Das Leben kann so grausam sein - Emmas Kampf mit der bipolaren Störung ihres Partners - Der Blog zur Depression

Die Depression im Blog - Eine Seite gegen die Scham für eine Erkrankung, die nichts mit Schwäche zu tun hat - Ein Votum für die Akzeptanz einer Krankheit, die längst schon ein Teil der Gesellschaft geworden ist - Informationen und Tipps für Depressive und Angehörige

Das Leben kann so grausam sein - Emmas Kampf mit der bipolaren Störung ihres Partners

Manisch depressivHimmelhochjauzend, zu Tode betrübt - in diesem Spannungsfeld leben Manisch-Depressive, Menschen, die von einer bipolaren Störung betroffen sind. Depressive Phasen durchleben zu müssen, geht schon richtig an die Grenzen, was es aber bedeutet, derart heftige Abstürze zu verkraften, wie es Manisch-Depressive tun müssen, vermag wohl nur nachzuvollziehen, wer so etwas selbst schon einmal hautnah erlebt hat. Nicht nur die Betroffenen, auch die nächsten Angehörigen, insbesondere die Lebenspartner werden unbarmherzig mitgenommen auf eine ungewollte Achterbahnfahrt der Gefühle und sehen sich dem Ganzen, so wie die Betroffenen auch, zumeist hilflos ausgeliefert. Emma ist gerade in so einer, für sie kaum aushaltbaren Lebenssituation und versteht die Welt nicht mehr. Was gestern noch galt, soll heute plötzlich so gar nichts mehr wert sein? Emma erzählt...


Hallo Zusammen,

Zuerst einmal möchte ich Euch sagen, dass ich noch niemals so unendlich viele passende Worte zu diesem Thema und auch zu meiner momentanen Situation gefunden habe und all diese Worte tun mir grade in all der Verzweiflung so unglaublich gut weil ich weiß, dass es Menschen gibt, die Ähnliches durchmachen, die meine Situation nachvollziehen können und mir das Gefühl geben nicht alleine zu sein. Benno ich danke Dir für diesen Blog und ich danke allen für das Teilen Ihrer Geschichten und für jedes ehrliche Wort.

Meine Geschichte begann vor gut 3 Jahren mit der Liebe meines Lebens. Ich lernte meine Liebe, diesen wunderbaren Mann kennen und niemals zuvor fühle ich mich sooo sehr verstanden, noch niemals fühlte ich mich sooo geliebt und gut aufgehoben, sooo sicher und angekommen. Ich hatte meinen Menschen, mein Gegenstück, meinen Mann gefunden und das Beste an der Sache war, es ging Ihm mit mir genauso. Wir liebten einander sooo sehr und wir waren perfekt für den anderen. Ich wusste auch von Beginn an, dass Ihm sein Kopf immer mal wieder Schwierigkeiten bereitete, mein Schatz ist Hochsensitiv und hatte damit immer wieder zu kämpfen. Im Zuge dieser Hochsensitivität traten bei Ihm auch immer leichte manisch-depressive Phasen auf. Dinge die für Ihn "gut" waren, waren immer ein absolutes HERVORRAGEND und Dinge, die Mal nicht so liefen, zwangen Ihn immer relativ schnell in die Knie. Aber wir redeten immer viel, ich beschäftigte mich sehr viel mit dem Thema Hochsensitivität, um auch Ihn besser verstehen zu können. Ich wusste um diese Seiten und ich liebte auch diese Seiten an Ihm. Es fiel mir leicht Ihn so sein zu lassen wie er eben war und das spürte er auch. Wir lebten mit dieser Besonderheit und integrierten Sie in unser Leben, er nahm seine Hochsensitivität mit der Zeit immer mehr an und verfluchte sie nicht mehr. Ich dachte zu diesem Zeitpunkt, dass mit Liebe einfach sooo unglaublich viel möglich wäre.

