Depression Gedichte – Worte für das Unaussprechbare

Depression Gedichte – Aus der Tiefe der Seele…

Gedichte sind wie Bilder oder Musik. Sie vermögen Gefühle in einzigartiger Form zum Ausdruck zu bringen. Wenn die Depression Gedichte hervor bringt, sind sie geeignet, Gefühle zu konservieren aber auch weiterzugeben. Mit Gedichten können wir berühren, aber auch berührt werden. Auf dieser Seite soll unter der Rubrik „Depression Gedichte“ Raum sein für die Tiefen der verletzten Seele. Wenn auch bei dir die Depression Gedichte hervor bringt und du ein eigenes beisteuern magst, bist du herzlich eingeladen, dies am Ende der Seite zu tun.  Näheres dazu am Ende dieser Seite…

Der heutige Tag

Fang den Tag von heute
nicht mit den Scherben
von gestern an!

Der Tag von gestern,
alle Tage und alle Jahre von früher
sind vorbei,
begraben in der Zeit.
An ihnen kannst du nichts mehr ändern!
Hat es Scherben gegeben?
Schlepp sie nicht mit dir herum!
Denn sie verletzen dich
Tag für Tag,
und zum Schluss kannst du nicht mehr leben.

Es gibt Scherben,
die wirst du los,
wenn du sie Gott in die Hände legst.

Es gibt Scherben,
die kannst du heilen,
wenn du ehrlich vergibst.
Und es gibt Scherben,
die du mit aller Liebe nicht heilen kannst.
Du musst sie liegen lassen!

Phil Bosmans



Auf der Suche

Ich suchte, den Menschen zu gefallen.
und zu ihnen zu gehören.
Ich suchte ihre Bestätigung,
aber eigentlich suchte ich die Liebe meines Vaters.

Ich suchte, Höchstleistungen zu erbringen.
und der Beste sein.
Ich suchte nach Anerkennung,
aber eigentlich suchte ich die Liebe meines Vaters.

Ich suchte fast ein Leben lang.
Was ich fand, war die Depression.
Seither suche ich mich selbst.

Benno Blues

 

Im Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

Hermann Hesse



Freudlos

Die geschundene Seele weint die Tränen
der verloren gegangenen Kindes.

Benno Blues

Autobiographie in 5 Kapiteln

1. Kapitel

Ich gehe die Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich falle hinein.
Verloren bin ich hier…  ohne Hoffnung.
Es ist nicht meine Schuld.
Es dauert endlos, wieder herauszukommen.

2. Kapitel

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich tue so, als sähe ich es nicht
und falle wieder hinein.
Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.
Aber es ist nicht meine Schuld.
Immer noch dauert es so lange, herauszukommen.

3. Kapitel

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich sehe es.
Ich falle immer noch hinein…aus Gewohnheit.
Meine Augen sind offen.
Ich weiß, wo ich bin
Es ist MEINE EIGENE SCHULD.
Ich komme sofort heraus.

4. Kapitel

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich gehe darum herum.

5. Kapitel

Ich gehe eine andere Straße.

Sogyal Rinpoche aus dem tibetischen Buch von Leben und Sterben



Unlogisch

Das Herz ist am schwersten,
wenn es leer ist.

Benno Blues

 

Ein Berg

Du überwindest ihn mühelos.
Ich grabe mich durch.
Warum können wir ihn nicht gemeinsam umgehen?

Benno Blues

 

Im Kreis gegangen

Ich habe das Träumen verlernt
und ich habe verlernt, mich am Spiel der Wolken zu erfreuen.
Ich habe verlernt, den Moment des Daseins zu genießen und bis zur Ewigkeit zu dehnen.

Ich gehe gebeugt unter der Last des Tages,
so kann ich weder Horizont noch Sonne sehen.
Ich bin im Kreis gegangen und habe es nicht bemerkt.

Wie lange schon?
Ich weiß es nicht …

Benno Blues

 

Hilflos

Wenn ich eine Blume wäre,
würde ich einfach nur blühen.
Und die Welt hätte Freude an mir.

Benno Blues



Verlaufen

Entkommen mag ich mir in wagen Stunden,
entfliehen möchte ich
all dem, das gierig nach mir greift.
Will hier nicht sein mit mir und all den Wunden,
will hier nicht sein mit mir in dieser Zeit.

