehr funktioniert, wird aussortiert, verliert seinen Job, ist draußen. Auch ein Arbeitsplatzverlust kann Ursache für Depressionen sein.



Depressionen – Kosten für die Gesellschaft

Die Gesellschaft muss die gewaltigen Kosten, die Depressionen jährlich verursachen, aufbringen, aber sie ist auch für die Ursachen von Depressionen entscheidend mit verantwortlich. Die Volkswirtschaft könnte Milliarden einsparen, wenn es mehr Einsicht unter den Menschen geben würde. Rund 20 Milliarden Euro hätte die deutsche Volkswirtschaft 2012 zusätzlich erwirtschaften können, wenn chronisch kranke Arbeitnehmer bei der Bewältigung und Behandlung ihrer Krankheit mehr Unterstützung erhielten und dadurch therapietreuer wären, wie das Deutsche Ärzteblatt  eine Studie der Bertelsmann Stiftung und der Strategieberatung Booz & Companys zitiert.

Demnach leiden unter der erwerbsfähigen Bevölkerung im Alter von 16 bis 65 Jahren 21,2 Prozent an Bluthochdruck, 17 Prozent an chronischen Rücken­schmerzen, 8,5 Prozent an Asthma, 5,2 Prozent an Depressionen und 3,8 Prozent an Arthritis. Sie verursachen dadurch erhebliche Produktivitätsausfälle. So verursachen Fehlzeiten und Arbeitsunfähigkeit allein bei dem Krankheitsbild Depression mit bis zu 21 Milliarden Euro pro Jahr ganz erhebliche Kosten. Die Studie empfiehlt, Arbeitgeber und Sozialversicherung konsequenter in wirksame therapiebegleitende Maßnahmen einzubinden. Aber beseitigt dies auch die Ursachen von Depressionen?

 

Depression – Ursachen bekämpfen statt Therapie

Ich bin der Meinung, dass zu diesem Zeitpunkt schon längst alles zu spät ist. Wir brauchen keine Arbeitgeber, die ein therapiefreundliches Umfeld schaffen! Ohne solche Bemühungen schmälern zu wollen, greifen sie doch am falschen Ende an. Wir brauchen Arbeitgeber, die sich auch um die Ursachen von Depressionen kümmern. Es fehlt an Chefs, die sich unter anderem daran orientieren, was ihren Mitarbeitern gut tut und was nicht! Wir brauchen Arbeitgeber, die sich ihrer sozialen Verantwortung stellen! Arbeitsplätze sollten gesundheits- und nicht gewinnoptimiert sein. Dann optierte sich der Gewinn vermutlich von ganz allein. Und wir brauchen Menschen, die das Wort »genug« wieder buchstabieren lernen.



Die Ursachen von Depressionen liegen aus meiner Sicht hauptsächlich in ständiger Überforderung begründet. Hören wir damit auf, uns zu Menschen zu optimieren, der wir gar nicht sein können! Lernen wir uns stattdessen selbst kennen und schätzen. Wenn wir es selbst nicht schaffen, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu ändern, dann muss die Depression eben diesen Part übernehmen. Aber zu welchem Preis tut sie das wohl?

Quellen zu Ursachen der Depression
Deutsches Ärzteblatt   Foto: pixabay.com

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Alex
Gast
Alex

Hallo Benno, erneut ein sehr schöner Beitrag von Dir, den ich beim Stöbern hier entdeckt habe und der mir zu 100{e49a96430d494b8fbb20778a9ac6906bf0f3b15cb7fb04aa64effc167ef0f66e} aus der Seele spricht:Was DER Mensch als Gesellschaft sich selbst antut, geht auf keine Kuhhaut – schneller, weiter, höher.Dabei sieht es für mich so aus, als sei das Ende der Fahnenstange allmählich erreicht. Die Tatsache, daß DIE Wirtschaft und DIE Politik das alles nicht sehen und rechtzeitig reagieren – geschweige denn global(!) -, betrübt mich zusätzlich. Weiter. Schneller. Höher. Und noch weiter, noch schneller, noch höher. Das Beste von heute ist das Gute von morgen und damit die neue… Weiterlesen »

Benno Blues
Gast

Hallo Alex,
schön dich hier zu lesen. Die Gesellschaft als ganzes können wir nicht ändern. Aber wenn wir uns ändern, ändert sich auch eine Menge um uns herum. Am Ende liegt es allein bei uns, wie wir leben und vor allem, wie wir es bewerten. Der Ruf nach den Anderen wird immer schnell laut. Das können wir alle gut. So sind wir geprägt und so funktioniert das Spiel noch heute. Aber das wonach die Menschen rufen, müssen sie zuallererst in sich selbst finden, denke ich. Liebe Grüße Benno