Vor ca. 1 Jahr verstärkten sich dann aber die manisch-depressiven Phasen und vor allem die depressiven Phasen wurden immer länger und immer stärker. Er fühle sich nicht liebenswert und sprach auch mir meine Gefühle für Ihn daraufhin ab, er meinte so etwas wie Ihn könne niemand lieben. Ich gab Ihm Raum, ich wusste das er unter Druck nicht funktionieren konnte und versicherte Ihm aber gleichzeitig immer, dass ich Ihn lieben und nicht einen einzigen Millimeter von seiner Seite weichen würde. Ich spürte, dass es immer schwieriger wurde meinen Schatz zu erreichen, dass er seine Mauern immer höher und höher zog. Im Frühjahr dieses Jahres wollten wir dann zusammen ziehen und ich spürte, dass Ihm dieser Entschluss immer mehr zusetzte. Ich wusste das grade Hochsensible viel Ruhe für sich selber benötigen, viel Rückzug brauchen und versuchte Ihm daher den Druck zu nehmen, ich sagte Ihm, dass es für mich absolut in Ordnung wäre, wenn wir diesen Entschluss wieder rückgängig machen würden. Ich sagte Ihm, dass ich Ihn liebe und das auch 2 getrennte Wohnungen daran nicht das geringste verändern würde, dass ich so unglaublich glücklich mit Ihm bin und kein "Standard-Leben" brauche sondern ein Leben was Ihn und mich glücklich macht entgegen aller eventuellen gesellschaftlichen Zwänge. Diese Worte waren von mir absolut ehrlich und rein und mit keinerlei Enttäuschung verbunden. Wir hatten abgemacht uns niemals etwas vorzumachen und ehrlich mit einander umzugehen. Dazu muss ich sagen, dass mein Schatz vor allem durch die Hochsensitivität sehr empathisch ist und unklare Gefühle meinerseits auch immer durchschaut hat.

Allerdings schien diese Situation irgendetwas in meinem Schatz zu Triggern, er wurde immer stiller und nachdenklicher, bis er mir dann mitteilte, dass sein Kopf Ihm Mal wieder das ganze Leben zerstören würde, nichts könnte er so auf die Reihe bekommen wie ein "gesunder" Mensch, ich versuchte gegenzusteuern, Ihm aufzuzeigen was für ein toller Mensch er ist und das eine gemeinsame Wohnung noch lange nicht ein gemeinsames Leben bedeutet. Aber er beharrte darauf nicht genug zu sein, nicht richtig zu sein, nicht liebenswert zu sein und keines meiner Worte konnte darauf einen Einfluss nehmen. Ich setzte auf Zeit, immerhin vergingen diese depressiven Phasen ja auch wieder, ich versuchte Ihm seine Freiräume zu geben, keinen Druck aufzubauen und Ihm gleichzeitig aber auch meine Nähe zu versichern. Vor ca. 8 Wochen kam er dann auf mich zu und meinte er würde überhaupt nichts mehr empfinden, weder für seinen Sport, noch für seinen Beruf, noch für seine Musik oder Bücher, Ihm wäre alles egal, er hätte das Gefühl mit seinem Kopf würde etwas nicht stimmen.

Ich war naiv und dachte, das wird schon wieder, wie es doch immer wieder geworden ist, ich dachte zusammen schaffen wir das und dann ein paar Tage später sagte er mir, dass er auch für mich nichts mehr empfinden würde. Und diese Worte zerrissen mich, ließen mir keine Luft, ich konnte nicht verstehen wie das sein konnte, ich war doch seine Liebe, sein Mensch und das seit über 2 1/2 Jahren.
Er meinte, dass er nicht gut für mich wäre, zu krank und ich solle verschwinden und mir einen besseren Mann suchen und außerdem hätte ich drauf doch sowieso nur gewartet. Er wolle mich freigeben, was anderes könne er jetzt nicht mehr für mich tun. Außerdem wären auch meine Gefühle Ihm gegenüber falsch, denn so eine Person wie er, wäre nicht liebenswert, er könnte nicht geliebt werden, ich sollte mir mal überlegen was mit meinen Gefühlen nicht stimmen würde.

