Notfall Psyche – Wo gibt es Hilfe?

Notfall Depression

Gut zu wissen: Im Notfall gibt es Hilfe!

Was zunächst einfach und plausibel klingt, entpuppt sich im Einzelfall nicht selten als anspruchsvolle Aufgabe. Natürlich brauchen Depressive Hilfe, aber sich genau diesem Gedanken zu öffnen, sind sie oft nicht in der Lage. Zu stark sind eventuelle Scham- und Minderwertigkeitsgefühle. Die Angst, verachtet und ausgestoßen zu werden, hemmt die ohnehin schon antriebsschwachen Menschen noch zusätzlich und so wird oftmals keine Hilfe in Anspruch genommen, wo schon längst Hilfe nötig wäre. Und so stapelt sich die Belastung mitunter auf, bis es zu einem seelischen Notfall, einem psychischen Zusammenbruch kommt.


Ich halte es für wichtig, beizeiten einen Arzt aufzusuchen, schon bei den ersten Anzeichen von Gereiztheit, Müdigkeit, Hoffnungslosigkeit, allgemeiner Erschöpftheit, Resignation oder Ähnlichem. Wenn sich dahinter keine Depression verbirgt, umso besser. Warte nicht auf einen seelischen Notfall! Zur Krebsvorsorge gehst du ja auch nicht erst, wenn du sicher bist, dass du Krebs hast. Es gibt Hilfe bei Depressionen und je eher die Depression diagnostiziert wird, umso aussichtsreicher verläuft die Behandlung. Welche Hilfen es hier in Deutschland gibt, darüber berichtet dieser Beitrag.



 

Gegen Depressionen ist man nicht hilflos

Eines ist sicher: Die Depression braucht Hilfe! Ohne Hilfe wird die Depression nur schlimmer! Also zögere nicht und hol dir diese Hilfe, wenn du glaubst, depressiv zu sein. Wenn du selbst aufgrund der Depressionen dazu nicht mehr in der Lage bist, dann bitte einen Angehörigen, das für dich zu tun. Ohne Hilfe kommst du jetzt nicht weiter und wenn du es nicht mehr für dich selbst tun kannst, dann tu es für deinen Partner, deine Eltern oder deine Kinder. Tue es für die Menschen, denen du etwas bedeutest! Es gibt vielerorts Hilfen für depressiv erkrankte Menschen. Die Crux an der Sache ist, dass man ab einem bestimmten Stadium der Depression nicht mehr in der Lage ist, diese Hilfe auch in Anspruch zu nehmen.

Darum ist es so wichtig, nicht erst auf den Notfall zu warten, sondern sich frühzeitig, schon beim ersten Verdacht, Rat zu holen. Als ersten Ansprechpartner im Vorgehen gegen Depressionen würde ich immer den Hausarzt empfehlen. Der weiß am besten über dich Bescheid. Wenn du dich aber schämst, das Thema der psychischen Krankheiten anzusprechen, kannst du auch direkt einen Facharzt  aufsuchen. Du brauchst keine Überweisung dafür. Der richtige Facharzt für Schritte gegen Depressionen ist der Facharzt für Psychiatrie, der Psychiater. Hab keine Scheu! Du bist nicht verrückt! Erlebe, dass es neben dir noch viele Menschen gibt, die unter Depressionen leiden und so wie du, nach Mitteln gegen diese Krankheit Ausschau halten. Du wirst staunen, wie viele Psychiater es gibt und wie viele Menschen mit Depressionen in deren Wartezimmer sitzen.



 

Notfall Depression Hilfe

Wenn du sehr verzweifelt bist und vielleicht sogar daran denkst, dein Leben zu beenden, dann kannst du zu jeder Tages- und Nachtzeit in die Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses fahren. Du bist dann ein Notfall und wirst auch so behandelt. Lass dich möglichst begleiten, denn vermutlich bist du jetzt nicht mehr zu hundert Prozent verkehrstüchtig. Du wirst dann wahrscheinlich in einer psychiatrischen Abteilung untergebracht, bist so erst einmal in Sicherheit und kannst zur Ruhe kommen. Das ist der normale Ablauf bei Depressionen. Lass dich davon nicht abschrecken, es wird dir gut tun. Wenn du noch nicht lange dort wohnst, wo du jetzt wohnst und nicht weißt, wo sich das nächste Krankenhaus befindet, schau hier in meiner Krankenhausliste nach. Du kannst aber auch den hausärztlichen Notruf wählen und dich vom diensthabenden Arzt in eine Klinik einweisen lassen. Es gibt dafür jetzt eine bundesweit einheitliche Notrufnummer: 116117.

