Tinnitus und Depressionen - Die Bedeutung eines Symptoms - Ratgeber Depression

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Tinnitus und Depressionen - Die Bedeutung eines Symptoms

Tinnitus und Depressionen Wer den Tinnitus kennt, verflucht ihn und wer ihn nicht kennt, kann ihn sich auch nicht wirklich vorstellen. Er pfeift tagein tagaus, tags und nachts - immer dasselbe Geräusch. Er hat nur ein einziges Mal Luft geholt und seither pfeift er in meinem Ohr herum und das nun schon mehrere Jahre. Keiner weiß genau, was wirklich dahinter steckt. Eine Durchblutungsstörung im Innenohr ist wohl sicher eine zu simple Erklärung, denn ein Zusammenhang zu seelischen Belastungen wird inzwischen nicht mehr bestritten. Man kann den Tinnitus behandeln, aber das Zeitfenster ist eng und der Erfolg nicht garantiert. Wie kommt es also zum Tinnitus und in welchem Zusammenhang steht er zur Depression?



Tinnitus - Bei dir piept es wohl?


Mich plagt er schon Jahre, dieser kleine Mann in meinem linken Ohr, der glaubt, mir ständig einen vorpfeifen zu müssen. Unerwünschte Ohrgeräusche, eine Sache, auf die ich, ehrlich gesagt, gut und gerne verzichten könnte. Aber so ist das mit den Krankheiten oder Symptomen. Sie fragen uns nicht, ob es uns passt, dass sie uns jetzt ärgern. Schließlich fragen wir ja unseren Körper auch nicht, ob es ihm passt, wenn wir nicht gut mit ihm umgehen. Wir tun es einfach und irgend wann kommt eben die Quittung dafür. Es begann alles mit meinem Zusammenbruch Anfang 2007. Manchmal bekam ich dann so ein Pfeifen im Ohr, ein ziemlich hoher Ton, in der Lautstärke von Fall zu Fall variierend. Aber ich konnte mir jedesmal sicher sein, dass es wieder weg geht. Der Ton kam und der Ton ging, ich nannte es Tinnitus und so war es für mich okay, naja relativ okay. Ich wusste ja schon von meinen Depressionen und irgend wie hatte ich auch eine Ahnung oder schon davon gehört, dass beides miteinander zu tun hat.


Was ist Tinnitus


Tinnitus aurium, so lautet die Fachbezeichnung für das verhasste Klingeln im Ohr. Der Tinnitus ist eigentlich keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Begleitsymptom vieler Krankheiten. Ein Viertel aller Deutschen haben schon einmal in ihrem Leben einen Tinnitus gehabt. Der Tinnitus ist ein Ohrgeräusch, das vom Betroffenen zwar deutlich gehört wird, jedoch von keiner physikalischen Schallquelle ausgeht. Was der Betroffene hört, kann sehr unterschiedlich sein und reicht vom Piepen, Brummen, Knacken, Ohrensausen, Zischen, Ohrenrauschen bis hin zum Pfeifen. Der Tinnitus kann dabei als hohes, mittelhohes oder tiefes Geräusch wahr genommen werden. Meist taucht der Tinnitus nur einseitig auf, es gibt aber auch Fälle, da wird das Geräusch beidseitig gehört. Der lästige Ton kann verschwinden, wieder auftreten, oder von Dauer sein. Was man wissen sollte: Tinnitus ist niemals eingebildet, denn man kann ihn mittels Hörtest sowohl in seiner Tonhöhe als auch in seiner Stärke abbilden. Es handelt sich also nicht etwa um akustische Halluzinationen, wie man sie von der Schizophrenie her kennt. Man unterscheidet den Tinnitus nach der Dauer seines Auftretens in akuten Tinnitus (für Sekunden oder Minuten ein Klingeln im Ohr), subakuten Tinnitus (kann bis zu drei Monate andauern) oder chronischem Tinnitus (länger als sechs Monate).


Woher kommt der Tinnitus?


Psychologen der Uni Köln haben seelisch-körperliche Anspannung als Hauptursache der Ohrgeräusche festgestellt. Vor allem Stress, Ängstlichkeit und Unzufriedenheit fördern demnach die chronische Entwicklung dieses Phänomens, berichten die Experten. Bei manchen Tinnitus-Patienten spielen Versagens-Ängste eine große Rolle. Tinnitus ist eine gute Gelegenheit, sich bei einem Versagen zu entschuldigen! Irgend etwas ist noch nicht stimmig. Irgend etwas will noch einmal angeguckt und gefühlt werden. Eine verdrängte Angst vielleicht, eine Versagensangst oder gar Schuldgefühle? Das Hörproblem ist häufig bei Menschen mit Berufen zu finden, die ein “offenes Ohr” erfordern. Tinnitus wird daher auch oft als "Lehrerkrankheit" oder "Bürgermeisterkrankheit" bezeichnet. Da finde ich mich auch wieder. Während meiner Partnerschaft war ich immer zu 100% auf meine Frau fixiert, wollte dass es ihr gut geht, wollte ihr gefallen, wollte ein guter Zuhörer sein, auch wenn ich eigentlich lieber in der Werkstatt gemuckelt hätte, habe ich mich zu ihr gesetzt oder bin mit ihr spazieren gegangen. Ich habe meine Bedürfnisse hinter die ihren gestellt. Nicht dass sie das von mir verlangt hätte - wir haben nie wirklich darüber gesprochen. Sie trifft keine Schuld an meinem Fehlverhalten. Ich tat es einfach, im Glauben, es sei schon das Richtige. Wenn ich allein war, waren meine Gedanken nur bei ihr und selbst heute, nach so langer Zeit sind meine Gedanken jeden Tag bei ihr. Ja, ich hatte immer ein offenes Ohr für sie.
Klinischen Erfahrungen zufolge zeichnen sich Patienten mit chronischem Tinnitus durch folgende Eigenschaften aus:

  • Sie haben ein ausgeprägtes Kontrollbedürfnis.
  • Sie leben relativ kopfbezogen.
  • Sie haben Schwierigkeiten, Kränkungen und seelische Verletzungen emotional zu verarbeiten.
  • Sie neigen zu Perfektionismus.
  • Sie haben ein hohes Maß an Verantwortungsbereitschaft.
  • Sie meinen, grundsätzlich durchhalten zu müssen.
  • Sie leben mit innerer Unruhe und Hektik, verfallen leicht unter Zeitdruck und sind ständig angespannt.

Nun, das trifft leider alles auf mich zu. Volltreffer, kann man sagen. Kein Wunder also, dass es bei mir piept, oder? Man sagt, beim Tinnitus verschaffe sich die Seele Gehör, sie töne dem Patienten quasi von innen entgegen und warne davor, sich weiterhin zu überfordern.


Tinnitus und die Bedeutung für die Psyche


Dass ein Tinnitus seinen Ursprung auch in der Psyche haben kann, wird heute eher von den Menschen angenommen als früher. Für Personen, die unter Tinnitus leiden, ist es wichtig, den Zusammenhang zwischen Körper und Seele zu verstehen, denn nur all zu oft findet sich kein körperlicher Befund bei der Behandlung der lästigen Ohrgeräusche. Psychische Krankheiten und Tinnitus treten häufig gemeinsam auf. Oftmals leiden die Patienten gleichzeitig auch unter Depressionen, so wie in meinem Fall. Es gibt nachgewiesenermaßen einen Zusammenhang zwischen Psyche und dem Hören beim chronischen Tinnitus. Wer als psychisch Kranker unter Tinnitus leidet, kann gleichsam seine Gefühle hören. Tatsächlich nehmen chronisch Betroffene emotionale Eindrücke auch mit Gehirnarealen wahr, die mit der Hörbahn vernetzt sind, so dass es denkbar ist, dass hier der Tinnitus einem seelischen Konflikt Ausdruck verleiht. Das ergaben Studien des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim.
Der Tinnitus lehrt uns, wie sehr wir bisherige Lebensweisen verändern sollten. Dabei wird nicht jede Veränderung gleich zum Erfolg führen. Jeder muss selbst heraus finden, mit welchem Ereignis das Auftreten seines Tinnitus zusammen fiel. Bei mir war das die Trennung von meiner zweiten Frau. Sofort ging damals mein Blutdruck nach oben und das Piepen stellte sich ein.
Das ist jetzt fast ein Jahr her. Anfangs habe ich den Blutdruck medikamentös zu behandeln versucht. Dir Tabletten halfen zuerst auch, aber nach kurzer Zeit war der Blutdruck trotz Blutdrucksenker wieder auf demselben hohen Wert. Der Arzt verdoppelte die Dosis - mit Erfolg, jedoch wiederholte sich das Spiel. Als ich dann auch noch ein zweites Medikament einnahm und der Blutdruck nach anfänglicher Absenkung wieder in die Höhe schoss, setzte ich alle Medikamente ab. Ich hatte begriffen. Mein Körper wollte mir sagen: "Diese Trennung macht dir Druck. Stell dich dem Gefühl!" Das tat ich dann auch und infolge stellten sich wieder akzeptable Werte bei Systole und Co ein. Beim Tinnitus jedoch hatte ich bislang keinen Erfolg. Vielleicht trägt ja die Auseinandersetzung hier mit diesem Thema etwas zur Besserung bei? Aber ehrlich gesagt, habe ich die Botschaft noch nicht wirklich entschlüsselt. Was kann das Piepen bedeuten? Ist es ein Alarmton? Bin ich zu weit gegangen mit der Trennung? Pfeift es in meinem Ohr, weil ich die Wahrheit nicht hören will? Und wenn ja, welche Wahrheit? Ich bin noch etwas ratlos... Tagsüber macht mir der Tinnitus eigentlich nicht zu schaffen. Ich höre ihn kaum. Wenn ich beschäftigt bin, wenn ich Ablenkung habe, ist das Ohrenrauschen wie ausgeblendet. Doch sobald ich einen Moment zur Ruhe komme, werde ich des unangenehmen Tones sofort wieder gewahr, manchmal sogar auf beiden Ohren. Der Tinnitus zeigt mir einen inneren Konflikt an, einen Konflikt, den ich nicht sehen will, der aber da ist. Der Tinnitus zwingt mich, hinzuhören, in mich hinein zu hören. Er pfeift mich zusammen, endlich Ordnung in mein Gefühlschaos zu bringen. Ja, ja, ich gebe ja zu, da ist irgend etwas. Ich räume ja ein, ich muss da etwas für mich klären. Aber muss das denn unbedingt jetzt sein?