Ich versuchte Ihm zu versichern das er liebenswert ist, dass er mein Mensch ist, meine Liebe, mein Gegenstück, mein Geliebter, mein bester Freund aber nichts davon kam an. Er wurde böse und schrie mich an, ich solle endlich verschwinden und Ihn sein Schicksal endlich annehmen lassen, er müsse alleine leben, er könne keinerlei Verantwortung mehr tragen für nichts und niemanden mehr, er wolle nur noch irgendwie funktionieren und die Tage hinter sich bringen, er bräuchte Ruhe soviel Ruhe und die hätte er mit mir an seiner Seite nicht und ich sollte endlich aufhören von dieser beschissenen Liebe zu sprechen, diese Liebe würde nicht existieren und vielleicht hätte sie niemals existiert und wenn es für mich leichter wäre, dann wären eben alle seine Worte mir gegenüber gelogen gewesen.

Ich sagte Ihm, dass er kein Lügner wäre und das er diese Liebe momentan nur nicht wahrnehmen könne aber er blieb hart und kalt und wurde böse, er beschimpfte mich und als ich Ihn fragte, warum er mir grade so weh tun würde, meinte er nur, entweder ich solle mich jetzt daran gewöhnen oder verschwinden. Ich weinte, ich war verzweifelt aber das machte die Sache nur noch schlimmer, er schrie mich an, dass ich das Heulen endlich einstellen solle und daran würde ich doch auch sehen, was für ein schlechter Mensch er wäre immerhin hätte er mich zum Weinen gebracht und das wolle er nicht, er wolle keine Menschen verletzen und ich solle endlich gehen und Ihn mit seinem Schicksal alleine lassen und er bräuchte so dringend Ruhe.
Ich war wie erstarrt, ich konnte das alles gar nicht greifen, ich nahm meine Sachen, küsste Ihn noch einmal ganz zärtlich und verließ die Wohnung.

Ich dachte daraufhin, dass er runterkommen müsse, ich wusste ja, dass er unter Druck nicht funktionieren konnte und so fuhr ich erst einmal nach Hause. Am nächsten Tag versuchte ich vorsichtig Kontakt aufzunehmen, ich versicherte Ihm meine Liebe und ich versicherte Ihm das er stark ist und das er diese Phase meistern würde. Das ich nicht von seiner Seite weiche, Ihn liebe und immer für Ihn da sein werde.
Daraufhin schrieb er, ob ich es nicht gerafft hätte er bräuchte Luft und Liebe würde nicht existieren auf dieser Welt und was ich mit meiner Liebe denn vor hätte, Ihn eventuell zu Tode lieben? Ich würde Ihn abstoßen und er hätte Angst vor mir weil ich Ihn sooo sehr unter Druck setzen würde.

Ich verstand erst nicht was denn diese Angst und diesen Druck ausgelöst hat immerhin versicherte ich Ihm doch nur meine Liebe und das ich nicht von seiner Seite weichen würde und das er stark ist und nicht aufgeben soll.
ABER genau diese Dinge ließen Ihn panisch werden, ich denke er fühlt durch meine Liebe eine Art Verantwortung mir gegenüber, die er nicht tragen kann momentan und dadurch, dass ich nicht von seiner Seite weiche, erzeuge ich wahrscheinlich Druck, ach ich weiß es nicht aber was hätte ich anders machen sollen. Mein Schatz hat immer zu mir gesagt, dass wenn ich Dinge aus Liebe tue und nach meinem Gefühl entscheide, könnte ich Ihm gegenüber niemals etwas falsch machen weil ich sooo fest in seinem Herzen wäre und jaaa bis vor kurzem wirkten diese Dinge auch immer, ich wirkte auf Ihn und jetzt, jetzt ist da nichts mehr außer dieser verfluchten Depression.
Ich bin daraufhin seinem Wunsch nachgekommen und habe Ihm geschrieben, dass ich Ihn liebe, dass ich an seiner Seite bleibe und das er mein Mensch ist und ich Ihm jetzt erst einmal Luft gebe.
Als Reaktion darauf kam dann nur, ich solle Ihm keine Luft geben, ich solle verschwinden, Ihm wäre nicht mehr zu helfen und er wolle keinem Menschen mehr weh tun, er wolle gar nichts mehr und ich solle das endlich kapieren und mich nicht über seine Bedürfnisse hinweg setzen immerhin wüsste er am Besten was er jetzt brauchen würde und das wäre gewiß keine Liebe, denn wer würde schon Liebe brauchen.