Hinfort, hinfort,
das Glück will ich erkunden!
Was hält mich noch, was gibt mir Halt?
Was ist es, das mich lässt gesunden?
Ich such und such
und bin mir selbst entschwunden.
Mein Ruf in leerem Raum verhallt.

Die Seele ließ mich ziehn.
Mit schalem Blick sah sie mir nach.
Was trieb mich fort ins Tal gelebten Lebens?
Was trieb mich fort ins Silberland der Phantasie?
Ich sucht in dir, was ich hab aufgegeben,
des Herzens eigne Melodie.
War es nicht meiner Seele Beben,
wonach mich ließ die Sehnsucht streben?

Was ich auch immer such,
kann nur ich selbst mir geben.
Nun komm ich heim.
Das
will das Leben.

Benno Blues



Depression

Unendliche Traurigkeit
Alles gleich
Grau
Alles gleich
Schwer
Jeder Tag
Müde
Jeder Tag
Kraftlos
Jeder Muskel
Eingefroren
Jede Regung
weg…

Anita

 

Leblos

Du bist tot. Ich bin tot.
Wir sind tot, in verschiedenen Welten.

Marleen

Gefangen

Die kleine Welt aus schwarz und weiß.
Ohne Straße, Baum und Haus.
Mit dicken Wänden, kalt aus Eis.
Es führt kein Weg hinaus.
Vom schweren Nebel stets belegt,
ich gar nicht erst zu träumen wag.
Schwärze in mein Herz sich legt.
Schwärze die nicht enden mag.
Die leere Hülle, Kreise dreht.
Kein Schmerz man ihr annimmt.
Die Hülle die mein‘ Namen trägt,
ist tot und Farbenblind.
Und in der kleinen Welt aus schwarz und weiß,
ohne Straße, Haus und Baum,
mit dicken Wänden, kalt aus Eis,
bleiben Tod und Leben Traum.

Marleen

Die letzte Träne

Und Träne tropft wie kalter Regen.
Lässt keine Stelle weiß.
Will mich in den Schlafe legen
und tötet mich ganz leis‘.
Der Schmerz mich gar‘ zum Lächeln bringt,
entlockt mir keinen Schrei.
Denn wie die letzte Träne singt,
ist auch mein Kampf vorbei.

Marleen



Symphonie

Doch deine Freude nicht gerinnt,
wenn Träne, Melodien singt.
Ein Liebeslied was dich erfreut.
Sterbe dran, nochmal, erneut.
Stichst zu, willst sie hören.
Tränen die dein Geist betören.
Und egal wie oft du stichst,
egal wie sehr das Herze bricht.
Dir egal die Todesqual,
die Melodie ist schön,
spielst sie nochmal.
Marleen

Stumme Boten

Meine Tränen fließen wie ein Wasserfall.
Manchmal kannst du sie sehen,
manchmal nicht.

Marleen



Die letzte Frage

Schmerz geschüttelt,
Misstrauens geplagt,
andere Gefühle.
Bestürzt und verzagt.
Rache für Naivität,
wer glaubt schon an
ewiges Glück.
Einmal getan,
weicht man davor zurück.
Am Anfang Überraschung,
Unglauben danach,
zuletzt kam der Schmerz,
mit ihm die Schmach.
Liebe ist gewesen,
Vertrauen wird nicht sein.
Selbsthass als Lösung?
Adern – rasend vor Pein.
Rasierklingen,
bereit zu
vollstrecken,
das Urteil,
meine Arme mit Blut zu beflecken.
Dir verfallen,
von Dir betrogen,
nach Dir, gebrochen.
So ist der Lauf der Zeit.
Gefühllos bis zum Ende aller Tage…
…meiner Tage,
wie lange noch,
bis ich selig ruhen darf.
Das ist meine letzte Frage…

Sebastian



GEFÜHLSREGEN

Ich schau aus dem Fenster,
die Sonne berührt das Glas.
Es regnet in mir.

Ich dreh mich um
und meine Blicke berühren dich.
Es regnet in mir.

Erinnerungen an Zeilen der Liebe,
jedes Wort in Gedanken berührt mich.
Es regnet in mir.

Ich denk an mein nicht gelebtes Leben,
meine Sehnsucht berührt mich.
Es regnet in mir.

