Psychotherapie Empfehlung - Welche Klink ist gut? - Mitarbeit erbeten - Der Blog zur Depression

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Psychotherapie Empfehlung - Welche Klink ist gut? - Mitarbeit erbeten

Psychosomatische KlinikEine Psychotherapie, möglicherweise in Kombination mit einer Pharmakotherapie, gilt nach dem heutigen Stand der Wissenschaft als das probate Mittel bei Depressionen. Oftmals ist es jedoch ein weiter Weg und bedarf eines gewissen Leidensdruckes, bis sich Depressive hierfür entscheiden können. Aber nicht, dass sich damit die Probleme bereits in Wohlgefallen auflösten. Schon die Auswahl und Antragstellung einer Psychotherapie kann eine scheinbar unüberwindbare Hürde für die Betroffenen darstellen. Welche  Arten von Psychotherapie gibt es? Wer bezahlt was? Welche Form der Therapie ist gut für mich? Wo finde ich eine gute Klinik oder einen guten Therapeuten?



Warum Psychotherapie


Depressionen gehen oftmals mit einer veränderten Wahrnehmung einher. Die Sicht auf die Menschen, die Welt und das Leben verengt sich. Man spricht hier auch gern von Entfremdung oder von Realitätsverlust und Tunnelblick. Auch die Selbstwahrnehmung ist zumeist eingeschränkt und differiert mitunter erheblich von der Wahrnehmung der eigenen Person durch andere Menschen. Das führt neben dem durch Überforderung entstandenen Rückzug dazu, sich nicht gesehen und angenommen fühlen zu können, also zu einer weiteren Isolation der Betroffenen. Die Verengung des Blickes depressiver Menschen führt ferner zu einer beschränkten Wahrnehmung der eigenen Möglichkeiten. Depressiven fehlt es an Optionen zur Konfliktbewältigung. Sie wissen sich nicht zu helfen, sehen keinen Ausweg mehr aus ihrem Dilemma, bestehend aus schweren Gefühlen wie Trauer, Angst und Hoffnungslosigkeit. Sie sind einfach nur noch enttäuscht vom Leben und müde, weiter zu kämpfen. Jeder Tag kann zum Kampf werden, zum Kampf zwischen Anspruch und Möglichkeit, zwischen Leben und Sterben, wobei mit schwindender Kraft auch die Möglichkeiten mehr und mehr zu schwinden scheinen. Eine Psychotherapie kann hier helfen, wieder Zugang zu den ureigenen Ressourcen zu erlangen.


Psychotherapie versus Suizid


Jedes Jahr verlieren etwa zehntausend Menschen allein in Deutschland diesen Kampf. Sie geben auf, bar jedweden Willens, bar jedweder Kraft. Ich bin fest davon überzeugt, dass Suizide vermeidbar sind. Oftmals wird das große Leid einzelner Menschen einfach nicht oder erst zu spät erkannt. Die Menschen schaffen es nicht mehr allein. Ich denke, es ist nicht so, dass sie nicht mehr leben wollen. Der Selbsterhaltungstrieb ist der am stärksten ausgeprägte Lebenserhaltungsmechanismus den die Natur aufzubringen vermag. Depressive Menschen aber können nicht wirklich wollen. Sie würden schon lieber leben, glaube ich, aber eben nicht so. Dabei wissen sie nicht mehr, wie sie es anstellen könnten.
Ab einem bestimmten Stadium der Depression scheinen die eigenen Ressourcen nicht mehr erreichbar zu sein, obwohl sie de facto noch da sind. Diese Menschen brauchen Hilfe, brauchen Unterstützung. Und sie brauchen nicht irgendeine gut gemeinte Unterstützung, denn das Thema ist sensibel und will mit Bedacht, Empathie und  Erfahrung angegangen werden. Was sie brauchen ist ein professionelles Hilfsangebot. Leider bekommt man das hierzulande nicht an jeder Straßenecke. Und schon lange nicht ist überall dort Professionalität vorhanden, wo sie auch plakativ angeboten wird. Das macht es oft schwierig, nachhaltige Hilfe zu organisieren. Wo gibt es gute Therapeuten? Welche Klinik gilt als empfehlenswert? Wer weiß Rat?


Psychotherapie Hildesheim


Immer wieder werde ich gefragt, ob ich nicht eine gute Psychiatrische Klinik oder eine gute Psychosomatische Klinik wüsste, eine Klinik die ich empfehlen könne. Ich selbst machte einmal gute Erfahrungen mit einer stationären Psychotherapie und gebe diese auch immer noch gern weiter. Ich war damals für zwölf Wochen in Hildesheim im Landeskrankenhaus, dem heutigen Ameos Klinikum, untergekommen und betrachte diese Zeit noch heute als türöffnend und wegweisend. Das war in 2007. Mir ist natürlich auch klar, dass jeder Mensch anders wahrnimmt und empfindet und das, was für den einen gut ist, dem anderen vielleicht abträglich erscheinen mag. Auch steht und fällt der Erfolg einer Psychotherapie insbesondere mit den Qualitäten des Therapeuten. Viele Faktoren spielen da mit hinein. Und doch gibt es ganz sicher auch Unterschiede zwischen den einzelnen Häusern. Eine gute Therapie braucht gute Bedingungen. Gute Häuser bieten diese guten Bedingungen, bieten den Raum für so etwas. Es ist von Bedeutung, welcher Geist in einer Einrichtung vorherrscht, ob der Mensch im Mittelpunkt steht oder der Gewinn. Ferner ist es nicht unerheblich, ob die Mitarbeiter ihre Arbeit gern tun, ob sie sich wohl fühlen, ob sie anerkannt sind und sich entfalten können. Auch die Art der Therapie spielt eine nicht unwesentliche Rolle. Einen kleinen Überblick über die Möglichkeiten der Psychotherapie gab ich bereits in einem anderen Blogbeitrag. auch die Grenzen von Psychotherapie oder mögliche Nebenwirkungen einer Psychotherapie kamen schon an anderer Stelle zu Sprache.