Seit dem sind 4 Tage vergangen, in denen ich mich wie auch so viele andere hier frage, was richtig und was falsch ist. Nehme ich Kontakt auf, erzeuge ich Druck und dennoch drängt nun einmal alles in mir zu Ihm, so wie es schon immer gewesen ist. Dieser Mann ist mein Mensch und diese Tatsache löst sich nun einmal nicht in Luft auf, meine Liebe verschwindet nicht, ich kann mich nicht einfach so entlieben. Wie zeige ich Ihm, dass ich noch da bin, wie findet er nach dieser Phase wieder seinen Weg zu mir? Ich weiß das er von alleine nicht auf mich zukommen kann, dass konnte er schon in weit weniger schlimmen Phasen nicht, weil er sich danach klein und schwach fühlt und voller Scham ist. Wie finde ich hier ein "nicht zu viel" und ein "nicht zu wenig". Wie finde ich den Menschen hinter dieser Depression wieder?
Ich weiß, dass ich sehr viel geschrieben habe aber meine Seele ist momentan so voll an Verzweiflung und was mein Herz betrifft, so fühle es sich so an als ob es mir bei lebendigen Leib aus dem Körper gerissen wurde. Ich weiß diese Dinge entscheidet momentan mehr die Depression als er aber dennoch tun diese weh und es fällt mir noch schwer diese Dinge nicht so sehr an mich heran zu lassen. Ich danke Euch einfach für's Lesen, für's Ausweinen lassen und dafür, dass Ihr versteht.

Ganz lieben Gruß,
Emma



Anwort von Benno Blues am 09.07.2018, 12:23 Uhr

Liebe Emma,

Wenn schreckliche Dinge geschehen, dann stehen wir oft fassungslos da und können einfach nicht begreifen, was da gerade passiert. Das Gefühl, einer Situation hilflos ausgeliefert zu sein, halte ich für eines der schlimmsten Gefühle überhaupt. Wenn wir davon bedroht sind, einen geliebten Menschen zu verlieren, wenn plötzlich nicht mehr sicher scheint, was immer so sicher war, dann kommen wir an unsere Grenzen, dann spüren wir mit aller Grausamkeit, dass wir begrenzt sind. Wir spüren, wo wir selbst aufhören und wo der andere anfängt. Manchmal können wir einfach nicht mehr tun...

Ich finde, du hast alles richtig gemacht, Emma! Du hast dich von einer guten Intuition leiten lassen, hast viel Verständnis für deinen Partner aufgebracht und tust es noch immer. Du hast dich informiert über seine Schwierigkeiten und bist bereit, auch dazu Ja zu sagen, nimmst in deiner Liebe den ganzen Menschen an, so wie er ist. Was für ein Glücksfall für diesen Mann, sollte man denken. Und dennoch ist die Situation alles andere als gut. Er fühlt sich unter Druck gesetzt, ist vermutlich gerade völlig überfordert vom Leben. Das quasi nicht mehr vorhandene Selbstwertgefühl spricht Bände und vermutlich ist es tatsächlich so, dass dein großes Verständnis, deine Rücksicht, deine Liebe ihm momentan kein gutes Gefühl bereiten können, sondern ihm lediglich vor Augen führen, wie ein liebender Mensch sich verhalten sollte und dass er dazu eben nicht in der Lage ist, was seinen Selbstwert noch tiefer nach unten drücken dürfte. Das alles ist wirklich schlimm, aber es ist nicht deine Schuld! Es handelt sich hier um eine Störung des Hirnstoffwechsels, eine Stoffwechselstörung also, für die niemand kann, du nicht und dein Freund auch nicht.

