Ich will sterben - Lebensmüdigkeit und Selbsttötung - Ratgeber Depression

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Ich will sterben - Lebensmüdigkeit und Selbsttötung

Suizid ist ein Hilferuf Suizid und Depression gehören zusammen. Und so vermitteln depressive Menschen auch ohne Selbsttötungsabsicht das Gefühl, dass das Leben aus ihnen schon so gut wie gewichen sei. "Ich will sterben" steht ihne nicht selten quasi auf der Stirn geschrieben. Umgangssprachlich reden wir sogar davon, dass jemand "am Ende" ist. Aber dieser Zustand steht meiner Auffassung nach gar nicht für das Ende des Lebens, auch wenn das oft so gedeutet wird, sondern markiert einen, im wahrsten Sinne des Wortes,  not-wendigen Neuanfang. Es gilt, die Not zu wenden. Der Suizid bei Menschen, die unter einer Depression leiden, ist nach Angaben der Bundesärztekammer tatsächlich dreißigmal höher als der Suizid in der durchschnittlichen Bevölkerung. In Deutschland nehmen sich jährlich etwa 10.000 Menschen das Leben. Das heißt, von den 10.000 Suiziden in unserem Land wird nur etwa 320 Mal Selbstmord von Menschen ausgeübt, die keinerlei depressiven Merkmale zeigen. Da liegt die Vermutung schon sehr nahe, dass auch diese 320 Suizide von Menschen begangen wurden, die unter einer Depression litten - wissentlich oder unwissentlich - vermutlich haben sie es gut verbergen können.


Depressionen und die Suizidrate


Weltweit sind es etwa 3000 Menschen pro Tag, die im Verlaufe einer Depression den Suizid als letzte Möglichkeit sehen, ihren seelischen Qualen zu entkommen. Die Deutsche Depressionstatistik weißt etwa zehntausend Suizide pro Jahr aus. Etwa 10-15 Prozent aller Depressiven wählen im Zuge ihrer psychischen Erkrankung den Freitod als Ausweg für ihr qualvolles Leben, auch heute noch. Es ist meiner Meinung nach nicht so, dass depressive Menschen grundsätzlich zum Selbstmord neigen. Es ist eher so, dass viele von ihnen sich einfach zu sehr erschöpft fühlen und nicht in der Lage sehen, ihre seelische Misere, ihre Depression, auf andere Weise zu beenden. Sie wollen eigentlich leben, sie wollen keinen Suizid, aber sie können nicht mehr. Ihnen fehlt schlicht und ergreifend die Kraft, weiter zu gehen. Sie brechen zusammen unter der tonnenschweren Last ihrer unverarbeiteten Gefühle.


Depression und Suizid muss nicht sein


Da die Depression selbst auch durch ihre Dunkelheit und Hoffnungslosigkeit für eine gewisse Endzeitstimmung sorgt, glaubt man allgemein hin, sie stünde tatsächlich für das bevorstehende Ende des Lebens und bringt sie deshalb noch leichter mit dem Suizid in Verbindung. Aber eigentlich ist dem nicht so. Die Depression steht zwar für ein Ende des Lebens, aber sie steht auch für einen Anfang. Die Depression ist eine Botschaft an den Betroffenen und seine Umwelt, die da lautet: Ich will und kann so nicht weiter leben!" Und dabei ist "so" das alles entscheidende Wort. Die Seele schreit auf und setzt ein Stoppsignal. Sie zwingt den Menschen, die gewohnten Pfade zu verlassen und in Zukunft etwas anders zu machen. Wenn wir dazu bereit sind, etwas zu ändern, wenn wir bereit sind, einen Neuanfang zu wagen, dann ist die Depression eine einzigartige Chance auf ein zweites, erfülltes und glückliches Leben. Eine Depression läuft nicht zwangsläufig auf einen Suizid hinaus. Allerdings gibt es das nicht zum Nulltarif. Es kostet etwas. Es kostet Mut und Durchhaltevermögen, aber vor allem kostet, es als ersten Schritt, eine Entscheidung gegen den Suizid. Als zweiten Schritt musst du dich bereit machen, dein bisheriges Leben aufzugeben. Und das dürfte die schwierigste Aufgabe in diesem Prozess sein. Denn zunächst hast du nur das Gefühl, alles zu verlieren.