 

Depression und Telefonhilfe – Die Telefonseelsorge

Manchmal ist es hilfreich, mit jemandem zu reden, der Ahnung hat von der Seele eines Menschen in Not. Es gibt Ehrenamtliche, die dir ihr Ohr und ihre Zeit schenken. Menschen, die Erfahrung haben im Umgang mit seelischen Nöten und auch mit Depressionen, stehen dir im Notfall am Sorgentelefon hilfreich zur Seite. Das Sorgentelefon ist auch für Angehörige von psychisch Kranken gedacht, denn auch die Angehörigen kommen irgendwann an ihre Grenzen im Umgang mit der Depression. Näheres dazu findest du unter Telefonseelsorge.de.



 

Hilfe bei Depressionen durch Therapie

Wenn es für dich schon eine bestätigte Diagnose der Depression gibt, solltest du darüber nachdenken, an einer Psychotherapie teilzunehmen. Du kannst deine Depression ambulant, teilstationär und stationär behandeln lassen. Leider ist die ambulante Versorgungssituation in Deutschland katastrophal. Es gibt durchschnittliche Wartezeiten von einem Jahr und länger. Das nützt dir jetzt nichts. Dort kannst du dir höchstens mittelfristig Hilfe für die Depression verschaffen. Wenn du nicht weißt, an wen du dich wenden kannst, findest du hier eine Therapeutenliste Psychotherapie mit Therapeuten in deiner Nähe.

Stationäre Psychotherapie

Du solltest darüber nachdenken, dir einmal eine Auszeit zu nehmen und eine stationäre Therapie ins Auge zu fassen. Nach meiner Erfahrung, kommst du dort am besten voran. Eine solche Therapie dauert bei Depressionen etwa 12-16 Wochen. Dort lernst du sehr viel über dich, über Depressionen, über Menschen, die menschliche Psyche und wie du selbst deinen Leidensdruck mindern kannst. Du wirst Schritt für Schritt den Weg zurück ins Leben gehen….. Das braucht Zeit. Ein geflügeltes Wort auf meiner ersten Therapiestation war: „Die Seele geht zu Fuß.“ und das beschreibt das alles auch sehr gut. Eine Liste mit geeigneten Kliniken zur Behandlung einer Depression findest du hier: Klinikliste.

Teilstationäre Psychotherapie

Es gibt aber auch die Möglichkeit der teilstationären Therapie bei Depressionen. Sie gleicht der stationären Therapie mit dem Unterschied, dass Du nachts in deinem eigenen Bett schlafen kannst. Ich habe beide Therapieformen im Laufe der Zeit in anspruch genommen und würde dir zur stationären Therapie gegen die Depression raten. Es ist eine andere, neue Welt, in die du dich hineinbegibst und darum halte ich es für sinnvoll, nicht täglich zwischen den Welten hin und her zu wechseln. Vielleicht ist es dir aber aus persönlichen Gründen nicht möglich, Tag und Nacht von zu Hause weg zu bleiben. Dann wäre die teilstationäre Behandlung der Depression in einer sogenannten Tagesklinik vielleicht eine Möglichkeit für dich.



 

Hilfe bei Depressionen – Der Sozialpsychiatrische Dienst

In Deutschland ist es so, dass jeder Landkreis einen so genannten Sozialpsychiatrischen Dienst hat. Erkundige dich, wie es in deinem Landkreis geregelt ist. Unter der Leitung eines Facharztes für Psychiatrie arbeiten dort zumeist Psychologen. Zumindest gibt es dort psychologisch geschultes Personal, das dir im Kampf gegen die Depression weiterhelfen kann. Man kennt sich dort aus, wenn es um das Thema Depression geht und weiß, welche Hilfen dir in deinem Landkreis zur Verfügung stehen. Die Beratung beim Sozialpsychiatrischen Dienst ist kostenlos und steht auch Angehörigen depressiver Menschen zur Verfügung.

 

Selbsthilfegruppen bei Depression

Der Vollständigkeit halber will ich noch die Selbsthilfegruppen erwähnen, die es bestimmt auch in deiner Nähe gibt. Selbsthilfegruppen leisten wertvolle Arbeit. Du findest dort Menschen, die wie du von der Depression betroffen sind. Das sind Menschen, die dich und deine Depressionen verstehen werden und dir mit ihren eigenen Erfahrungen helfen können, gegen die Depression vor zu gehen oder, wo das nicht geht, mit der Depression leben zu  können. Wenn du Kontakt aufnehmen willst, kannst du dich hier informieren: Selbsthilfenetzwerk

Quellen zu „Notfall Depression – Wo gibt es Unterstützung?“

https://www.therapeutensuche.eu/   Foto: Rosel Eckstein / pixelio.de

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