Vielleicht lässt du ihm einmal ein paar Tage Zeit schreibst du ihm dann noch einmal und versicherst ihm, dass du doch gern auf seine Bedürfnisse eingehen möchtest, aber manchmal eben nicht genau weißt, was das sein kann. Vielleicht fragst du ihn, ob er dir sagen kann, was er jetzt bräuchte, was ihm helfen könnte, sich besser zu fühlen?

Gut wäre es wohl, wenn er sich in ärztlicher Behandlung befände, aber die Hemmschwelle ist bei psychischen Krankheiten leider immer noch hoch, insbesondere für Männer. Es gibt wirksame Medikamente, sogenannte Stimmungstabilisierer. Vielleicht wäre das etwas für ihn? Nur ist jetzt wohl nicht der rechte Zeitpunkt, ihm das vorzuschlagen. Wenn es ihm irgendwann besser geht und ihr wieder entspannt miteinander reden könnt, solltest du das Thema vielleicht noch einmal aufgreifen.

Möglicherweise wirst du gerade keinen klaren Gedanken fassen können. Vermutlich dreht sich in deinem Kopf gerade alles nur um dieses eine Thema. Aber vielleicht ist es dir doch möglich, die Freiräume, die sich dir momentan zwangsläufig bieten, mit Dingen zu füllen, die dir gut tun könnten? Vielleicht gönnst du dir einmal einen Wellnesstag, gönnst dir ein gutes Buch, eine Beautybehandlung oder irgendetwas anderes, mit dem du dich verwöhnen und deine Wertschätzung für dich selbst zum Ausdruck bringen könntest? Wann hast du es dir das letzte Mal (vielleicht mit einer Freundin) so richtig gut gehen lassen? Ich denke, du musst jetzt besonders gut für dich sorgen, Emma, damit du nicht auch noch depressiv wirst. Mache dir klar, dass es eine Krankheit ist, die man besser mit Vor- als mit Nachsorge behandeln kann. Ich hoffe, du findest recht bald einen Weg für dich und für euch!

Alles Gute und Liebe Grüße!

Benno

Quellen zu "Emmas Kampf mit der bipolaren Störung ihres Partners"
Foto: pixabay.com








Kommentare:

  1. Liebe Emma, habe das selbe erleben dürfen. Man schafft es eine Zeit lang, möchte helfen und verstehen...habe mir die schlussendliche Trennung nicht leicht gemacht aber es musste sein.Sonst wäre ich mit zu Grunde gegangen. Und da es manchmal sehr bösartige Züge annahm, fiel es etwas leichter.Am Ende wird man auch depressiv, definitiv .Tue das Richtige für dich. Viel viel Glück

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  2. Ich danke Dir sehr für Deine Zeit und Deine unglaublich lieben Worte Benno, die habe ich vor allen Dingen gestern so sehr gebraucht, leider entwickelt sich die Depression oder was immer meinem Schatz da sooo sehr zu schaffen macht, zu einer wirklich kaum mehr zu ertragenden Situation und nimmt momentan mehr als bösartige Züge an.

