Enttäuschung und Depression

Das Leben ist voller Täuschungen und Enttäuschungen. Jeder Mensch weiß das. Selbst Kinder wissen das schon recht früh. Aber nicht jeder kann gleich gut mit einer Enttäuschung umgehen. Ich für meinen Teil komme eigentlich (man achte auf die Einschränkung) mit Enttäuschungen ganz gut zurecht. Nun ja, das glaube ich zumindest von mir. Ent-Täuschungen können ja durchaus auch ganz nützlich sein, indem sie nämlich einen Zustand der Täuschung (meistens ist es eher eine Selbsttäuschung) beenden und somit dazu beitragen, die Welt in Zukunft realistischer zu sehen. Das schützt zwar nicht grundsätzlich vor weiteren Enttäuschungen, dürfte aber das Leben durchaus etwas erleichtern. Enttäuschungen sind also per se nichts Schlechtes. Was wir Menschen daran nicht mögen, sind die Gefühle die damit verbunden sind. Enttäuschung selbst ist schon ein Gefühl, aber kein Grundgefühl, sondern genau genommen eher eine Mischung aus mehreren Gefühlen. Grundgefühle der Menschen sind Gefühle wie Überraschung, Freude, Liebe, Traurigkeit, Angst, Wut, Verachtung und Ekel. Die Enttäuschung dürfte eine Mischung aus Überraschung und Traurigkeit sein. Wobei sich rasch auch Folgefühle einstellen können, wie Angst, Wut oder Verachtung.


Beziehungen und Enttäuschung


Wie ich eingangs schon erwähnte, kann ich mit Enttäuschungen im allgemeinen recht gut umgehen. Jetzt kommt aber eine entscheidende Einschränkung: Enttäuschungen, die sachlicher Natur sind, wie zum Beispiel die Enttäuschung darüber, dass der Urlaub nicht so sonnig war, wie erwartet, oder das erwartete Päckchen heute wieder nicht an kam, sind von mir normal kompensierbar. Enttäuschungen aber, die mit Personen verbunden sind, Enttäuschungen also, die ich persönlich nehme, die werfen mich total aus dem Gleis. Dabei ist nicht so sehr das Gefühl der Enttäuschung, das mir zu schaffen macht, als viel mehr die Folgegefühle, die sich raptusartig einstellen: Wut, Wut, Wut ... und manchmal sogar bis hin zur Verachtung. Die Wut wird so groß, dass ich mich nicht in der Lage sehe, mit ihr umzugehen. Ich kann sie weder dosiert noch frei ausagieren. Also unterdrücke ich sie komplett, werde zum Dampfkessel, dem jeden Moment das Sicherheitsventil weg zu fliegen droht. Das ist kein schönes Gefühl, das kannst du mir glauben. Hinzu kommt dann noch das Gefühl der Ohnmacht, das Gefühl nämlich, nichts gegen das ursprüngliche Gefühl tun zu können. Und von der Ohnmacht ist es dann nur noch ein winziger Schritt zurück in die Depression. So geschieht es regelmäßig, dass für mich an und für sich kleine Anlässe genügen, meine Stimmung ins Abseits kippen zu lassen. Die Gefühle sind zwar richtig an dieser Stelle, nur die Intensität ist zu groß. Sie ist so groß, dass sie mich in dem Moment komplett überfordert. Nicht ein zu wenig an Gefühlen, wie landläufig angenommen, bedeutet für mich Depression, sondern ein zu viel! Ich weiß nicht, was biochemisch alles in so einem Augenblick passiert, aber eines scheint mir sicher: Ich bin dann so voll gepumpt mit Adrenalin, dass es Tage oder gar Wochen dauert, bis ich wieder herunter kommen kann.


Enttäuschung wird erlernt


Wie kommt es zu so einer heftigen Reaktion? Ich denke, für mich persönlich die Antwort zu kennen. Enttäuschung bedeutet ja in diesem Fall, von Menschen enttäuscht zu sein, die sich anders, als von mir erwartet oder erhofft, verhalten. Dabei ist die Enttäuschung umso größer, je näher mir der betreffende Mensch steht, je höher meine Erwartungen sind und umso wichtiger das erhoffte Verhalten für mich ist.
Es gab einmal eine Zeit in meinem Leben, da wurde ich massiv von Menschen enttäuscht, die Zeit nämlich, als ich in der DDR von der Stasi verfolgt wurde. Während dieser Zeit wandten sich viele Menschen von mir ab, bis hin zu meinem Vater (übrigens eine der schmerzlichsten Erfahrungen in meinem Leben). Es waren Verwandte, Freunde, Kollegen, Bekannte, Nachbarn, Mitglieder der Kirchengemeinde - kurzum, das volle soziale Spektrum! Wobei ich von den Menschen, die mir am nächsten standen, auch am meisten enttäuscht war. In diesem Fall brachte mir die Ent-Täuschung jedoch keinen Gewinn. Was sollte es mir auch von Nutzen sein, zu realisieren, dass man sich auf niemanden mehr verlassen kann? Irgendwie habe ich das Ganze aber doch verinnerlicht und es prägte fortan maßgeblich mein Verhältnis zu anderen Menschen. Eine Entwicklung, die mir heute noch schadet. Eine Folge, unter der ich heute noch leide, 25 Jahre danach.