Psychotherapie Erfahrungen


So kam mir die Idee, dass hier in diesem Blog ein guter Ort sein könnte, Informationen dieser Art einmal einzusammeln und zu veröffentlichen. Und so bitte ich jeden, der hierzu beitragen kann, seine Erfahrungen eben kurz als Kommentar einzubringen. Ich denke, es sollten vornehmlich gute Erfahrungen zur Sprache kommen, denn die Menschen die nicht wissen, für welche Klinik sie sich entscheiden sollen, kommen ja nicht wirklich weiter, wen sie fortwährend nur erfahren, wo sie sich besser nicht einlassen sollten. Andererseits können desaströse Erfahrungen, die hier zur Veröffentlichung kommen, auch weiteres Leid vermeiden. Ich würde mich freuen, wenn du diesen Gedanken aufnehmen und unterstützen kannst und bin gespannt auf deinen Tipp zum Thema Stationäre Psychotherapie. Wie ist es dir ergangen? Welche Klink kannst du empfehlen? Wann warst du dort?


Quellen zu Psychotherapie Empfehlung
Foto: pixabay.com   Statistische Angaben zu Suiziden in Deutschland: statista.com









Kommentare:

  1. Hi,

    dann mach ich mal den Anfang:

    Klinik: LVR-Klinik am Niederrhein
    Zeitraum: Sommer 2014, dreieinhalb Wochen
    Diagnose: Irgendwas zwischen Anpassungsstörung, Depression und Angststörung
    Medikation: Übernahme der Verordnung Fluoxetin 30mg von meinem überweisenden Psychiater; zusätzlich Atosil nachts nach Bedarf (Vorsicht: Die Standardeinstiegsdosis von 15mg hat mich noch den halben Vormittag danach ausgeknockt! Mit 5mg ging's dann super)
    Therapie: Ging so: 1x die Woche 1 Stunde Gruppentherapie - hat mir persönlich nicht so viel gebracht; 1x die Woche ein Einzelgespräch - hat zwar einerseits geholfen, ist aber andererseits auch kein Allheilmittel; 2x die Woche Sport - hmm, naja, ich mache das eigentlich lieber an der frischen Luft; 2x die Woche Ergotherapie - auch so naja; 1x die Woche Entspannungsübung - grds. ok, aber der Erfolg ist schon auch stark von der Gruppe und der Mitarbeit der Einzelnen abhängig

    Gesamturteil: ok

    Aber: Ich hatte mir irgendwie mehr davon versprochen. Ich hatte bzgl. meiner Depression im Vorfeld mit Freunden ein bißchen den Vergleich zu nem komplizierten Beinbruch o.ä. gezogen, mit dem man ja auch zum Spezialisten geht und nicht versucht, es nur mit Hausmittelchen zu kurieren.
    Diese Erwartung hat der Aufenthalt nicht erfüllt. Evtl. war meine Erwartung da aber auch schlichtweg überzogen - letzten Endes bekommt man seine Psyche und Seele dort eben nicht in Gips verpackt und geschient, und nach drei Wochen wird man mit der Empfehlung, die Psyche noch nicht zu sehr zu belasten, wieder entlassen...

    Vielleicht ging es mir aber doch auch nicht schlecht genug, rückblickend betrachtet: Auf der einen Seite war es gut, einmal ausführlicher mit anderen Betroffenen in Kontakt zu kommen und sich auszutauschen. Auf der anderen Seite kann einen die ein oder andere Story aber auch echt (zusätzlich) runterziehen.

    Am Ende der dreieinhalb Wochen habe ich mich immer noch recht wacklig gefühlt und war unsicher, in mein "normales" Leben zurückzukehren.
    Ein bißchen ist es mit der Klinik daher wie mit dem Autofahren: Man bekommt in der Fahrschule zwar das Fahren beigebracht - aber richtig Autofahren lernt man erst im Laufe der nächsten Monate und Jahre. Und selbst zwei Jahre später gibt es leider immer noch genug Situationen, die mich fordern und schwanken lassen...

    Trotzdem denke ich, daß es gut für mich war, die Erfahrung gemacht zu haben, und kann daher einen Klinikaufenthalt nur jedem unbedingt empfehlen, der glaubt, es im persönlichen, häuslichen Umfeld nicht mehr gebacken zu bekommen. Allein schon der räumliche Abstand und die neuen Impulse von Außen helfen.

    Alex

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  2. Hallo Alex,
    auf dich ist Verlass, wie ich sehe! Herzlichen Dank für deinen Bericht! Ich denke auch, dass es nicht darum geht, in ein paar Wochen des Klinikaufenthaltes vollständig zu genesen. Es geht eher um Impulse. Alles braucht seine Zeit. Und wenn die Impulse gut waren, die du aus der Klinik mit nach Hause nehmen konntest, dann würde ich den Aufenthalt auch als Erfolg betrachten wollen. Deine Metapher mit der Fahrschule gefällt mir übrigens sehr gut in diesem Zusammenhang. Liebe Grüße Benno

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