Wenn der Partner sich verändert

Gefühllosigkeit und Depression

Manchmal ist es so, dass Angehörige den depressiven Partner gar nicht wiedererkennen. Sie fühlen sich von ihm weggestoßen und bestraft, wollen aber doch eigentlich nur helfen. Am Ende dann erleben sie sich nur noch hilflos und der Depression ebenso ausgeliefert, wie der Betroffene selbst. Sie können ihn nicht mehr erreichen hinter seiner meterdicken Schutzmauer aus Eis. Es gelingt ihnen nicht mehr, zu ihm vorzudringen. Partnerschaftsprobleme erschweren dann oftmals den Heilungsverlauf.


Lenas Bericht

Zu mir: Ich habe meinen an Depression erkrankten Partner zwar erst im Sommer 2014 kennen gelernt, unsere Partnerschaft war aber sehr intensiv. Als wir zusammen kamen, wusste ich, dass er drei Jahre zuvor schon einmal ein Burnout und dies wahrscheinlich nicht richtig auskuriert hatte. Ich wusste auch von dem Stress als Betriebsleiter und von dem nicht verarbeiteten Verlust an seiner verstorbenen Mutter. Wir hatten eine schöne Zeit zu dritt (ich habe noch ein 12-jähriges Kind). Mein Partner machte Planungen für eine gemeinsame Zukunft und mein Kind und er verstanden sich gegenseitig auch super gut.



Aufgrund des Stresses an der Arbeit und damit er nicht wieder ins Burnout kommt, wurde er von seinem Arzt krank geschrieben. Etwas später begann er auch eine Therapie. Nach jeder Sitzung wurde sein Empfinden schlechter. Mitte November stand dann fest, dass er nicht auf dem Weg in ein erneutes Burnout war, sondern mittlerweile eine Depression hat. Er versicherte uns immer wieder, dass dies alles nichts mit uns zu tun hat, wir ihm eher noch helfen würden, weil wir einfach da sind. Er hatte Angst, dass ich mich aufgrund seiner Krankheit zurückziehe. Das war aber nie mein Anliegen. Für mein Kind war er noch dabei, ein Zimmer in seinem Haus einzurichten.

Alles wurde plötzlich anders

Bis er auf einmal von einem auf den anderen Tag (zu dem Zeitpunkt fing er an, Antidepressiva zu nehmen) sagte, ihm würde es schlechter gehen und er brauche Zeit für sich. Das alles hätte nichts mit uns zu tun. Er gab meinem Kind noch das Versprechen, dass nach dieser Zeit alles wieder gut sein würde. Für uns hörte es sich eher so an, als müsse er so zwei Wochen mal alleine sein. Bis dato wollte ich mich noch nicht im Netz mit der Krankheit auseinandersetzen. Ich bin davon ausgegangen, dass er mir alles erzählt. Nach eineinhalb Wochen habe ich mich zurückgewiesen gefühlt, weil wir nicht viel telefonierten.

Die Gespräche waren eher nüchtern, was ich von ihm nicht kannte. Aber ich erfuhr, dass er sich trotzdem mit Freunden traf. Das hatte mich getroffen und es eskalierte. Erst dann erklärte er mir, dass er mittlerweile im Gefühl der Gefühllosigkeit sei, er weder weiß, was er ist, noch was ich für ihn bin. Er könne nicht mehr mit Verbindlichkeiten umgehen. Die würden ihn immer mehr in das tiefe Loch ziehen.

Wenn er sich mit seinen Freunden treffe, gehe er keine Verpflichtung ein. Die seien nicht traurig, wenn er kurz zuvor absagen würde, was auch vorkommen soll. Auch mit seinen Freunden würde er keine Freude empfinden, aber die negativen Empfindungen seien nicht da. Er flehte mich regelrecht an, mich von ihm fern zu halten, weil er uns (seinem engstem Umfeld) weh tun würde, uns  mit runterziehen würde und das bringe ihn immer mehr in das dunkle Loch.



Verfahrene Situation

Einige Jahre vor unserer Partnerschaft hatte er eine Beziehung mit einer depressiven Frau, von der er sich nach 12 Jahren aufgrund der Krankheit getrennt hatte. Seine damalige Partnerin wollte keine Therapie machen. Ich gab ihm zu verstehen, dass ich meinen Hebel nun nicht einfach umlegen kann, weil meine Gefühle für ihn ja noch da seien und erklärte ihm, dass ich keinen Druck ausüben möchte, er aber wissen soll, dass ich für ihn da bin.

Er wollte weiterhin den völligen Kontaktabbruch. Seine Mitteilungen klangen verzweifelt. An einer „Ich weiß, dass du nichts Schlechtes machst, aber ich komme nicht gegen das Gefühl an.“ zog ich mich hoch. Auf nicht fordernde Nachrichten bekam ich keine Antwort. Nun wollte ich ihm einmal um Hilfe für mein Kind bitten, sofern es ihm entsprechend gut gehen würde… Daraufhin reagierte er in Worten aggressiv, bat mich, es einfach gut sein zu lassen und das Beste wäre, ich mache einen Haken an die Sache und solle denken, er sei ein … . Mit diesen Worten kenne ich ihn nicht. Bei mir kam Verzweiflung an.

Mein Freundeskreis rät mir, ihn völlig zu vergessen. Ich fühle im Herzen aber was ganz anderes. Nämlich, dass er schwer krank ist und derzeit mir gegenüber nicht anders reagieren kann. Ich möchte ihm aber nach wie vor zeigen, dass ich für ihn da bin. Und das richtig „dosiert“. Sollte ich mich noch bei ihm melden, wie und in welchen zeitlichen Abstand? Könnt ihr mir Rat geben?

Ich weiß, dass ich seine Freunde vor Ort nicht fragen kann, weil er denen gegenüber nicht alles erzählt…

Lena

Quellen zu Partnerschaftsprobleme Gefühllosigkeit und Depression
Foto: clipdealer.de

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