Verständnis statt Frustration


Wenn ich nun also darüber nachdenke, wie ich dieses Muster der Überreaktion bei Enttäuschungen wohl am ehesten durchbrechen kann, dann fällt mir dazu eigentlich nur ein, dass ich meinen Frieden schließen muss mit den Menschen, die mich damals enttäuschten. Ich muss es ihrer Angst zu schreiben und in einem ersten Schritt versuchen, Verständnis für sie zu entwickeln. Ich muss ihnen vergeben können. Es war menschlich, wie sie reagierten. Die Welt besteht nicht aus Helden (auch wenn ich gerade meinen Vater immer für einen solchen hielt). Und vor allen Dingen darf ich es nicht persönlich nehmen. Sie haben ihren Arsch gerettet, wie man so schön sagt. Meiner war ihnen in dem Moment egal. Ich muss es also nicht persönlich nehmen. Bei jedem anderen hätten sie ebenso reagiert. Ich hatte einfach zu hohe Erwartungen an die Menschheit und die gilt es nun in einem zweiten Schritt zu aktualisieren. Gott steh mir bei, dass ich hierfür ein gutes Maß finde! Eine gesunde Orientierung scheine ich nämlich in puncto Enttäuschung völlig verloren zu haben ...



Kommentare:

  1. Hallo,

    erstens möchte ich Dir gratulieren, dein Blog ist ja sehr interessant und mir gefallen deine Artikel. Zweitens, möchte ich zu diesem was kommentieren. Ich wurde von meinem Psychotherapeut belehrt, dass die externe Situationen nicht enttäuschend oder schlimm sind, sondern die Ressources, die wir verfügen (oder nicht), um mit solchen Situation gut umzugehen. Ich persönlich kam im Gegenteil zu Dir mit Enttäuschungen gar nicht zurecht.
    Da ich allein sie nicht lösen konnte, hab ich immer mehr Stress bekommen(ich habe schwierige Situationen als stressig und bedrohend wahrgenommen) und am Ende sind einige physische Symptome aufgetreten.
    Bevor ich einen Psychotherapeut besucht habe, wollte ich mich versichern (der Termin kriegte ich für 2 Monate später), dass ich in Wahrheit an etwas litte und es sich nicht einfach nur um einen bestimmten Umstand handelte.
    Hätte ich doch damals diesen Blog entdeckt. Mir hat diesen Test sehr geholfen. Der persoenlichkeitsblog (sucht mal bei Google) hat auch umfassende Infos zum Thema).
    Ich war ehrlich gesagt ein bisschen skeptisch aber nun fühle ich mich langsam besser und hab gelernt, wie man die verschiedene Probleme des Lebens konfrontieren kann.
    Liebe Grüße,
    Maria

    Ich hoffe, dass es euch hilft. Ich

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    1. Hallo Maria und herzlichen Dank für deinen Kommentar, dein Interesse an meinem Blog und deine lobenden Worte! Ich hoffe, es geht dir inzwischen etwas besser. Es dauert eben meist seine Zeit mit den Depressionen. Ich wünschte mir für mich da oftmals mehr Geduld. Aber es gibt einen Weg hinaus! Ich wünsche dir alles Gute für deinen Weg!

      Frank

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  2. das was hier beschrieben wird trifft auch auf mich zu ,seid ich denken kann habe ich immer selbstmord gedanken es lief bei meinen eltern besonders meiner mutter nicht immer gut sie hatte immer andauerd an mir was auszusetzten seit ich mich erinnern kann sie behandelte mich als wär ich nicht ihr kind als ich 19 war habe ich gesagt wenn sie nicht endlich damit aufhört das ich gehn werde aber sie hat nicht locker gelassen bin damals zu mein freund gegangen und blieb auch bei ihm meine mutter hat nicht mal einmal versucht mich wieder nach hause zu holen geschweige mich zu übereden ich bin die zweitälteste von 5 kindern ich hatte 3 jahre kein kontakt zu ihr und 14 jahre zu meinem vater mein damalige freund hab ich dann geheiratet wir haben jetzt 2 kinder aber mittlerweile haben wir uns auch getrennt nach 19 jähriger ehe die nähe zu ihm hat mir meine ganze kraft geraubt und dann noch seine familie ich konnte ihm auch nicht alles recht er hat immer zu mir gesagt du musst dich ändern jetzt weiss ich warum er das immer meinte wenn er mich wirklich lieben würde hätte er das niemals von mir verlangt mittlerweile weiss ich das alles umsonst war die ehe auf den beinen zu halten war zigmal beim pyschologen neurologen wurde auch fast in die psychiatrie eingewiesen aber mein exmann meinte das er doch alles
    tun würde das es mir besser geht und was würden die leute denken ect.. danach habe ich durch die tabletten extrem zugenommen es wurde nur noch schlimmer alles weil ich im meinen herzen schon längst mi ihm abgeschlossen hatte ich ertrug seine nähe nicht mehr seit der trennung kann ich gut schlafen ohne licht sogar den kontakt zu meinen eltern hab ich abgebrochen seit dem geht es mir viel besser ich habe eingesehn halte dich von den menschen fern die dich ändern wollen oder nicht mit gesunden menschenverstand auf dich zukommen...!