    Ich habe meinem Schatz erst einmal Luft und Zeit gelassen auch weil ich selber ein bisschen Abstand benötigte. Vor 2 Tagen schrieb ich Ihm, dass ich an Ihn denken würde. Nicht mehr und nicht weniger da ich Ihn nicht erneut unter Druck setzen wollte. Daraufhin erhielt ich keinerlei Reaktion bis zum gestrigen Tag. Gestern früh klingelte mein Handy in der Firma und ich sah, dass er versuchte mich zu erreichen. Ich blockte den Anruf, da ich auf meiner Arbeitsstelle nicht privat telefonieren darf und diese Gegebenheit ist meinem Schatz auch bekannt. Ich sah, dass er mir daraufhin eine WhatsApp schickte und ging kurz auf die Toilette, um in Ruhe lesen zu können. Er schrieb mir, dass ich ein verdammtes Miststück wäre und verdammt noch Mal an's Telefon gehen solle, wir hätten ein für alle Male etwas zu klären und wie ich nur so eiskalt sein könnte.

    Ich verstand die Welt nicht mehr, denn ich verstand nicht im Geringsten was ich Ihm angetan haben sollte. Ich schrieb Ihm, dass ich nicht wüsste worum es gehe und ich Ihm anbieten würde pünktlich in den Feierabend zu starten und Ihn dann in Ruhe zurückzurufen.

    Daraufhin meinte er nur, es wäre Ihm egal wie ich es bewerkstelligen würde aber er müsste jetzt mit mir sprechen und er würde warten. Ich schrieb Ihm, dass das nicht geht, dass ich meine Arbeitsstelle nicht riskieren würde und er sich bitte bis zum Nachmittag gedulden solle.

    Daraufhin schrieb er eine Nachricht nach der anderen, beschimpfte mich, sagte ich hätte mein Chance jetzt verspielt, ich hätte Ihn angelogen immerhin hätte ich Ihm versichert IMMER für Ihn da zu sein und er würde ja grade sehen wie ich für Ihn da wäre.

    Ich schrieb Ihm noch einmal, dass ich Ihn am Nachmittag zurückrufen würde und schaltete mein Handy auf lautlos und ging meiner Arbeit nach. Er hat dann wirklich noch 12 Mal versucht mich telefonisch zu erreichen, auf die unzähligen Nachrichten mit Beschimpfungen gehe ich jetzt Mal nicht mehr im Detail ein.

    Ich habe Ihn dann nach Feierabend zurückgerufen. Er beschimpfte mich auf's Äußerste, er sagte ich wäre eine verlogene Dreckshure und diese Bezeichnung war noch die Harmloseste. Er meinte ich hätte Ihn die ganzen Jahre nur verarscht, ich wäre sooo ein bösartiger Mensch und es wäre ja kein Wunder das es Ihm momentan so schlecht gehen würde. Ich verstand die Welt nicht mehr und bat Ihn darum mir zumindest die Möglichkeit zu geben mich zu erklären aber er warf mir Scheinheiligkeit vor und mal wieder Böshaftigkeit. Nach und nach gab er mir aber zu verstehen, dass er gesehen hätte, dass ich mit fremden Männern flirten würde und ich eine so widerwärtige Person wäre. Ich muss dazu sagen, dass ich ein sehr sportlicher Mensch bin und Läufe von mir in einer Community teile, das habe ich aber auch schon vor seiner Zeit gemacht und das war somit auch kein Geheimnis und jaaa dort habe ich mich durchaus auch mit männlichen Sportlern ausgetauscht und jaaa wir haben einen freundlichen Ton untereinander, motivieren uns und wünschen einander natürlich auch einen Guten Tag aber was er mir hier unterstellt ist absolut absurd! Ich liebe Ihn und nichts liegt mir ferner als Ihn zu verletzen.

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  3. Er unterstellte mir aber, dass ich, sobald er Mal nicht so funktionieren würde wie von mir gewünscht, sofort nach neuen Männern suchen würde und wahrscheinlich hätte ich in den letzten Jahren noch unzählige Männer neben Ihm befriedigt! Ich wäre sooo ein Miststück, so eine Schlampe und wie gesagt, diese Bezeichnungen sind wirklich noch absolut harmlos und ich kann bis jetzt eigentlich gar nicht fassen, dass er mich wirklich mit solchen asozialen Bezeichnungen betitelt hat.