Schutzlos stehe ich da,
der Gefühlsregen berührt meine Seele.
Es regnet und ich bade in mir.

Finley Jayden Dao

 

Dunkel

Manchmal ist die Sonne schwarz.

Benno Blues

 

Stille

Aus der Tiefe höre ich mein eigenes Rufen nicht,
Nur dumpf spüre ich die Schwingung des Schalls.

Benno Blues

 

Was es ist

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Erich Fried



Station 41

Ich sitze den ganzen Tag hier und sehe aus dem Fenster.
Es ist wie mit der Eisenbahn zu fahren.
Die ganze Welt fährt an mir vorbei.
Ich sitze still
und sehe alles, aber es bedeutet mir nichts.
Ich fühle mich leer und doch unendlich schwer.
Es macht mir nichts aus, eingesperrt zu sein.
Ich verspüre keinen Drang, irgendwo hin zu gehen.
Ich möchte, dass mir geholfen wird.
Darum bin ich hier.
Also warte ich weiter…

Benno Blues

 

Hoffnung

Wenn Hoffnung nicht realistisch ist,
ist es eine Illusion.

Wenn das Erhoffte möglich, aber sehr unwahrscheinlich ist,
ist es eine Utopie.

Wenn Hoffnung realistisch erscheint,
wenn Hoffnung und Glaube sich verbinden,
dann können sie zum Kraftquell für das Leben werden.

Verfasser unbekannt

 

Depression

Beklemmung
Melancholie
wehrloser Kampf
Apathie
kraftlose Sehnsucht nach Leben
Zukunft ertränkt in Vergangenheit
Gegenwart übersehend
Fliehen vor dem Rückweg
Neue Wege suchend
Angst vor Endgültigkeit
Die Entscheidung scheuend
Einsamkeit als neue Form der Freiheit
Die Mitte suchen
Tief eindringen
Erkenntnis erlangen,
aber nicht wahr haben wollen
Entscheidung auf morgen vertagen
Flucht

Benno Blues



Gedanken

Wenn die Gedanken,
wieder mal auf Reisen gehen,
in eine längst vergangene Zeit…
Dann schließ die Augen und wäg ab,
ob sich die Reise lohnt.

Wenn auch in dir die Sehnsucht brennt,
im grauen Alltag Einerlei.
Vergangenes das ist vorbei.
Es hat dich nur verletzt.

Du lebst im Heute und im Jetzt.
Schau mit offenen Augen in die Welt.
Siehst du die Vielfalt ihrer Farben?
Erkennst du nun den wahren Freund?

Er hinterlässt dir keine Narben.
Mit ihm da teilst du Freud und Leid.
Mach deine Augen auf und sei bereit,
bereit für eine Zukunftsreise.

Verfasser unbekannt

 

trennung

trennung tut weh
urschmerz
fall ins bodenlose
du glaubst, du hast alles verloren
hast dich selbst verloren
dich definiert über den anderen
du hast dein glück an ihn gehängt
das glück ist nun fort
zurück bleibt leere
nichts außer leere
innen und außen – alles ist leer
und da ist sie wieder – die frage nach dem sinn
du hast es wieder einmal nicht hin bekommen
du hast dich erneut als unfähig erwiesen
unfähig, zu lieben
unfähig zu leben

Benno Blues

 

Depression und Liebe

Ich habe sie geliebt
und sie liebte mich.
Wir wollten auf ewig zusammen sein,
aber dann fühlte ich mich unverstanden und ungerecht behandelt.
Ich war zornig wie ein Kind.

Ausgenutzt fühlte mich und ungeliebt.
Ich wurde wütend auf sie,
wenn sie mich wie ein Kind behandelte.
Schließlich trennten wir uns.

Ich glaubte, nun wäre alles gut,
Doch es vergeht kein Tag, ohne dass ich an sie denke.
Sie fehlt mir sehr.
Ich kann nicht mit ihr, aber noch viel schlechter ohne sie leben.

Kein Hass, keine Wut, keine Enttäuschung,
einzig die Angst vor erneutem Misslingen hält mich von ihr fern.

Benno Blues



Last

Nicht alle Schmerzen sind heilbar, denn manche schleichen sich tiefer und tiefer ins Herz hinein,
und während Tage und Jahre verstreichen, werden sie Stein.
Du sprichst und lachst, wie wenn nichts wäre,
sie scheinen zerronnen wie Schaum.
doch du spürst ihre lastende Schwere
bis in den Traum.

Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle,
die Welt wird ein Blütenmeer.
Aber in meinem Herzen ist eine Stelle,
da blüht nichts mehr.

Ricarda Huch

 

Befreiung

Ich fühlte mich wie eine Marionette, fremdbestimmt,
so wollte ich mich nicht bewegen.
Ich fühlte mich wie eine Klarinette, gespielt von
einem Fremden, es waren nicht meine Töne.

Jeder wollte nur die nette und kokette, die charmante
und die liebe, doch so bin ich nicht.
Ich habe mich gewehrt, nicht gerade auf
die gesündeste Art,
betrat eine Bühne und spielte meinen Part.

Doch die Rolle, die ich spielte, brachte mich zu Fall.
Dann lernte ich, ich selbst zu sein,
ohne Bühne und zunächst allein.
So kannten mich die anderen nicht,
ich sagte: Nein!! und wehrte mich.

War erstaunt über meine Gefühle,
so viele und alle sind gut.
Selbst meine angestaute Wut.
Manchmal bin ich eine Marionette,
aber die Fäden laufen durch meine Hand.

Anke Beckhaus



In einer lauen Sommernacht

In einer lauen Sommernacht
der Mond
in voller Pracht am Himmel stand.
Ich saß hier unten
und weinte bitterlich,
große feuchte Augen,
schluchzend tief betrübt.

In einer lauen Sommernacht
der Mond
in voller Pracht am Himmel stand.
Umarmten zwei sich innig
mit Liebe ohne Ende,
schmeckten sich ganz süß,
kuschelten glücklich.

In einer lauen Sommernacht
der Mond
in voller Pracht am Himmel stand.
Erschlugen zwei den Dritten
mit hartem gelben Neid,
befriedigt schlichen sie davon
mit Beute voller Hass.

In einer lauen Sommernacht
der Mond
in voller Pracht am Himmel stand.
Ich saß hier unten
und weinte bitterlich,
große feuchte Augen,
schluchzend tief betrübt,
weil ich nur sah
den Hass und Neid
und für die Liebe blind.

In einer lauen Sommernacht
der Mond
in voller Pracht am Himmel stand.

Robert Minkewitz

 

Bilanz einer Ehe

Es war falsch zu sagen,
ich lasse dich nie wieder gehen,
denn die Liebe gibt frei.

Es war falsch zu sagen,
du wärst mein Leben,
denn ich sollte ein eigenes haben.

Es war falsch zu sagen,
ich liebe nur dich,
denn am meisten liebe ich doch mich selbst.

Es war falsch zu denken,
du könntest mir immer vertrauen,
denn meine Ängste sind ein Teil von mir.

Es war falsch zu denken,
ich könne nicht ohne dich leben,
aber mit dir wäre es perfekt gewesen.

Es war falsch zu denken,
du könntest dich auf mich verlassen,
denn nicht einmal ich kann das immer.

Es war falsch zu glauben,
meine Liebe könne deinen Schmerz heilen,
denn das kannst du nur selbst.

Es war falsch zu glauben,
ich bräuchte dich nur lieben und alles wäre gut,
denn nicht jede Liebe heilt jeden Schmerz.

Es war falsch zu glauben,
ich würde dir nur gut tun,
denn auch ich verletzte dich.

Es war falsch,
immer wieder an dir zu zweifeln,
wo ich hätte an mir zweifeln sollen.

Es war falsch,
immer wieder Erwartungen an dich zu haben,
denn Erwartungen verengen den Blick.

Es war falsch,
dich vergessen zu wollen,
denn das werde ich so wohl niemals können.

Benno Blues



Schlaflos

Wenn die Zeit anhält
und die Stille in den Ohren dröhnt,
wenn die Schlafstatt zum Asphalt wird,
und dein Selbstvertrauen dich verhöhnt,
wenn der Raum um dich luftleer erscheint,
wenn sich alles entfernt von dir,
sich verliert in der Endlichkeit,
nur noch Schatten sind da und hier,
wenn Gedanken wie eine Mauer stehn,
und Gefühle an deinen Füßen ziehn,
wird es Zeit, nach Hause zu gehn,
und nach deinem Kinde zu sehn.
Hör wie es schreit und nimm’s in den Arm,
sieh wie es friert und hülle es warm.
Du warst fort und dein Kind war allein,
hast verlassen es,
nun komm wieder heim.
Komm heim in dein Herz und such nicht mehr dort,
wo nicht finden du kannst einen seligen Ort.