Der Tinnitus und seine Behandlung


Lange Zeit glaubte ich, was von allein gekommen ist, geht auch von allein wieder. Was oft auch tatsächlich zutrifft, hat sich im Falle meines Tinnitus allerdings als Trugschluss erwiesen. Er hat sich nur an den ersten Teil des Satzes gehalten. Irgendwann habe ich deshalb beschlossen, es doch einmal ärztlich abklären zu lassen und habe meinen Hausarzt aufgesucht. Es hätte ja sein können, dass nur der Gehörgang verstopft ist, oder dass eine Verspannung im Halswirbelbereich vorliegt. Wir haben also meine Ohren gründlich gespült, haben den Spezialisten, den HNO-Arzt reinsehen lassen, haben meine Halswirbel durch einen Chiropraktiker einrenken lassen und haben um sicher zu gehen auch eine Infusionstherapie durchgeführt. Hierbei wird versucht mittels langsam laufender Infusionen über einen Zeitraum von 10 Tagen den Tinnitus aufzulösen. Wenn du das ambulant machen lässt, musst du das Serum leider selbst bezahlen. Es kostete bei mir so um die 15 Euro pro Beutel. Näheres zu Infusionen bei Tinnitus erfährst du auch hier: thieme.de. Leider verblieben all diese Bemühungen ein normales Hörvermögen wieder herzustellen, in meinem Fall erfolglos, was ich sehr bedaure. Womöglich habe ich doch zu lange gezögert, zum Arzt zu gehen. Immerhin ließ ich fast ein Jahr verstreichen. Empfohlen wird ein Arztbesuch aber schon, wenn das Geräusch länger als 24 Stunden anhält. Wenn ich so etwas noch einmal erlebe, werde ich mich an diese Empfehlung halten. Bislang ist das rechte Ohr ja noch okay, aber manchmal, in Phasen erhöhten Stresses, meldet sich auch hier schon das mir gut bekannte Pfeifen.

Quellen zu Tinnitus und Depression
tinnitus-mag.de   apotheken-umschau.de   gesundheitswerkstatt.de
Foto: Sparkie / pixelio.de








Kommentare:

  1. Meiner Meinung nach sind das alles verdrängte Gefühle wie Trauer, Wut, Hass, Angst (!) die auch schon in der Kindheit verdrängt und nicht richtig gefühlt wurden durften weil es von den Eltern verboten wurde (Liebesentzug als Druckmittel). Also werden diese Gefühle heruntergeschluckt und verdrängt aber auf Kosten des Kindes. Dann später als Erwachsener hat man diesen Umgang mit Gefühlen ja schon gelernt und wendet ihn wieder an: also runterschlucken und verdrängen. Aber irgendwann geht dieser Umgang mit Gefühlen nicht mehr gut und diese ausser sich in Krankheiten, Depressionen und eben auch Tinnitus. Deshalb wäre es gut wenn man (Mann) wieder lernt, die ganze Palette von Gefühlen zuzulassen und auszudrücken, damit diese Energien den Körper wieder verlassen können. Gefühle wollen gefühlt werden! Ohne Ausnahmen! Die angenehmen wie auch die unangenehmen! Dann erst wird innerer Frieden sich einstellen....

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    1. Dem kann ich nur zustimmen! Danke für deine Einschätzung und präzise Zusammenfassung. Genau darum geht es wohl...

      Liebe Grüße Benno

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  2. Ach ja und auch wichtig ist es meiner Meinung nach, das innere Kind zu heilen, die Verstrickungen mit Vater und Mutter lösen. Dazu gibt es gute Meditations-CDs von Robert Betz. Das mit dem inneren Kind mache ich bereits regelmässig als Meditation und es hat mir schon sehr geholfen auf meinem Weg zu mehr innerem Frieden. CD's gibt's auf Amazon....gut investiertes Geld....

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    1. Ich habe auch schon mit Vorträgen von Robert Betz gearbeitet, allerdings mag ich seine Meditationen nicht. Irgendwie regen die mich auf, anstatt mich zu beruhigen...Aber das Thema "Inneres Kind" halte ich auch für besonders wichtig...

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  3. Hallo , ich selbst habe schon drei schwere Depressive Episoden hinter mir . Kann sagen ich kann dem nur zustimmen . Ich habe auch Tinitus . Es gibt Phasen da ist es besser und andere da ist es schlecht .
    Ich hoffe jetzt den richtigen Therapeuten gefunden zu haben .

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    1. Ja, das hoffe ich auch, dass du nun einen guten Therapeuten gefunden hast. Berichte gern einmal ausführlich über deine Erfahrungen, wenn du magst. Liebe Grüße Benno

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