Meinem Mann wurde gekündigt – Die Depression des Partners

Kündigung wegen Depression
Eine Kündigung verändert alles.

Angehörige von an Depression erkrankten Menschen werden regelmäßig immer wieder auch an ihre eigenen Grenzen gebracht. Die einen zerbrechen, die anderen wachsen daran. Dennoch bleibt es ein Kraftakt, so manches Mal auch ein verzweifelter. Ich denke, Angehörige, denen es gelingt, diese Bürde zu tragen und in einem liebenden Gefühl zu bleiben, sind eine der wichtigsten Heilquellen für den Betroffenen. So eine Angehörige soll heute einmal zu Wort kommen. Sie erzählt von der Depression ihres Mannes und welchen Weg sie für sich gefunden hat…


Hallo!

Seit längerem lese ich regelmäßig in diesem Blog und dieser Beitrag und die Kommentare waren mir bisher die größte Hilfe, die ich bis jetzt gefunden habe!! Immer wieder lese ich sie mir durch. Heute ist der Tag, an dem ich auch etwas von mir erzählen möchte.

Ich bin auch eine “Angehörige”. Mein Mann – der Mann, den ich über alles liebe, leidet an Depressionen. Wir sind seit knapp 2 Jahren zusammen, seit Herbst wohnen wir gemeinsam. Von Anfang an war mir klar, dass er “Probleme” hatte. Leider wusste er die Diagnose selbst noch nicht. Er hat mir auch bis zu unserem Zusammenleben nicht erzählt, dass er seit Jahren Antidepressiva nimmt (ohne Ärztliche Begleitung und ohne je eine Therapie gemacht zu haben- durch seinen Job im Gesundheitswesen konnte er sich diese rezeptfrei besorgen). Anfang diesen Jahres dann die Kündigung, das dadurch gezwungene Absetzen der Antidepressiva und der langsame, aber stetige Fall seinerseits in ein tiefes, schwarzes Loch.



Ich nehme an, dass ich keinem hier erzählen muss, dass wir seither immer wieder durch die Hölle gegangen sind. Ich habe schon verstanden, dass ich auf mich schauen muss…dass es mir gut geht. Das ist mein “oberstes Gebot”. Sei selbst stabil, sorge für dich, nur dann kannst du eine Hilfe für deinen Partner sein.

Und so bescheuert das auch klingt, man kann auch als Angehöriger aus der Depression des Partners etwas lernen. Ich habe zu mir selbst gefunden. Ich habe gelernt, mich zu lieben. So wie ich bin. Ich habe gelernt, dass ich mir am nächsten stehe und stest als allersertes auf mich zu achten. Ich habe gelernt, was ich mag und was nicht. Und ich habe gelernt, Grenzen zu setzten. Und das auch bei meinem Mann. Denn kein Angehöriger muss alles ertragen und annehmen, nur weil der Partner krank ist. Lange Zeit habe ich so gedacht und mich total zurückgestellt.

Aber auch wir Angehörige sind Menschen mit Bedürfnissen und das ist gut und ok so. Ich erzähle inzwischen meinem Mann, wie es mir geht. Auch wenn es mir schlecht geht. Ich erzähle ihm, wenn es mich belastet und manchmal verhalte ich mich wahrscheinlich auch nicht “fair” und “richtig”. Aber es geht mir so viel besser, seit ich auch offen sagen kann, wie es mir geht und wie das für mich ist. Und manchmal stoße ich bei ihm damit auch auf wahres Verständnis und Dankbarkeit. Das sind dann die wunderschönen Momente, die mich weitermachen lassen.

Mein Leben besteht seit Monaten aus Verständnis, aus dem Versuch, zu begreifen, was hier passiert, wieder verstehen, annehmen, hinfallen, wieder aufstehen. Es besteht aus Hoffnung und Enttäuschungen in einer scheinbar endlosen Schleife. Es besteht aus Schmerz, dann wieder aber auch aus Freude, Liebe, Leiden. Ein Leben ohne Beständigkeit, ohne Gewissheit, wie der nächste Tag sein wird. Es ist ein Leben im Wartemodus. Ein Leben mit Verzicht. Ein Leben in Partnerschaft und dann wieder ein Leben zu zweit alleine. Man weiß nie was kommt.

Inzwischen war mein Mann übrigens beim Arzt, hat vor 3 Wochen mit einer Therapie und Antidepressiva begonnen und ich bin wieder einmal voller Hoffnung….!

Quellen zu “Kündigung als Folge der Erkrankung – Die KrankheitDepression des Partners”
Foto: pixabay.com

Möchtest auch du deine Erfahrungen mit der Depression hier veröffentlichen, dann schicke deine Geschichte einfach per Mail an onlinemedien@freenet.de, Stichwort: DB1.

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