Benno Blues

 

Aus Feind wird Freund

Als ich begann, das Wort Angst zu buchstabieren,
bin ich vielen ihrer Verwandten begegnet.
Sie kamen groß und aufgeplustert daher,
aber auch unscheinbar und tückisch.

Ich traf die Verlustangst ebenso
wie die Versagensangst,
lernte die Angst vor Ablehnung kennen
und die Angst vor Einsamkeit.

Ich schüttelte der Angst, jemandem weh zu tun die Hand
und begegnete zufällig, aber nicht ganz unerwartet, der Angst, mich zu blamieren.
Selbst mit der Angst vor Verarmung saß ich zu Tisch
und womöglich nährte ich sie ein wenig zu sehr.

Ich begegnete der Angst, durchschaut zu werden
wie auch der Angst, nicht gut genug zu sein.
Selbst der Königin aller Ängste,
der Angst vor der Angst machte ich meine Aufwartung.

Nun, da wir uns ein wenig angefreundet haben,
muss ich sagen,
dass wir alle doch ganz passabel zueinander passen
und wenn ich einer von ihnen nicht zu viel Aufmerksamkeit schenke,
sie mir hin und wieder sogar recht nützlich sind.

Eine Angst jedoch entzieht sich mir wie ein Schatten in der Nacht.
Es ist die Angst vor dem in mir vergrabenen Schmerz,
die Angst vor dem, was ich selbst nicht mehr über mich weiß.
Und obgleich es mich in den Bann zieht,
zu erfahren, wer ich bin,
flüchte ich doch immer wieder vor eben dieser bizarren Begegnung.

Benno Blues



Glücksverhinderer

Ich weiß schon, was ich will.
Eigentlich.
Ich bin mir nur nicht sicher.

Ich weiß nicht,
ob ich das schaffe,
ich das auch morgen noch will,
und mich das glücklich macht.

Ich weiß nicht,
ob ich etwas verliere dabei,
der Zeitpunkt der richtige ist,
und es sich lohnt.

Ich weiß nicht,
ob ich gut genug dafür bin,
es nicht jemand anders besser kann
oder ich mich blamieren werde.

Ich weiß nicht,
ob es auch dir gefällt,
was Mama und Papa dazu sagen werden
oder die Leute in der Stadt.

Ich weiß nicht,
ob mir das zusteht,
ich es wert bin
und man das tun darf.

Ich weiß schon, was ich will.
Eigentlich…

Benno Blues

 

Die Schuldfrage

Zuerst gab ich meiner Frau die Schuld,
dann der Depression.
Ich gab meinem Vater die Schuld
und der Kirche,
dem Sozialismus,
der Stasi
und den Menschen, die mich verrieten.
Ich gab der Welt die Schuld
und den Umständen.

Es brauchte lange
bis ich erkannte,
dass nicht sie mich zum Opfer machten,
sondern ich selbst dies tat.

Wer die Schuld hat,
hat die Macht,
hat Macht über mich.

Verantwortung kommt ohne Schuld aus.

Benno Blues



Trennungsangst

Seit ich dem Tod einst gegenüber stand,
ihm meine blasse Hand entgegen streckte,
seit ich in seine dunklen ruhigen Augen sah,
verlor die Furcht ich vor dem grauen Ende.

Wie fühlt ich hingezogen mich,
mocht fallen sanft in ew’ge Kissen,
der Mühsal ein End‘ bereiten,
nichts wollen mehr und nichts mehr müssen.

Ich verlor die Furcht vor dem Tod,
entsagte dem uralten Erbe.
Und doch blieb sie da in neuem Gewand,
für Verlust und Trennung sie fortan stand.

Ich verlor die Furcht nicht
vor Ablehnung und Schmerz.
Es wurd nicht erwachsen,
das kindliche Herz.

Wozu diese Furcht?
Was kann schon geschehen?
Will ich wirklich halten,
was lieber mag gehen?