    Er hat mich über eine Stunde auf's übelste beschimpft und im Nachhinein frage ich mich wie ich dieses Telefonat überhaupt so ruhig aushalten konnte. Ich habe Ihm trotz aller Beschimpfungen immer wieder beteuert, dass ich Ihn liebe, und dass er sich da grade Dinge zusammen spinnt. Dass das sein Kopf ist, der Ihn diese Dinge glauben lassen will. Er meinte ich wäre krank, so etwas wie Ihn könnte man nicht lieben und ich wäre krankhaft Bestätigung suchend was er jetzt endlich erkannt hätte. Ich wäre krank und nicht er und ich solle aufhören in so einem Ton mit Ihm zu sprechen, ob ich denken würde etwas Besseres als er zu sein. Ich weiß nicht wie mein Ton war, vielleicht hatte er eine leichte arrogante Note aber ich habe die ganze Zeit versucht nicht in Tränen auszubrechen weil ich ja wusste, dass mein Weinen die Sache noch schlimmer gestalten würde.
    Ich sagte Ihm er solle, wenn er mich so hassen würde aus der Situation gehen sprich auflegen und meine Nummer löschen beziehungsweise mich blocken. Daraufhin meinte er, dass das wohl meine Aufgabe wäre immerhin hätte ich Hure Ihm sein ganzes Leben verdorben. Ich sagte Ihm noch einmal, dass das sein Kopf wäre und er diese Worte in ein paar Tagen bereuen würde und dann gewiss vor Scham am liebsten im Erdboden versinken würde. Ich sagte Ihm, dass ich wisse, dass er krank wäre und ich Ihn, meinen Schatz immer noch sehen würde. Daraufhin hat er mich ausgelacht, mir gesagt, dass ich verrecken solle und aufgelegt.

    Seitdem habe ich nichts mehr von Ihm gehört und ehrlich gesagt bin ich froh darüber. Das ist nicht mein Schatz, ich kenne Ihn nicht so voller Depression und Aggression. Er hat mir stellenweise sogar Angst gemacht und darüber könnte ich noch mehr weinen, denn wenn ich vor einem Menschen auf dieser Welt bislang keine Angst zu haben brauchte, dann war das vor meinem Schatz, vor meinem Menschen. Er war bislang doch immer mein sicherer Hafen, er hat mich gesehen und mich geliebt. Ich bin kein böser Mensch und ich frage mich womit ich das alles verdient habe. Aber auf der anderen Seite weiß ich natürlich, dass weder mein Schatz noch ich das verdient habe, es ist einfach die Depression und vielleicht auch eine Psychose, ich habe keine Ahnung, ich bin kein Therapeut.

    Ich bin momentan immer noch wie unter Schock, ich konnte noch nicht einmal richtig weinen, ich weiß nicht wie ich jetzt reagieren soll, wie ich mich Ihm nähern soll immerhin sieht er in mir jetzt sein ganzes Unglück! Ich verstehe gar nichts mehr und momentan brauche auch ich erst einmal Abstand. Übrigens hat er mich über WhatsApp immer noch nicht blockiert was ich auf der anderen Seite auch nicht verstehen kann. Er ist so unklar in all seinen Aussagen und Handlungen und das überfordert mich und macht mir sogar Angst.
    Emma