Dem Suizid etwas entgegen setzen


Wenn ein Mensch sein Leben lang etwas immer auf dieselbe Weise getan hat, dann fällt es ihm ungeheuer schwer, dies auf einmal nicht mehr so zu tun. Denk- und Verhaltensmuster sind in unserem Gehirn fest eingebrannt. Es sind quasi Schnellstraßen in unserem Kopf, während neue Denk- und Handlungsansätze einem mit der Machete durch den Dschungel getriebenen Stolperweg gleich kommen. Im Zuge der Therapie einer Depression müssen wir diesen neuen Weg mühsam erkämpfen und ihn dann auch immer wieder gehen, damit er sich austritt und nicht wieder zu wächst. Aber diese Art Suizidprävention lohnt sich allemal. Mit der Zeit wird der neue Weg dann leichter begehbar und irgendwann sind wir froh, dass wir jetzt eine Alternative zur Autobahn gewonnen haben.


Die Depression als Beginn oder der Suizid als Ende


Sind wir zu der Entscheidung bereit, aus der Depression etwas zu lernen, zeigen wir dem Suizid die rote Karte. Damit haben wir den ersten und wichtigsten Schritt in ein neues Leben bereits getan. Wenn wir dazu nicht in der Lage sind, wenn wir lieber an unserem alten Leben festhalten wollen, dann müssen wir auch ertragen, dass das alte Leben uns mit all seiner Last nieder drückt (lat.= deprimere). Dieser Druck der Depression kann tatsächlich so groß werden, dass wir keinen anderen Ausweg mehr sehen, uns nichts sehnlicher wünschen als den Tod. Es soll dann einfach nur vorbei sein. Was bleibt dann noch außer dem Wunsch nach einem Ende? In welche Richtung es weiter gehen soll, Suizid oder Neubeginn, können und müssen wir allein entscheiden. Alle, die in solch einer Lebensphase stecken, möchte ich dazu ermutigen, diese Entscheidung gegen den Suizid zu treffen. Auch wenn du das jetzt nicht fühlen kannst: Es lohnt sich! Betrachte deine Entscheidung gegen einen Selbstmord und für das Leben als eine gute Investition in die Zukunft. Schließe ab, mit dem was du verloren hast und richte deinen Blick auf das, was du noch alles dazu gewinnen kannst. Ich für meinen Teil habe mich für das Leben entschieden - Suizid adé - und ich habe es nicht bereut.

Quellen zu Suizid bei Depression
Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Suizid und Depression








Kommentare:

  1. Hallo,
    Mein Verlobter ist vor 4 Monaten unerwartet an Krebs gestorben.
    Die Versicherung will an mich, trotz Bezugsrecht nicht bezahlen.
    Ich möchte unsere gemeinsame Wohnung gerne behalten , weiß aber nicht wie.
    Steh ohne Geld da und weiß nicht mehr weiter.
    Mein Nervenarzt sagte mir, er sehe keine Perspektive mehr für mich.
    Freunde habe ich keine und mein Sohn denkt nur an sich, hat auch streit mit mir angefangen.
    Bitte was soll ich noch hier ?9

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    1. Hallo Claudia,
      es tut mir leid, dass dein Freund gestorben ist. So ein Verlust schmerzt. Wenn es dann auch noch finanziell eng wird, kann es einem den Boden unter den Füßen entziehen. Das ist alles ein bisschen viel auf einmal. Aber wenn du ein Bezugsrecht hast, dann wirst du das Geld ja auch irgendwann bekommen, oder? Klagst du es ein?
      Dass du die Wohnung gern behalten magst, kann ich gut verstehen. Wenn du sie dir jetzt aber noch nicht leisten kannst, halte ich es für besser, sie aufzugeben. Ich denke, es wäre auch gut für dich, um dich von deinem Freund innerlich trennen zu können. Dein Leben geht weiter. Es wartet jetzt nur auf dich. Den Nervenarzt würde ich wechseln oder bist du schon 95? Keine Perspektive! Es gibt immer ein Morgen. Wenn du sonst niemanden hast, wäre es vielleicht gut, wenn du dich einer Selbsthilfegrupppe anschließen würdest. Das würde dir sicher gut tun. Gib dir ein wenig Zeit, Claudia. Jetzt ist es dunkel, aber es wird wieder hell. Der Tod gehört zum Leben. Jeder Mensch muss früher oder später diese Erfahrung machen. Gönne dir diese Zeit der Trauer mit allem was dazu gehört. Danach wirst du dich besser fühlen. Alle Liebe für dich! Benno

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