Will lösen die kindlichen Fesseln
des Nehmens und Gebens,
mich fallen lassen
in die ewige Weisheit des Lebens.

Es gibt keine Trennung von dem,
was sich einmal gefunden.
Auf besondere Art bleibt doch alles
mit allem verbunden.

Benno Blues

 

Die Depression

Der Abendsonne herbstlich schwindend Licht
durchbricht der Bäume lückenhafte Kronen.
Verheißungsvoll noch Wärme sie verspricht,
doch täuscht sie nur und wärmet nicht,
als müsse sie die letzte Kraft mit aller Kraft nun schonen.

Als wär ihr Leben längst verbraucht, als nahte schon der Tod,
doch keiner darf es wissen,
prangt leuchtend sie in schönstem Dämmerrot,
dass niemand sehe ihre Not,
tut ihren Dienst wie jeden Tag und tut dies sehr beflissen.

Allein der Liebende, der Eingeweihte
vermag sie still erahnen,
hinter freundlich holdem Blick – die dunkle, andre Seite.
Zuviel der Last sich aneinander reihte,
in festen alten Bahnen.

Ja nur dies Eine noch und jenes Kleine.
Bald ist`s geschafft, bald ist nun Ruh.
Der Herbsturlaub, der bringt’s ins Reine.
Ich schaff dies sicher ganz alleine.
Nur dieses Eine ich noch tu.

Der Herbst jedoch kommt wann er will,
er weiß gereift für sich die Zeit.
Er kommt in eisgegrautem Tüll
und lässt es werden leer und still,
summt fern sein Lied von Tod und Leid.

Er lullt dich ein und trägt dich fort,
sagt nicht wohin, sagt nicht wie lang,
die Mauern hoch, der Wind von Nord.
Er zwingt zur Ruh dich an dem Ort.
Kein Mensch dir dorthin folgen kann.

Der Abendsonne herbstlich schwindend Licht
versinkt ganz leis in tiefem Wolkenspiel.
Man ahnt’s nur noch, ihr Rot auf ferne Sicht.
Der gute Will‘ alleine nütztet nicht
wenn es zuviel ist, ist’s zuviel.

Benno Blues



Im Nichts

Alleine sitze ich da.
Fühle nichts, nur Leere.
Alleine bin ich nicht,
Freunde wären immer da.
Doch Hilfe will ich nicht,
sie macht mich so verwundbar.
Ich weiß ich werde geliebt von Menschen.
Ich weiß ich werde gebraucht.
Doch spüre ich nichts,
nicht Sehnsucht… Nichts. Will weinen, in den Himmel schreien,
doch kann nicht.
Will lieben und in irgendwelchen Armen liegen, doch es klappt einfach nicht.
Es fehlt etwas.
Der Weg zu mir ist voll von Steinen,
er ist dunkel und grau.
Ich stolper ihn entlang auf meinen Beinen,
falle und spüre… Nichts. Erinnerungen und Träume.
Verpassen immer mehr.
Es beginnt ein jeder Tag,
die Zeit zeigt keine Einsicht,
egal was passieren mag.
Der Weg muss gegangen werden,
egal wie schwer er ist.
Und immer noch,
wie eine Maschine, ganz ohne Gefühle, stehe ich im Nichts…

Miriam Schmitt

 

Gegenwartssehnsucht

Du sitzt da und glaubst Du bist am Ende jeden Weges,
Leere, Schwere, Aussichtslosigkeit sind Deine einzigen Freunde,
Begleiter die Dir keinen Ausweg aufzeigen können.

Die wohltuende Wärme der Sonne – Sie erreicht Dich nicht.
Die schönen, herrlich duftenden Blumen – Sie erfreuen Dich nicht.
Den wunderschönen Gesang der Vögel – Du kannst Ihn nicht hören.
Das kalte glasklare Wasser der Quelle – Es kann Deinen Durst nicht stillen.

Du sitzt da, an einem wunderschönen Sommertag- und kannst Ihn nicht spüren.

Wo ist er – der kleine Junge, der an einem grauen, regnerischen Tag
in Pfützen springt und vor Vergnügen quietscht- nur so – wo ist er geblieben?

Joe Dyken



Kreis

Es heißt, am Anfang war das Nichts,
ob nun Moslem, Jude, Christ oder Atheist.
Singularität oder Gott, Huhn oder Ei,
wer mag das schon entscheiden.