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  3. Hallo,
    Seit einigen jahren,leide ich unter Depressionen und nehme auch Tabletten dagegen ein,die mir sehr helfen aber auch Nebenwirkungen haben
    Über das Thema Enttäuschungen wurde ich aufmerksam.
    Meine Psychotherapeutin sagte mir einmal,das ich zu der Gruppe der Überempfindlichen gehöre.Enttäuschungen sind für mich jedesmal ein schwieriger
    Akt,die zu bewältigen.,Jedesmal fühle ich mich sehr schlecht dabei und habe Heulattacken dabei,scheiße.
    Vor einigen Tagen,hatte ich eine derbe Enttäuschung einstecken müssen,eine
    Enttäuschung die sehr gravierend ist.
    Im Moment fühle ich mich schlecht und irgendwie von meiner Mutter nicht verstanden,weil meine Mutter eine Rolle dabei spielt und das kann ich nicht verkraften.
    Diese Sache,wird mich noch sehr lange beschäftigen.
    Dieses Jahr werde ich meine zweite stationäre Therapie machen um mit meinen Depressionen und mit meinen Aggressionen besser klar zu kommen.
    Letztes Jahr, war ich in einer Klinik,weil ich einige Jahre unter Selbstverletzungen gelitten habe,die jetzt Gott sei Dank besser geworden sind.
    Irgendwann,werde ich es schaffen von dieser Krankheit wieder loszukommen.
    Dagegen werde ich ankämpfen.In 3 Wochen werde ich auf Borderline getestet,mal sehen was dabei heraus kommt,ich hoffe nur,das ich keine Borderline Störung habe.
    Hoffentlich,wird meine Mutter, zu der ich einen guten Draht habe,diese Krankheit besser verstehen.
    Man darf nicht vergessen,das sie meinen Vater pflegen muss,der seit 13 Jahren mit einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt,dann ist man immer sehr angespannt mit der
    Pflege,da hat man nicht immer die Nerven für einen depressiven,der am lamentieren ist.Ein weiß ich,sowas etwas wünsche ich niemanden,weil diese Krankheit einen
    ganz schön umhauen kann,man ist ständig müde und Antriebslos.

    Liebe Grüße Caroline







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    1. Hallo Caroline,
      ich finde es gut, dass du gesund werden willst. Deine Entschlossenheit hierzu wirkt auf mich kraftvoll. Ich glaube auch, dass du dies schaffst. Du hast einen starken Willen, der dir da raus helfen wird. Wie das am Besten gehen kann, das lernst du in der Psychotherapie, durch einschlägige Literatur oder den Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen. Du hast viel Verständnis für deine Mutter. Ist das deine Stärke? Und hast du auch so viel Verständnis für dich selbst? Wenn du Verständnis für deine Mutter hast, vielleicht kannst du ihr dann einfach vergeben, für das was vorfiel? Enttäuschungen sind ja immer das Ergebnis von nicht eingetroffenen Erwartungen. Kannst du ihr verzeihen, dass sie deine Erwartungen nicht erfüllt hat? Im Akt der Vergebung liegt sehr viel Freiheit. Es ist ein Akt der Liebe. Er wird deiner Mutter gut tun, aber vor allem wird er dir selbst gut tun. Weißt du, wir Menschen verletzen uns ständig gegenseitig und besonders die, die wir am meisten lieben. Schuld daran ist oftmals unsere eigene Verletzung oder einfach eine Situation der Überforderung. Sieh mit Liebe auf das, was geschah und sieh mit Liebe auf dich und deine Mutter. Oftmals wollen wir Menschen uns gar nicht weh tun, aber gerade diese Verletzungen sind die Schmerzhaftesten. Alles Gute für dich, Caroline! Liebe Grüße Benno

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Ich freue mich über jeden Kommentar in diesem Blog über Depressionen und Burnout. Ich zeige hier meine persönliche Sicht auf die Depression und die kann, wie jeder Depressive weiß, mitunter sehr eng sein. Dein Kommentar hilft mir und allen Lesern, das Thema Depression vielleicht noch einmal mit anderen Augen zu sehen.

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