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    1. Natürlich überfordert dich die Situation, Emma. Das würde jedem anderen Menschen wohl auch so gehen. Und natürlich hast du das nicht verdient. Niemand hat es verdient, so behandelt zu werden.
      Weißt du, manchmal tun Menschen genau das Gegenteil von dem, was sie tun sollten. Ich glaube, dass hinter all dem Gebaren, das dein Freund gerade an den Tag legt, in Wirklichkeit die Angst steckt, er könne d i c h verlieren. Und anstatt an dir festzuhalten und sich um dich zu bemühen, stellt er die Beziehung nun auf die Probe, was das Zeug hält. Er kann es sich in Ermangelung eines akzeptablen Selbstwertes gerade nicht vorstellen, dass überhaupt irgend ein Mensch ihn lieben könne. Er ist voller Hass und Aggression. Wogegen sich diese Aggression eigentlich richtet, müsste man noch herausfinden. Ausdruck findet sie gerade gegen dich und gegen ihn selbst. Hier traut er sich. Ich glaube aber, dass sie hier gar nicht hingehört.
      Man könnte es als eine Art Test ansehen. "Wenn ich mich derart schlecht benehme und sie bleibt trotzdem bei mir, ja, dann scheint sie mich wirklich zu lieben." Natürlich sind derlei Verhaltensweisen hochgradig problematisch und in einer guten Partnerschaft auch nicht zu akzeptieren, aber über eine gute Partnerschaft reden wir ja gerade auch nicht, zu einer guten Partnerschaft ist dein Freund derzeit definitiv nicht in der Lage, vermutlich nicht einmal zu bedeutend weniger...
      Vielleicht sorgt sein Unterbewusstsein auch gerade dafür, die Trennung, die er innerlich wahrnimmt, besser verkraften zu können. Im Zorn kann man sich einfach leichter trennen. Das spürst du in Teilen jetzt vermutlich auch.
      Was also kannst du tun? Ich finde, du hast Anspruch auf eine Entschuldigung. Ich finde, du hast für's Erste genug getan. Du schreibst von Abstand - ja, der wird euch beiden gut tun, denke ich. Auch halte ich Telefon und Computer nicht für geeignete Medien, einen Beziehungskonflikt zu klären. Bei dieser Art Kommunikation fehlen entscheidende Signale wie Augenkontakt und Körpersprache. Vielleicht lässt du dich das nächste Mal besser nicht wieder auf einen derartigen Dialog ein? Vielleicht könnt ihr vereinbaren, Beziehungsgespräche in Zukunft nur noch in völliger Präsenz zu führen. Das wäre auch eine Form der Wertschätzung.
      Erstmal aber ist nichts zu tun, denke ich. Die Vakanz auszuhalten wird Aufgabe genug sein. Gib ihm Zeit, zur Besinnung zu kommen und lauf ihm jetzt nicht nach, sonst musst du es womöglich dein ganzes Leben lang tun.
      Auf Beschimpfungen würde ich an deiner Stelle nicht mehr mit Worten reagieren. Als Zeichen deiner Haltung kannst du ihm so eine Nachricht einfach unkommentiert zurück schicken. Er wird das dann schon verstehen, denke ich.
      Es ist ein Dilemma. Du mühst dich und sorgst und liebst, aber du hilfst ihm so nicht. Ungewollt verstärkst du den Druck sogar noch. Ich denke, ihr seid an einem Punkt angekommen, wo ihr allein nicht mehr weiter kommt. Du hast ungewollt vermutlich längst die Rolle der Co-Depressiven eingenommen (in Analogie zur Co-Trinkerin). Einem Trinker bringt man nicht mit Streicheleinheiten zur Vernunft. Der braucht Konsequenz und er braucht professionelle Hilfe. Dein Freund braucht auch professionelle Hilfe! Und du als seine Partnerin hast für dich das Recht, zu verlangen, dass er sich die organisiert, wenn er weiterhin mit dir zusammen leben will. Du hast das Recht, weil es zu 100% auch dein Leben betrifft. Irgendwann muss das Thema zwischen euch werden, sonst behandelst du dich selbst schlecht und wie das enden kann, siehst du ja gerade...
      Besinne dich also auf dich, auf deine Werte, auf deine Wünsche und Vorstellungen, auf die Visionen deines Lebens und schau, ob du hier noch auf Linie bist und wenn nicht, dann wäre jetzt womöglich ein guter Zeitpunkt, die Richtung zu korrigieren... Liebe Grüße Benno

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