Wir sind Getriebene in dieser Welt,
allein bestimmt durch die Zeit.
Tick tock and further on
we never really win.

Time is the only illusion,
We never asked upon.
The earth is just a ball
But still though infinite.

Selbst die Sonne ist nur Kind,
geboren aus dem Feuertod der Sterne
wie der Phönix ohne Asche, again and again
forever.

Es gibt weder Anfang noch Ende,
weder Leben noch Tod,
alles stirbt,
alles kehrt wieder.
So wie wir Sterngeborenen.

Sebastian

 

Vielleicht bringt ja auch bei dir die Depression Gedichte hervor? Möglicherweise magst  du etwas Eigenes zur Rubrik „Depression Gedichte“ beisteuern, dann sende mir deine Verse gern zu und maile sie einfach an: depriblog@freenet.de

Mehr Gedichte und Nachdenkliches zur Depression findest du hier: Aufbauendes zur Depression

Quellen zu Gedichte Depression 
Foto: Mikadostäbchen / pixelio.de

Beitrag
Depression Gedichte - Worte für das Unaussprechbare
Überschrift
Depression Gedichte - Worte für das Unaussprechbare
Description
"Er schrieb sich die Seele aus dem Leib." - Unter der Rubrik "Depression Gedichte" findest du selbstgeschriebene traurige und auch nachdenkliche Verse.
Benno Blues
Benno Blues
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Anonym
Gast
Anonym

Hallo,
ich muss wirklich sagen das ich gleichermaßen beeindruckt sowie überrascht bin.
Das Lesen erfüllt mich auf abstrakte Weise mit dem erahnten Gefühl nicht allein zu sein. So oft gibt es in meinem Leben Situationen wo ich mich nicht ausdrücken, meine Leere und meine Kraftlosigkeit nicht verständlich machen kann. So unverstanden. So einsam in einem Meer aus Menschen. Die gestrandete Nebenwirkung der Unachtsamkeit zweier Menschen.
Es beeindruckt mich wie gut du deinen schwarzen Wegbegleiter in Worte packen kannst. Danke das du mich daran hast teilnehmen lassen.
Ich wünsch dir für die Zukunft alles Gute.

Benno Blues
Gast

Herzlichen Dank für deine gleichermaßen lobenden wie auch poetischen Worte! Nein, du bist nicht allein, auch wenn du dich oft so fühlst. Vielen Menschen ergeht es so wie dir. Und viele finden dort auch wieder heraus. Das wünsche ich auch dir!

Liebe Grüße

Anonym
Gast
Anonym

,auch ich bin ein Mensch der über Jahre mit Depressionen lebt,anfangs habe ich sie gut verdrängen kónnen,aber mit der Zeit war die's leider unmöglich,weil man sich selber einreden tut,man sei nicht krank!!!Doch Depressionen sind krankhaft,und kónnen einen die Zukunft zerstóren!!!ich habe viel dadurch versäumt,und ich wäre Gott Dankbar für eine zweite Chance,noch einmal da anzufangen,wo ich aufgehört habe zu Leben!!!Mittlerweile bin ich bei einer Psychologin über Ihr fande ich heraus das es psychisch zurück zuführen war was meine Kindheit betrifft,u mein derzeitiger Beruf in der Pflege,ich habe viele Menschen sterben sehen,begleitet,und nie wirklich beachtet was mit mir passiert ist in… Weiterlesen »

Anonym
Gast
Anonym

Ein Lichtlein brennt im Dunkeln
und gibt ein wenig Halt,
doch ist das Lichtlein aus im Dunkeln
dann ist auch weg der Halt.
Finsternis aussen und innen
Kälte macht sich breit,
so wie Wind weht durch die Bäume,
fast wie ein Orkan.
Der Blick sucht neue Lichter
doch auch der Vollmond ist getarnt.
Schwer der Körper und die Gedanken
rennen, heulen wie ein Wolf man möchte
keine Luft, der Atem der geht schwer.
Nichts hören, sehen, fühlen, entscheiden mehr
nur noch fliegen hoch hinaus.
Ein wenig Wärme, Stärke, Selbstvertrauen man wieder spüren möchte
doch das Lichtlein das ist aus.

Anonym
Gast
Anonym

Schwermut

Schreiten Streben
Leben sehnt
Schauern Stehen
Blicke suchen
Sterben wächst
Das Kommen
Schreit!
Tief
Stummen
wir.

August Stramm

Wenn man als Depressiver eine Geschichte darum strickt, kann es einem aus der Seele sprechen. Ich finde das Gedicht ist so intensiv und aussagekräftig, dass ich es gleich abgespeichert habe.

Anonym
Gast
Anonym

Hallo Benno,
bin ganz zufällig auf diese Seite gestossen und was finde ich…."MEIN Gedicht"…wie für mich gemacht, wie allein für mich geschrieben, es stimmt alles, jede Zeile, jedes Wort. Habe immer versucht die richtigen Worte zu finden um das was mich am meisten bewegt zu beschreiben aber nie so richtig gefunden bis jetzt…..DANKE dafür!!
Jetzt muss ich aber auch endlich das Gedicht nennen…es ist dein Gedicht "Auf der Suche" und das wird mich jetzt begleiten…
Danke und lieben Gruß

Patrick Schindler
Gast

Das finstere Tal Ich wandere durch das finstere Tal,sehe keine Blumen, keine Farben und kein Licht.Jeden Tag mit Schmerzen und Qual,meine Seele an dieser Dunkelheit zerbricht. Ich spüre nichts mehr; kein Gefühl,Tränen ganz trocken, ohne Freude ich bin.Innerlich zerrissen, erstarrt und kühl,so macht mein Leben keinen Sinn. So wandere ich Tag ein und Tag aus,keine Sonne die wärmt und scheint.Komme aus der Dunkelheit nicht mehr heraus,meine Seele tief innen stark weint. Bin ganz alleine und einsam hier,ohne Hoffnung das Licht je zu finden.Ich bitte Gott: „nimm mich doch zu dir“,wann werd ich endlich das Dunkel überwinden. So wandere ich weiter… Weiterlesen »

Anonym
Gast
Anonym

hab noch niemals eine bessere ausdrucksweise gefundenmit der ich selbst zu fast 1oo{e49a96430d494b8fbb20778a9ac6906bf0f3b15cb7fb04aa64effc167ef0f66e} konform gehevielen dankund man merkt, dass wir nicht allein sind mit negativen gedankenuns aber manchmal etwas vorzumachen versuchender eben zu verdrängenaber irgendwann kommt der punktan dem einfach nichts mehr geht…und man einfach 'fällt'wie ich es verabscheue immer nur stark sein zu müssenoder ein freundliches gesicht aufzusetzen auch wenn man genau weißwie sehr mman gehasst wirdmir sagte mal jemand, ich sei die hassperson number 1anstatt zu weinen versuchte ich noch freundlicher und liebenswürdiger zu sein.zwischendurch 'wutanfälle', die keine wirklichen warenund nun liege ich am boden, fühle mich zertrampelt… Weiterlesen »

Anonym
Gast
Anonym

Hallo,

Die Gedichte finde ich sehr gut. Besonders das obere.
Seltsamerweise hinterlassen sie mir für einen kurzen augenblick trost..ich fühle mich verstanden, und das unaussprechliche, dass ich nicht in worte fassen kann, und niemand versteht klingt plötzlich so real, als könnte ich diesen Nebel anfassen und einfach zur seite schieben
Danke für diese tröstenden, traurigen worte..

Anonym
Gast
Anonym

Wie schön das ich diese Seite gefunden habe.Ich arbeite seit vielen Jahren, mal mit mal ohne Hilfe, gegen meine Depression und vor allem gegen die Angst. Medikamente brauche ich z. Zt. nicht, doch ich merke, dass ich seit einiger Zeit wieder den Boden und meinen festen Stand zu verlieren drohe. Alles was hier geschrieben steht hilft mir gerade sehr! Ich habe mich auch wieder an mein Gedicht erinnert und es gesendet. Mir ist wieder sehr bewusst geworden wie schlecht es mir damals ging, aber auch das ich es geschafft habe da raus zu kommen! Was ich einmal geschafft habe schaffe… Weiterlesen »

hallo
Gast

meine Augen sind der Spiegel zur Seele ..aber die Seele ist ne Lüge des Lebens also leb sie
und beweg deine Füsse doch sowas vergisst du nicht meine lebensmüden Wesenzüge wissen es gibt kein Ich